Hamburg/Magdeburg l Damit hatte niemand gerechnet: Während der Enigma-Vorstellung der Magdeburger Kammerspiele und des Theaters an der Angel bei den Privattheatertagen in Hamburg musste die Polizei anrücken. In der Inszenierung des Stückes von Eric-Emmanuel Schmitt fallen Schüsse, und es wird auch gebrüllt, wenn sich die beiden Protagonisten, Abel Znorko (Michael Günther Bard) und Erik Larsen (Matthias Engel) gegenseitig provozieren.

Anwohner alarmierten deshalb die Polizei. Die ließ sich zum Glück schnell überzeugen, dass es sich lediglich um eine Theateraufführung handelt und rückte, ohne Anzeigen zu schreiben, wieder ab.

Theateraufführung in einer Villa

Beim Theater im Zimmer, wo die Magdeburger auftraten, handelt es sich um eine Villa mit vielen Fenstern und auch einer kleinen Außenterrasse im wohlsituierten Stadtteil Harvestehude. Die Villa steht in einer reinen Wohngegend und wurde nach 20-jähriger Pause vor einem Jahr im Familienbetrieb als Theater wiedereröffnet. Bis zu den nächsten Nachbarn sind es nur wenige Meter.

Wie in Magdeburg wurde das Stück unter der Regie von Marcus Kaloff auch in Hamburg drinnen und draußen gespielt. Intendantin Martha Kunicki hat den Abend noch in lebhafter Erinnerung. „Nach etwa 25 Minuten fielen die ersten Schüsse“, erzählt sie auf Nachfrage. Wenige Minuten später habe die Polizei vor der Tür gestanden.

Polizisten nehmen Vorfall mit Humor

Zum Glück war alles angemeldet, „sonst wären die mit einem ganzen Trupp gekommen“, erzählt sie. Inzwischen kann sie auch selbst über die Episode schmunzeln. Und auch die Polizisten hätten den Vorfall mit Humor genommen.

Das Publikum habe zum Glück wenig von der ganzen Aufregung mitbekommen. Und auch die Schauspieler hätten den Polizeieinsatz während der Vorstellung nur am Rande bemerkt, erzählt Michael Günther Bard.

Magdeburger wollen noch mal nach Hamburg

Die Aufführung in Hamburg sei trotzdem ein voller Erfolg gewesen. Die Produktion sollte gleich für weitere Vorstellungen gebucht werden. Allerdings habe ein anderes Theater die Gastspielrechte an dem Stück, so dass es nun noch Verhandlungssache sei, ob die Magdeburger die Möglichkeit bekommen, das Stück noch weitere Male in Hamburg zur Aufführung zu bringen.

Mit der Koproduktion von Kammerspielen und Theater an der Angel bewerben sich die Magdeburger um den Monika-Bleibtreu-Preis, der im Rahmen der Privattheatertage verliehen wird. Die Preisverleihung findet am 1. Juli 2018 statt. Die Magdeburger wurden für die Kategorie „(Zeitgenössisches) Drama“ nominiert.

Nominierung ist große Ehre

Und groß ist nun die Hoffnung, dass es mit einer Platzierung klappt. Aber dabei zu sein und die Nominierung allein seien schon eine große Ehre, findet Michael Günther Bard. Die Jury in Hamburg bilden die Schauspielerin Sandra Quadflieg, der Musiker und Autor Mathias Christian Kosel und der Autor Nis-Momme Stockmann.

„Enigma“ erzählt die Geschichte zweier Männer, die die gleiche Frau, jeder auf seine Weise, geliebt haben. Das Stück lebt von zahlreichen unerwarteten Wendungen. In der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt wird „Enigma“ voraussichtlich ab Herbst 2018 wieder gezeigt, kündigt Michael Günther Bard an, der inzwischen mit seinen Kollegen längst an der nächsten Produktion arbeitet: Im Ravelin 2 feiert am 28. Juni „Der Hauptmann von Köpenick“ Premiere. Sämtliche Vorstellungen sind bereits weitgehend ausverkauft.