Der heilige Mauritius

Die Darstellung des heiligen Mauritius im Magdeburger Dom gehört zu den herausragendsten skulpturalen Schöpfungen des 13. Jahrhunderts. Sie gilt als eine der ältesten realistischen Darstellungen eines Schwarzafrikaners nördlich der Alpen.

Im Chor des Magdeburger Doms ist nur noch der fein gearbeitete Torso zu sehen.

Mauritius ist neben der heiligen Katharina einer der beiden Schutzheiligen des Magdeburger Doms. Entstanden ist die Statue um 1240/50 – vermutlich in der gleichen Werkstatt, in der auch der Magdeburger Reiter geschaffen wurde.

Der heilige Mauritius stammte aus Theben und lebte im 3. Jahrhundert. Als Anführer der thebäischen Legion weigerte er sich, mit seinem Heer gegen eine andere christliche Armee zu kämpfen. Daraufhin wurden er und seine Legion hingerichtet.

Der heilige Mauritius war der Lieblingsheilige Kaiser Ottos des Großen. Entdeckt wurde die Figur erst bei der Restaurierung des Doms zwischen 1826 und 1834 in einem Holzverschlag.

Altstadt l Das Dommuseum Ottonianum hat seit Donnerstag, 5. Dezember 2019, ein neues, ganz besonderes Ausstellungsstück: die Figur des Heiligen Mauritius. Dabei handelt es sich um eine originalgetreu nachgebildete Statue aus dem 3-D-Drucker. Das Original ist im Chorraum des Doms zu sehen – allerdings ohne Beine und mit einigen weiteren Beschädigungen. Nun können sich Besucher des Dommuseums ansehen, wie die Mauritius-Skulptur, die in der Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden ist, einst ausgesehen haben mag.

Älteste Darstellung eines Schwarzafrikaners

Ein Jahr lang haben Domrestaurator Thomas Groll sowie wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kulturhistorischen Museums Magdeburg und der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt an der Neuinterpretation des Heiligen gearbeitet. Dabei wurden nicht nur stilistische Vergleiche mit anderen Skulpturen des 13. Jahrhunderts herangezogen, sondern auch das Original im Dom genau untersucht. Bis hin zu den Farbschichten. Im 19. Jahrhundert muss das Original schon einmal mit Farbe restauriert worden sein. Glücklicherweise, so Restaurator Groll, fand sich aber noch die Originalfarbe. Während der Oberkörper der Figur im 3-D-Drucker entstand, mussten die Beine aus Stein gearbeitet werden. Ansonsten hätte die Figur keine Standfestigkeit gehabt. Das muss auch schon beim Original, das keine Halterungen aufweist, schwierig gewesen sein, mutmaßt Groll.

1,56 Meter misst der Heilige im Dommuseum nun. Er trägt eine goldene Rüstung, eine Lanze sowie ein großes Schild mit Adler. Die Mauritiusstatue im Dom gilt als älteste realistische Darstellung eines Schwarzafrikaners nördlich der Alpen. Ungewöhnlich dabei: die Figur hatte blaue Augen. „Diese Freiheit hat man sich damals genommen“, so Restaurator Groll.