Magdeburg l Wie die Volksstimme auf Nachfrage erfuhr, handelt es sich um einen 33-jährigen Magdeburger. Ihm konnten bislang acht Übergriffe nachgewiesen werden. Er hatte arglosen Frauen auf offener Straße von hinten Sperma auf Körper und Kleidung gespritzt.

Wie er dabei genau vorging, ist noch unklar. Vier Überfälle wurden allein im Oktober 2016 bekannt. Hier hatte es Passantinnen in der Denhardtstraße, der Lübecker Straße, der Klosterwuhne und in der Gustav-Adolf-Straße getroffen, die er vom Rad aus im Vorbeifahren attackierte.

Täter agierte meist vom Fahrrad aus

Die Polizei nahm später DNA-Spuren von der Kleidung der Opfer und konnte so den Täter überführen. Die Ermittlungen wegen des Tatbestandes der Beleidigung mit sexuellem Hintergrund seien aber noch nicht abgeschlossen, betonte gestern Polizeisprecher Mike von Hoff. Haftgründe seien bislang nicht gesehen worden. Der Täter agierte in den meisten Fällen vom Fahrrad aus. Manchmal kam er aber auch zu Fuß.

Sicher scheint unterdessen, dass diese Taten nicht in Verbindung zu den Übergriffen der letzten zweieinhalb Jahre im Stadtpark stehen. Hier trieb ein Unbekannter Anfang 2015 und Anfang 2016 sein Unwesen. Er belästigte mehrere Joggerinnen, bespritzte sie mit Benzin sowie Pfefferspray. Wer hinter den Angriffen steckt, ist nach wie vor unklar.

Wertvolle Handyfotos

Eine Tathäufung wie im Falle des Fahrrad-Spritzers oder des Unbekannten im Stadtpark sei laut Polizei hingegen eher selten. Sonst würden eher Einzelfälle von unsittlichem Verhalten oder sexueller Belästigung in der Öffentlichkeit bekannt. Dazu gibt es immer mal wieder Meldungen wie die aus dem Stadtpark, wo im Sommer 2016 eine Joggerin von einem unbekannten Radfahrer im Vorbeifahren ans Gesäß gefasst wurde.

Ähnliches erlebte eine junge Magdeburgerin erst am vergangenen Wochenende. Die 34-Jährige schilderte gegenüber der Volksstimme ihr schockierendes Erlebnis.

Schockierendes Erlebis in der City

Sie war gegen 23.45 Uhr im Breiten Weg zu Fuß unterwegs, als sie ein unbekannter Radfahrer ganz nah überholte und ihr plötzlich im Vorbeifahren von vorn gezielt in den Schritt fasste. Die Frau war so überrascht und geschockt, dass sie nicht wusste, wie sie reagieren sollte. Anzeige erstattete sie nicht, da sie den Täter kaum gesehen hatte.

Doch der Vorfall beschäftigt das Opfer auch Tage später. Sie fragt sich, ob es nicht doch besser gewesen wäre, Anzeige zu erstatten.

Polizei rät zur Anzeige

Auf jeden Fall, betont Polizeisprecherin Beatrix Mertens. Es komme darauf an, sich möglichst viele Wiedererkennungsmerkmale, bezogen auf Täter und Tat, einzuprägen. Eine große Hilfe bei den Ermittlungen seien Handyfotos, die die Betroffenen, wenn irgend möglich, aber auch Zeugen machen können.

„Wir brauchen eine zweifelsfreie Identitätsfeststellung, und dabei können die Bilder helfen. Gerade, wenn es keine anderen Spuren gibt“, so die Polizeisprecherin. Sie rät Opfern, auf jeden Fall die Polizei zu rufen. Eine sofortige Fahndung könne zur Identitätsfeststellung des Täters führen. Die Chance zur Ergreifung sei dann viel größer.

Kein Bagatelldelikt

Zurückhaltung sei auch gar nicht angebracht. „Grapscherei“ sei letztlich kein Bagatelldelikt, sondern erfülle den Straftatbestand der sexuellen Belästigung. Danach wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer „eine andere Person in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und dadurch belästigt“. In schweren Fällen droht eine noch höhere Haftstrafe.