Magdeburg l Das tragische Unglück bei einem Kita-Ausflug am Neustädter See in Magdeburg, bei dem ein Zweijähriger verschwand und dann leblos im Wasser gefunden worden war, wird auch in den Kita-Einrichtungen in Trägerschaft der Stadt Magdeburg ausgewertet. Stadtsprecher Michael Reif: „In unseren sieben städtischen Kitas und den zwei städtischen Horten belehren alle Einrichtungsleiterinnen die pädagogischen Mitarbeiterinnen regelmäßig zum Thema Aufsichtspflicht. Jede Kita wird das aktuelle Geschehnis als Anlass nehmen, um erneut zu sensibilisieren und Handlungsstrategien bei Ausflügen zu überarbeiten. Die Leiterinnen werden den Pädagoginnen die Möglichkeit geben, über diese Situation zu sprechen“.

In der Stadtverwaltung sei man bestürzt über das Unglück. „Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind in diesen schweren Stunden bei den Eltern und der Familie des Jungen“, so der Stadtsprecher.

Mit der betroffenen Kita sei die Stadt über die Stabsstelle für Jugendhilfe-, Sozial- und Gesundheitsplanung als zuständige Stelle für die Erteilung der Betriebserlaubnis und die Aufsicht für die Betriebsführung in Kontakt, habe eine schriftliche Stellungnahme angefordert. Noch in dieser Woche solle es ein erstes Gespräch mit dem Träger geben, so der Stadtsprecher.

Unterstützung für Eltern und Kita

Am Montag war die Beigeordnete für Soziales, Simone Borris, in der Kita und hat sich über die aktuelle Situation informiert. Zudem waren am Montagmorgen zwei Mitarbeiterinnen des Jugendamtes vor Ort und standen für Eltern und Personal als zusätzliche Ansprechpartner zur Verfügung. „Darüber hinaus haben wir auch dem Träger und den Erzieherinnen Unterstützung zugesagt“, berichtete Michael Reif.

Unterstützung erhalten Eltern und Kita-Mitarbeiter auch vom Kriseninterventionsdienst des Magdeburger Vereins „Hilfe für Helfer in Not“. Die Seelsorger waren am Tag des Unglücks bereits vor Ort und leisteten seelsorgerischen Beistand bei Angehörigen, Kita-Mitarbeiterinnen sowie Einsatzkräften. Am Montag war ein Team zudem in der Kita, um als Ansprechpartner für Mitarbeiterinnen sowie Eltern da zu sein. Und die Seelsorger werden auch noch bis Freitag den ganzen Tag über in der Kita Ort sein, um Beistand zu leisten.

„Es herrscht nach dem Unglück eine große Trauer und emotionale Leere“, sagt Stefan Perlbach, Vorsitzender des Vereins „Hilfe für Helfer in Not“. Gemeinsam mit Kollegen ist er selbst vor Ort. Viele Gespräche mit dem Kita-Personal, aber auch mit einigen Eltern haben die Seelsorger geführt. Auch mit Kindern. „Sie haben ja mitbekommen, dass irgendetwas anders ist, haben gefragt, warum vor der Kita Teddys liegen. Gemeinsam mit den Gruppenleiterinnen haben wir den Kindern erklärt, dass es einen Unfall gegeben hat und ein Kind gestorben ist. Natürlich nicht im Detail. Aber es ist wichtig, dass auch die Kinder eine Erklärung bekommen“, so Stefan Perlbach.

Noch viel Gesprächsbedarf

Er und seine Mitstreiter merken, dass noch viel Gesprächsbedarf besteht. Am Montag waren nur wenige Kinder in die Einrichtung gebracht worden. Auch am Dienstag fehlten einige. Vermutlich, weil viele Eltern nicht wussten, wie es weiter geht, schätzt Perlbach. Wenn Eltern ihre Kinder in den nächsten Tagen wieder bringen, dann wollen die Seelsorger weiter für Fragen und Gespräche zur Verfügung stehen. In der Kita haben sie dafür einen Extraraum.

Viele Eltern hätten Angst, wollten, dass die Kinder auf dem Gelände der Kita oder gänzlich drinnen bleiben sollen. Der Träger der Einrichtung hat ohnehin am Montag ein vorläufiges Ausflugsverbot verhängt. Gleichzeitig bemerken die Seelsorger, dass Eltern und Erzieher versuchen, sich gegenseitig Mut zu machen, so Stefan Perlbach. „Wir wollen helfen, dass der Kita-Betrieb wieder ein Stück weit in geordnete Bahnen kommt. Das wird aber noch seine Zeit brauchen“, so der Seelsorger.

Am Freitag wollen die Helfer entscheiden, wie es in der nächsten Woche weitergeht. Denkbar ist, dass die Seelsorger zu bestimmten Zeiten in der Kita sind. Zusätzlich verteilen sie Visitenkarten. „Wir stehen rund um die Uhr bereit“, sagt Stefan Perlbach.