Magdeburg l In den Grünanlagen nicht nur Zier- sondern auch sehenswerte Nutzpflanzen wachsen zu lassen und deren Erträge von den Bürgern einfach verzehren zu lassen, ohne dass irgendwer vom Parkwächter verhaftet wird – das ist das Konzept der „Essbaren Stadt“. Dieses möchte die Fraktion FDP/Tierschutzpartei auch in Magdeburg etablieren. Dazu hat die Stadtverwaltung bereits eine Stellungnahme verfasst, die samt dem Antrag nun Thema im Betriebsausschuss Stadtgarten und Friedhöfe war.

Barbara Tietge von der Tierschutzpartei warb für ihr Anliegen: „Obst und Gemüse in die Stadt zu holen, bedeutet einen Gewinn für die Menschen. Einige machen uns das hier in Magdeburg schon vor: Die Wohnungsbaugenossenschaft ,Otto von Guericke‘ ist da ein Vorreiter.“ Diese hatte beispielsweise bei der Gestaltung des neuen Innenhofs des Domviertels am Breiten Weg bewusst Obstbäume und -sträucher gewählt, die von den Bewohnern ausdrücklich geerntet werden können.

Nutzen für die Menschen und ein gewisser Aufw

Bei aller Zustimmung durch die Verwaltung aber auch der Hinweis auf eine Reihe von Punkten, die beachtet werden müssen: Unter anderem geht es um den Fruchtfall. Sprich: Wenn beispielsweise Birnen nicht von den naschhaften Magdeburgern geerntet werden, sondern im Herbst auf Wege und Straßen klatschen, ist das ein Problem im Sinne der Verkehrssicherungspflicht: Zermatschtes Obst sorgt für Glätte auf Wegen, und Fallobst kann im schlimmsten Fall Menschen verletzen und Fahrzeuge beschädigen.

Zum Thema Verkehrssicherungspflicht gehört auch, dass in der Nähe von Spielplätzen nicht unbedingt Obstsorten angepflanzt werden dürften, die im Spätsommer Wespen anlocken.

Kontinuität in der Pflege

Und auch das: Wenn zusätzlicher Aufwand für die Pflege essbarer Pflanzen betrieben wird, wäre es sinnvoll, mit Partnern zusammenzuarbeiten. In der Vergangenheit ist dies in Magdeburg bereits im Fall von Obstwiesen passiert. Doch hier müsse sichergestellt werden, dass eine solche Partnerschaft auch langfristig funktioniert, sprich dass die Stadt nach ein paar Jahren einer fruchtbaren Kooperation plötzlich allein dasteht, da die Partner zum Beispiel aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen die Pflege nicht mehr wie bisher übernehmen können.

Bei all den Schwierigkeiten mochte René Hempel (Die Linke) trotzdem wissen, ob denn der Veraltung überhaupt an dem Thema gelegen sei und inwiefern es denn, abgesehen von der Zusammenarbeit mit bestehenden Projekten in Sachen Obstgehölze, Perspektiven auf eine Umsetzung gebe.

Eberesche und Maulbeerbäume

Doch, die gibt es. Und zwar werden schon jetzt zum Beispiel Ebereschen und Maulbeerbäume gepflanzt. Gern werden dazu Standorte an den ländlichen Wegen genutzt, die es abseits des Stadtzentrums im Stadtgebiet gibt.

Womöglich ist hier noch ein gewisser Lerneffekt für viele Magdeburger vonnöten, dass und wie man deren Früchte nutzen kann. Sie direkt vom Baum zu futtern, wie dies bei Äpfeln, Birnen und Pflaumen möglich wäre, ist beispielsweise bei den Ebereschen mit einer vielen Menschen nicht eigenen Vorliebe für herbe Dinge verbunden.

Zucchini statt Stiefmütterchen

Einen anderen Aspekt brachte SPD-Stadtrat Thomas Wiebe auf den Plan: Wie sieht es mit Gemüse aus? Wie wäre es also, statt Stiefmütterchen und Pelargonien Rapunzeln und Zucchini auf die städtischen Rabatten zu bringen? Dies, so die Auskunft im Ausschuss, sei in einigen Städten bereits gelebte Praxis.

Nur Magdeburg sei eben noch nicht so weit: Verbunden ist das Pflanzen von Gemüse nämlich mit einem noch höheren Aufwand, als es dies schon bei den Obstgehölzen ist. Immerhin: Eine opulente Kürbisblüte auf der Rabatte vor dem Rathaus ist damit offenbar kein Ding der Unmöglichkeit.

Stadt möchte mit Liste geeigneter Arten helfe

Bereits jetzt hat die Stadt Listen erstellt, die Pflanzempfehlungen für einzelne Standorte geben. In diesen, so der Magdeburger Baubeigeordnete Dieter Scheidemann, könnten künftig verstärkt auch Obstgehölze Einzug halten. Er sagte auf der Sitzung des Ausschusses: „Es muss uns darum gehen, dass insbesondere jene Pflanzen empfohlen werden, die mit dem Klimawandel zurechtkommen.“ Eine Möglichkeit, das Anliegen zu unterstützen, sei, die Empfehlungen zur Pflanzung von Obstgehölzen explizit in Bebauungspläne einfließen zu lassen.

Der Betriebsausschuss hat mit sieben Jastimmen, einer Gegenstimme und einer Enthaltung dem Stadtrat den Antrag „Essbare Stadt“ zur Annahme empfohlen. Bevor der Rat aber über das Thema entscheidet, sind noch der Umwelt und der Finanzausschuss gefragt.