Magdeburg l Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hat die Ergebnisse für seine Befragung Fahrrad-Klimatest des Jahres 2018 vorgelegt. Befragt worden waren Radfahrer von 1. September bis 30. November 2018. Sogar die Magdeburger Stadtverwaltung hatte dazu aufgerufen, an der Umfrage teilzunehmen – selbst wenn kaum mit Bestnoten zu rechnen war. Die Ergebnisse zeigen, was die Seele der Radfahrer bewegt.

Im Vergleich der 27 Städte mit 200.000 bis 500.000 Einwohnern kommt Magdeburg dabei ebenso wie Erfurt auf eine Durchschnittsnote von 4,19 und damit auf Rang 16. Im Vergleich zur letzten Befragung im Jahr 2016 hat sich Magdeburg kaum verbessert: Damals lag die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt bei einer Schulnote von 4,3. Beim Blick auf die anderen Städte in der Größenklasse zeigt sich aber: Jene, die an der Befragung dort teilgenommen haben, sind auch nicht viel zufriedener als die Magdeburger. Durchschnittlich erreichen die entsprechenden Städte eine 4,0 als Gesamtnote.

Schlechteste Note für Fahrraddiebstähle

Ein Blick in die einzelnen Bewertungen zeigt indes Trends, Stärken und Schwächen für Magdeburg. Bei den Schwächen hat Magdeburg nach wie vor ein großes Defizit in Sachen Fahrraddiebstahl. Hier hat sich die Stadt zwar im Vergleich zum Jahr 2016 um 0,1 Prozent verbessert – mit einer Schulnote von 5,5 ist dennoch keine aller bewerteten Kommunen so schlecht wie die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt. Eine Schlussfolgerung dürfte sein, dass die Verwaltung wie Immobilieneigentümer ihre Bemühungen zur Schaffung sicherer Abstellmöglichkeiten für Fahrräder eher noch erhöhen sollten.

Ihren Bestwert hat die Stadt in der Erreichbarkeit der Innenstadt mit einer 2,9 erreicht. Dies ist im Vergleich zur Befragung im Jahr 2016 eine leichte Verschlechterung um 0,1. Die anderen Städte der Größe Magdeburgs erreichen nur 3,0. Erstaunlich mag dies vor dem Hintergrund anmuten, dass sich mit der Tunnelbaustelle oder den Behinderungen auf der Hallischen Straße erhebliche Hindernisse in den Weg stellen. Eine Erklärung könnte sein, dass für einige andere Verkehrsteilnehmer die Innenstadt an diesen Stellen noch schwerer zu erreichen ist.

Zusatzthema Familienfreundlichkeit

In den Fahrrad-Klimatest 2018 sind neue Fragen zur Familienfreundlichkeit eingeflossen, die in den vergangenen Jahren nicht erhoben wurden. Für die Frage, ob man Grundschüler in Magdeburg guten Gewissens allein mit dem Rad fahren lassen kann, gab es eine 4,7. Für die Möglichkeit, kleine Kinder gefahrlos auf Gehwegen fahren zu lassen, gab es eine 4,1. Die Möglichkeit, auf Radwegen mit Kinderanhängern oder Lastenrädern zu fahren, wurde mit 4,4 bewertet. Die Unterstützung für Kinder, zur Schule mit dem Rad zu fahren, bekam eine 4,7. Ob es üblich ist, dass Kinder mit dem Fahrrad zur Schule fahren, wurde mit einer 4,4 bewertet. In diesem Fragenfeld lag Magdeburg zwischen 0,2 Prozent über und 0,4 Prozent unter den Ergebnissen der vergleichbaren deutschen Großstädte.

In die Bewertung waren bundesweit übrigens 166.245 Interviews eingeflossen, die online oder schriftlich eingegangen waren. In Magdeburg waren es 1242. Für eine Bewertung einer Kommune mussten Mindestteilnehmerzahlen erreicht werden. Für Städte wie Magdeburg, in denen mehr als 200.000 Menschen leben, lag diese bei 100.

Die Noten für Magdeburg

Befragt wurden die Radfahrer wie in den vergangenen Jahren zu 27 Punkten. Hier die Ergebnisse für 2018, in Klammern die Veränderung zur Befragung im Jahr 2016 sowie der Wert anderer Städte der Größengruppe Magdeburgs.

Erreichbarkeit Stadtzentrum 2,9 (-0,1 zu 2016; andere Städte: 3,0)
Radfahren durch Alt und Jung 3,1 (+0,1; 3,2)
Zügiges Radfahren 3,1 (keine Veränderung; 3,2) Stärken
Spaß oder Stress 3,6 (keine Veränderung; 3,7)
Geöffnete Einbahnstraße in Gegenrichtung 3,7 (+0,2; 2,8)
Wegweisung für Radfahrer 4,0 (+0,4; 3,3)
Leihfahrräder 4,0 (-0,7; 3,5)
Abstellanlagen 4,1 (-0,1; 4,0)
Konflikte mit Fußgängern 4,1 (+0,1; 3,8)
Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer 4,1 (+0,1; 4,0)
Reinigung der Radwege 4,2 (+0,1; 4,2)
Medienberichte 4,2 (+0,2; 4,0)
Fahrradmitnahme im ÖPNV 4,2 (-0,2; 4,2)
Fahren auf Radwegen und Radfahrradstreifen 4,4 (+0,1; 4,4)
Sicherheitsgefühl 4,4 (-0,1; 4,3)
Winterdienst auf Radwegen 4,4 (+0,1; 4,4)
Hindernisse auf Radwegen 4,4 (+0,3; 4,3)
Ampelschaltungen für Radfahrer 4,5 (+0,2; 4,6)
Oberfläche der (Rad-)Wege 4,5 (keine Veränderung; 4,4)
Konflikte mit motorisiertem Verkehr 4,5 (+0,1; 4,5)
Werbung für das Radfahren 4,6 (+0,2; 4,0)
Fahrradförderung in jüngster Zeit 4,6 (+0,1; 4,0)
Fahren im Mischverkehr mit motorisiertem Verkehr 4,6 (+0,1; 4,5)
Breite der (Rad-)Wege 4,6 (+0,1; 4,7)
Führung an Baustellen 4,8 (+0,1; 4,8) Schwächen
Falschparkerkontrolle auf Radwegen 5,0 (keine Veränderung, 4,9)
Fahrraddiebstahl 5,5 (+0,1; 4,5)

Vergeben wurden Schulnoten von 1 bis 6. Die 1 stand für fahrradfreundlich, die 6 für fahrradunfreundlich.

Auf einem siebenseitigen Datenblatt haben die Studienautoren die Informationen für Magdeburg als PDF zusammengefasst. Die gesamte Studie kann auf einer eigenen Homepage eingesehen werden.