Magdeburg l Sie laufen zwar auf dem Kleinspielfeld hoch und runter und legen bei der Jagd nach dem Ball Meter um Meter zurück. Die Stadtverwaltung Magdeburg jedoch traut den Jugendlichen, die den Bolzplatz in Diesdorf besuchen, nicht zu, dass sie etwa 200 Meter zur Endhaltestelle zurücklegen, um dort eine öffentliche Toilette aufzusuchen.

Dies geht aus einer Stellungnahme hervor, nachdem SPD-Stadtrat Christian Hausmann den Bau eines frei zugänglichen WCs als Lösung des Pipi-Problems anfragte. Seit längerem erregen Freizeitspieler besonders bei Anwohnern die Gemüter, die ihre Notdurft in der nahen Umgebung des Bolzplatzes verrichten.

Anwohner beschweren sich über Wildpinkler

Der Vorschlag zur zentralen Einrichtung einer Toiletteneinrichtung an der Endhaltestelle, die für Fahrgäste der Verkehrsbetriebe, Besucher des nahegelegenen Spielplatzes an der Straße Am Neuber und eben die Hobbykicker vom Großen Gang zugänglich ist, erhielt von der Verwaltung eine Absage. Schließlich beziehen sich Beschwerden über öffentliches Urinieren auf den Bereich des Bolzplatzes.

Dieser werde überwiegend am Nachmittag und in den frühen Abendstunden von Jugendlichen genutzt, so ein Hinweis der Stadt. Und: „Inwieweit die Bereitschaft der Nutzer reicht, sich vom Bolzplatz zu entfernen, um eine öffentliche WC-Anlage an der Straßenbahnendhaltestelle zu nutzen, ist fraglich.“

Trockentoiletten kostengünstig

Stattdessen schlägt die Stadt Magdeburg ein Pilotprojekt mit Trockentoiletten vor. Diese sind nicht nur kostengünstiger, sie benötigen kein Frischwasser zum Spülen und produzieren kein Abwasser, so die Vorzüge. Die Notdurft wird in Behältern aufgefangen, die mit Streumaterialien wie Holzspänen ausgestattet sind, so das Prinzip.

Nach Entwässerung könne das Material kompostiert werden, Krankheitserreger würden die höheren Temperaturen beim Kompostierungsprozess abtöten. Und: Die Trockentoiletten benötigen keinen Wasser-, Abwasser- und Stromanschluss und sind auch in vandalismusresistenten Ausführungen zu haben. Zusammen mit dem Bürger- und Heimatverein Diesdorf soll schließlich ein Pilotversuch unternommen werden, mit solch einer Toilette das Problem zu lösen, so ein Vorschlag des Abfallwirtschaftsbetriebes.

Toilette auch für andere Besucher

Diese Idee begrüßt der Bürger- und Heimatverein. „Diese Toilette könnte auch von Besuchern des Abenteuerspielplatzes an der Schrote genutzt werden, der sich wenige Meter entfernt vom Bolzplatz befindet“, so Vereinsvorsitzender Hilmar Knop.

Dass die Stadt Magdeburg den Bau eines öffentlichen WCs an der Endhaltestelle (wo sich bereits eine Toilette für MVB-Fahrer befindet) ablehnt, stößt auf Unverständnis. „Viele würden davon profitieren. Die Toilette wäre auch für den Börderadweg interessant, der durch Diesdorf verläuft“, so Knop weiter. Auch beim Ausbau der Schule könnte eine frei zugängliche Toilette integriert werden, „und zwar auf die Weise, dass Besucher durch eine Tür nur Zugang zum WC erhalten“.

Eine öffentliche Nutzung der Schultoiletten etwa für die Besucher des Bolzplatzes schließt der Fachbereich Schule und Sport allerdings aus. Gleiches gilt für die Sporthalle an der Straße Am Neuber, die etwa 360 Meter entfernt vom Schulstandort liegt.