Magdeburg  l „Nerven wie Drahtseile“, müssen die Mitarbeiter der Leitstelle der Magdeburger Feuerwehr damit ausgestattet sein? Guido Strohmeyer, Chef der Leitstelle in der Brandenburger Straße, lächelt: „Das schon, aber vor allem müssen sie gut ausgebildet sein.“ Sie müssen mit Stress umgehen können und auch in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen.

Wer die Leitstelle betritt, ist erst einmal überrascht: Zwar leuchten von jedem der fünf Pulte vier Computer-Bildschirme, und an der Stirnwand des Raums sind ebenfalls mehrere große Bildschirme zu sehen - was eine große Informationsflut vermuten lässt -, aber die Atmosphäre wirkt eher ruhig, etwas gedämpft. Der Schein trügt allerdings. Vier Pulte sind mit je einem Disponenten, so die Dienstbezeichnung des Mitarbeiters, besetzt. Alle vier sind in Gespräche vertieft, stellen Fragen, entscheiden per Mausklick, ob ein Krankenwagen, ein Notarztfahrzeug oder ein Feuerwehrzug in Marsch gesetzt werden muss. Die Augen „fliegen“ über die Bildschirme und sammeln Informationen darüber ein, wie ein möglicher Einsatz koordiniert werden kann. Modernste Informations- und Kommunikationstechnik steht dem Disponenten zur Verfügung. „Man braucht rund ein Jahr, bis man das ganze System in all seinen Bereichen und Möglichkeiten beherrscht“, sagt Lagedienstleiter Stefan Wehner.

Ruhe bewahren und Entscheidungen treffen

Aber wie wird man Disponent in der Leitstelle? Zu den Grundvoraussetzungen gehören eine abgeschlossene Ausbildung zum Rettungssanitäter und die Befähigung zum Gruppenführer der Feuerwehr, erklärt Guido Strohmeyer das Anforderungsprofil eines Disponenten. In beiden Bereichen sollte der Bewerber auch Erfahrungen gesammelt haben. Dies sei für die alltägliche Arbeit am 112-Notfalltelefon wichtig. „Der Disponent kann sich ja nur ein theoretisches Bild davon machen, was den Menschen am anderen Ende der Telefonleitung gerade bewegt, warum er anruft. Wenn er Erfahrungen als Rettungssanitäter und Feuerwehrmann hat, fällt es ihm viel leichter, sich in die Situation zu versetzen“, sagt Guido Strohmeyer. Und noch eines sei wichtig: Rettungssanitäter und Feuerwehr-Gruppenführer hätten gelernt, in Gefahren- und Stesssituationen Ruhe und die Übersicht zu bewahren und vor allem auch Entscheidungen zu treffen.

Die Qualifikation inklusive mehrerer Prüfungen dauert rund zwei Jahre. Dazu gehören technische und rechtliche Schulungen, aber auch Aubildungen in Gesprächsführung und psychologischer Betreuung von Notfallanrufern.

Geübt wird am Simulator

Und es gibt auch einen Simulator, an dem die angehenden Disponenten und Disponentinnen den Ernstfall trainieren können. „Wir können per Computerprogramm ein komplettes Einsatzpult simulieren und die verschiedensten Notrufsituationen nachstellen“, sagt Stefan Wehner. Das sei nicht nur eine gute Trainingsmöglichkeit, sondern jeder Einzelne könne auch herausfinden, ob der Job tatsächlich das Richtige für ihn sei.

Am Anfang wird jeder Auszubildende einem erfahrenen Disponenten zugeteilt, dem er bei der Arbeit über die Schulter schauen kann. Und wenn die Qualifikation abgeschlossen ist, tauschen die beiden dann die Plätze und der „alte Hase“ schaut dem neuen Disponenten bei seinen ersten Einsätzen über die Schulter, gibt ihm Tipps oder kann im Zweifelsfall auch direkt eingreifen.

Eine Altersbeschränkung nach oben gibt es für den Disponenten-Job nicht. Der Mitarbeiter muss nur körperlich und seelisch fit sein und ein Interesse für die Arbeit mitbringen.

Eine Menge Aufgaben

Denn, was die Disponenten zu bewältigen haben, ist nicht gerade wenig: Brand- und Unfall-Notrufe bearbeiten, Notfallärzte und Hubschraubereinsätze koordinieren, Krankentransporte einleiten, entscheiden, ob ein Notfall tatsächlich vorliegt, sich mit Notruf-Missbrauch herumschlagen, im Katastrophenfall, wie etwa bei Sturm, die Übersicht nicht verlieren, den Kontakt zu anderen Behörden, zum Beispiel Polizei und Ordnungsamt, herstellen, auch Erste-Hilfe-Anleitungen per Telefon geben, bis der Notarzt eintrifft, Menschen in Panik beruhigen und vieles mehr.