Magdeburg l Nichts geht mehr für das zehn Meter lange Drehleiterfahrzeug DL 23/12 der Magdeburger Feuerwehr. An der Einmündung von der Helmholtzstraße zur Kutzstraße, einem Seitenstrang der Raiffeisenstraße im Süden Magdeburgs, parkt ein weißer Skoda-Kombi im engen Kurvenbereich. Dabei ist das Parken in der Fünf-Meter-Zone von Kreuzungen und Einmündungen ohnehin verboten.

Die Magdeburger Feuerwehr soll und will in maximal 12 Minuten an jedem Einsatzort im Stadtgebiet zur Stelle sein. Das ist die sogenannte Hilfsfrist. Doch hier in der Kutzstraße ist für den Fahrer des Feuerwehrautos trotz Rangierens und Hilfe eines Kollegen als Einweiser kein Durchkommen. „Im echten Einsatz müssten wir abwägen, was wir machen. Bis ein Abschleppfahrzeug da ist und den Wagen aufgeladen hat, vergeht locker bis zu einer Stunde. Das wäre sicher keine Option“, sagt Reinhard Sandmann, Abteilungsleiter für vorbeugenden Brandschutz der Berufsfeuerwehr Magdeburg.

Übungsszenario mit Ordnungsdienst

Die Szene, die sich am Montagabend auf der Kutzstraße abspielte, war zum Glück nur eine Testfahrt mit dem Drehleiterfahrzeug der Feuerwache Süd. Neben Feuerwehrleuten fuhren Vertreter des Stadtordnungsdienstes und der Straßenverkehrsbehörde (Tiefbauamt) mit.

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Auch im Porse-Privatweg, unweit vom Puppentheater, wäre im Brandfall mit Löschzug und Drehleiterfahrzeug nichts zu machen. Hier stehen Autos am Rande der schmalen Ringstraße durch die Siedlung im Parkverbot.

Ein Tag bei der Feuerwehr Magdeburg

Magdeburg (ad) l Die Berufsfeuerwehr Magdeburg ist auf ihren Wachen in Süd und Nord mit sechs Wachabteilungen 24 Stunden und sieben Tage die Woche im Einsatz. Die Volksstimme hat die 1. Wachabteilung der Wache in Nord eine Schicht lang begleitet.

  • Bei einer Übung der Höhenretter sichern drei Kameraden die Seile, in denen gerade ein Kollege hängt. Foto: Alexander Dinger

    Bei einer Übung der Höhenretter sichern drei Kameraden die Seile, in denen gerade ein K...

  • Dienstantritt für die Kameraden der Wachabteilung 1 ist 6 Uhr. 7.30 Uhr begrüßt Zugführer Peter Schüler die Truppe. Foto: Alexander Dinger

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  • Die Höhenretter der Berufsfeuerwehr üben regelmäßig im Gelände. Foto: Alexander Dinger

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  • Zum Feuerwehralltag gehört auch ständiges Training. Hier wird eine Person aus einem Schlauchboot gerettet. Foto: Alexander Dinger

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  • Die Höhenretter spannten ein Seil von Kaimauer zu Kaimauer. Foto: Alexander Dinger

    Die Höhenretter spannten ein Seil von Kaimauer zu Kaimauer. Foto: Alexander Dinger

  • Auf der einen Seite der Kaimauer wurde das Seil an einem Dreiecksständer befestigt, auf der anderen Seite an einem Kran. Foto: Alexander Dinger

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  • Die Höhenretter haben ein Seil über das Hafenbecken gespannt. Über das Seil sollte eine Person aus einem Schlauchboot gerettet werden. Foto: Alexander Dinger

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  • In der Einsatzleitstelle gehen die Notrufe ein. Leiter Ralph Friesecke (rechts) und Roland Heise koodinieren mit Kollegen die Anrufe. Foto: Alexander Dinger

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  • Eine Schicht für eine Wachabteilung dauert 24 Stunden. Kommt ein Einsatz rein, wird alles stehen und liegen gelassen. Foto: Alexander Dinger

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  • Auf der Fahrt zum Einsatzort muss es schnell gehen. Viele Verkehrsteilnehmer sind aber schon damit überfordert, eine einfache Rettungsgasse zu bilden. Foto: Alexander Dinger

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  • In einem Einfamilienhaus ist in der Küche ein Feuerausgebrochen. Der Schaden beläuft sich auf 60.000 Euro. Foto: Thomas Schulz

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  • Die kleinen Geräte heißen Totmannwarner. Das Warngerät reagiert auf Bewegungen. Bleibt er eine gewisse Zeit  regungslos, wird Alarm ausgelöst. Foto: Alexander Dinger

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  • Aus einer Wohnung kommt Rauch, im Treppenhaus riecht es bereits verbrannt. Auch die Rauchmelder sind bereits angesprungen. Da die Mieter nicht da sind, muss die Feuerwehr die Wohnung aufbrechen. Foto: Alexander Dinger

    Aus einer Wohnung kommt Rauch, im Treppenhaus riecht es bereits verbrannt. Auch die Rauchmelder s...

  • Der völlig verängstigte Hund wurde aus einer Wohnung gerettet, in der ein Küchenbrand ausgebrochen war. Die Mieter waren nicht zu Hause. Rauch quoll bereits aus dem Fenster. Foto: Alexander Dinger

    Der völlig verängstigte Hund wurde aus einer Wohnung gerettet, in der ein Küchenbr...

  • Brandoberinspektor Thomas Timm (links) und Brandmeister Maik Bubak sind gemeinsam für den Einsatzleitdienst verantwortlich. Foto: Alexander Dinger

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  • "Ohne Dampf kein Kampf", sagen die Kameraden. Gutes Essen ist extrem wichtig, um gut durch die Sc...

  • Sind alle Notarztwagen besetzt, muss der Hubschrauber auch in der Stadt gerufen werden  hier zu einem Unfall an der Albert-Vater-Straße. Foto: Alexander Dinger

    Sind alle Notarztwagen besetzt, muss der Hubschrauber auch in der Stadt gerufen werden hier zu e...

  • Bei dem Unfall an der Albert-Vater-Straße hieß es erst, dass eine hochschwangere Frau eingeklemmt sei. Die Frau war zwar hochschwanger, aber nicht eingeklemmt. Das Auto war nur beschädigt, die Tür ließ sich schwer öffnen. Foto: Alexander Dinger

    Bei dem Unfall an der Albert-Vater-Straße hieß es erst, dass eine hochschwangere Frau e...

  • In den Wachen in Nord und Süd kann man die Treppe nehmen, um nach unten zu kommen. Es führen aber auch acht Meter lange Stangen zu Einsatzfahrzeugen. Foto: Alexander Dinger

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  • Acht Meter geht es hinunter zu den Einsatzfahrzeugen. Foto: Alexander Dinger

    Acht Meter geht es hinunter zu den Einsatzfahrzeugen. Foto: Alexander Dinger

  • Im Kraftraum können sich die Kameraden fit halten. Foto: Alexander Dinger

    Im Kraftraum können sich die Kameraden fit halten. Foto: Alexander Dinger

  • Im Kraftraum können sich die Kameraden fit halten. Foto: Alexander Dinger

    Im Kraftraum können sich die Kameraden fit halten. Foto: Alexander Dinger

  • In den Wachen stehen den Kameraden Klappbetten zur Verfügung. In diesem Zimmer schlafen sechs Personen zusammen. Früher waren es bis zu 20 in einem Raum. Foto: Alexander Dinger

    In den Wachen stehen den Kameraden Klappbetten zur Verfügung. In diesem Zimmer schlafen sech...

  • In den Spinten hängt die Einsatzkleidung - perfekt aufgereiht und immer einsatzbereit. Foto: Alexander Dinger

    In den Spinten hängt die Einsatzkleidung - perfekt aufgereiht und immer einsatzbereit. Foto:...

  • In der Wache Süd steht eine spezielle Schlauch-Reinigungsmaschine. Dutzende Schläuche liefen fein säuberlich geordnet im Lager. Foto: Alexander Dinger

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  • In der Wache Süd ist auch die Wäschannahme.Hier kann auch beschädigte Einsatzkleidung repariert werden. Foto: Alexander Dinger

    In der Wache Süd ist auch die Wäschannahme.Hier kann auch beschädigte Einsatzkleid...

  • Ebenfalls in der Wache Süd befindet sich das Ersatzteillager für alle Wehren, auch die Freiwilligen, von Magdeburg. Foto: Alexander Dinger

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  • In der Wache Süd steht eine spezielle Anlage zur Reinigung von Feuerwehr-Schläuchen. Foto: Alexander Dinger

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  • Zur Berufsfeuerwehr gehören auch Taucher-Einheiten. Foto: Alexander Dinger

    Zur Berufsfeuerwehr gehören auch Taucher-Einheiten. Foto: Alexander Dinger

  • Sind alle Notarztwagen belegt, muss die Hubschrauber-Besatzung ran. Während einer kleinen Pause unterhält sich Volksstimme-Redakteur Alexander Dinger mit Pilot Marco Cramme. Foto: Alexander Dinger

    Sind alle Notarztwagen belegt, muss die Hubschrauber-Besatzung ran. Während einer kleinen Pa...

  • Sind alle Notarztwagen belegt, muss der Rettungshubschrauber ran. Foto: Alexander Dinger

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  • Neben dem normalen Einsätzen gehören auch Materialpflege und Reparaturarbeiten zum Programm. Foto: Alexander Dinger

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  • Oberbrandmeister Marko Güntzel zeigt, wie ein Rettungswagen aufgebaut ist. Foto: Alexander Dinger

    Oberbrandmeister Marko Güntzel zeigt, wie ein Rettungswagen aufgebaut ist. Foto: Alexander D...

  • Flori ist der Kater der Feuerwache Nord. Er wurde den Kameraden vom Tierheim geschenkt. Foto: Alexander Dinger

    Flori ist der Kater der Feuerwache Nord. Er wurde den Kameraden vom Tierheim geschenkt. Foto: Ale...

Tumult unter Anwohnern

Die Testfahrt mit dem Feuerwehrauto löst hier gleich einen kleinen Tumult unter den Anwohnern aus. Sie liefern sich teils heftige Wortgefechte mit den Stadtordnern, weil sie keine andere Möglichkeit sehen, ihre Fahrzeuge zu parken. „Macht uns nicht das Leben noch schwerer“, ruft ein Anwohner den Rettungskräften entgegen. Reinhard Sandmann erwidert: „Das ist eine der Stellen im Stadtgebiet, an denen wir mit einem Feuerwehrfahrzeug definitiv nicht durchkommen.

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In anderen getesteten Straßenzügen klappt die Durchfahrt unterdessen, teils sogar trotz Falschparkern. „Aber“, gibt Sandmann zu bedenken, „heute haben wir optimale Bedingungen – es ist hell, es ist trocken und wir haben keinen Zeitdruck. Trotzdem ist zu erkennen, welcher Aufwand damit verbunden ist. Das Fahrzeug extra einzuweisen, bedeutet Zeitverlust. Ob eine oder zwei Minuten – das ist alles Zeit, die im Einsatz fehlt“, macht er deutlich.

Weitere Testfahrten folgen

Feuerwehr und Behörden wollen nach der ersten Testfahrt am Montag im Süden nach und nach weitere neuralgische Punkte in Magdeburg ins Visier nehmen. „Diese Fahrten sollen sich in den nächsten Monaten fortsetzen“, sagt Gerd Dorn, Teamleiter des Magdeburger Stadtordnungsdienstes: „Unsere Aufgabe ist jetzt, diesen Probleme nachzugehen, notfalls auch abzuschleppen, damit in Zukunft die Einfahrten für die Feuerwehr frei sind. Es geht um Minuten, Rangieren können wir uns nicht erlauben.“

Steffen Scheel von der Straßenverkehrsbehörde fügte hinzu: „Durch die Straßenverkehrsordnung ist alles klar geregelt. Wir müssen für die neuralgischen Bereiche Lösungen finden – für die Anwohner und für die Feuerwehr.“

Behörde will Kompromiss

Die Behörde setze auf Kompromisse. „Wir müssen hoffentlich nicht noch weitere Halte- und Parkverbotsschilder aufstellen, so dass die Anwohner nicht noch mehr beeinträchtigt werden.“