Magdeburg l Sie waren heiß auf Schweiß und wollten keine Minute länger warten. Kurz nach Mitternacht öffneten sich die Pforten des „McFit“-Studios am Hasselbachplatz. Womit selbst Betreiber Ronny Hartmann nicht gerechnet hat: Knapp 30 Fitness-Fans waren trotz später Stunde gekommen, um nach langer Pause ihren Körper wieder zu stählen. „Sie zählten einen Countdown runter, jubelten, und ich dachte, jetzt fehlt nur eine Konfettibombe und Feuerwerk, dann haben wir Silvester.“

Mancher fängt wieder bei Null an

Und tatsächlich kommt die Wiedereröffnung für einige Sportler einem Neubeginn gleich. „Je nach Statur fängt mancher wieder bei Null an“, erklärt er. Denn die Trainingsmöglichkeiten und -geräte, die Fitnessstudios bieten, können zu Hause kaum ersetzt werden. Etwas, das auch Saskia Dibbern bezeugen kann. Die 20-jährige Studentin besuchte vor der coronabedingten Schließung fünf- bis sechsmal pro Woche das Fitnessstudio. Während des Lockdown versuchte sie sich mit Joggen und Hanteltraining fit zu halten. Nach dem ersten Training gestern spürte sie jedoch, dass es dauern würde, zu alter Form zu gelangen. Der Muskelkater schnurrte schon leis an den Beinen. Sie sei dennoch sehr froh, wieder trainieren zu können, erzählt sie. Einige ihrer Freunde seien bereits Mitternacht am Start. So dringend sei es bei ihr dann aber doch nicht gewesen.

Betreiber Ronny Hartmann ist jedenfalls froh, die vielen bekannten Gesichter wiederzusehen. Obgleich die Wiedereröffnung ein Kraftakt war, schließlich sind die Ausführungen in der Verordnung zu den Auflagen der einzelnen Branchen mehr als schwammig. Dennoch zeigt er sich optimistisch: „Wir haben alle Vorkehrungen getroffen, die „McFit“ ohnehin bundesweit umsetzt.“ Schon beim Betreten des Studios wird jeder Kunde gebeten, sich die Hände zu desinfizieren. Die Umkleidekabinen und Duschen bleiben geschlossen, die Kursräume sind abgeschlossen und so manches Gerät ist gesperrt, um den Abstandsregeln zu entsprechen. „Da wir die Geräte immer mehrfach haben, war es für uns weniger ein Problem“, erklärt er. Auf 1730 Quadratmeter können die Sportler trainieren. Laut Vorgabe der neuen Landesverordnung gilt: Bei Flächen über 800 Quadratmetern sei eine Person pro 20 Quadratmeter gestattet; bei Flächen unter 800 Quadratmetern sei es eine Person pro zehn Quadratmeter. Für Ronny Hartmann bedeutet das, dass maximal 87 Personen im Studio sein dürfen. Normalerweise seien es zu Stoßzeiten etwa 130. Er befürchtet, dass es zu Wartezeiten kommen könnte.

Keine Mundschutzpflicht

Eine Mundschutzpflicht gibt es in seinem Studio nicht. Das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung ist für Kunden freiwillig. So handhaben es auch die meisten anderen Fitnessstudios der Stadt. Das „Life“ im Herrenkrug beispielsweise empfiehlt das Tragen einer Maske in den Fluren und sanitären Bereichen. Auch können während des Trainings Einmalhandschuhe getragen werden. Die Nutzung von Duschen und Sauna ist im „Life“ vorerst nicht möglich, dafür werden wieder Kurse angeboten. Durch Kennzeichnungen auf dem Boden soll der Mindestabstand von 1,5 Meter eingehalten werden. Die Kursstärken mussten hierfür jedoch auf 20 Personen beziehungsweise 14 im kleineren Kursraum reduziert werden. Das immerwährende Desinfizieren von Sportgeräten weisen alle Fitnessstudios an. Auch schon vor der Corona-Pandemie. „Nun bitten wir aber unsere Kunden, das noch zu intensivieren“, erklärt Ronny Hartmann. „Vor- und nach dem Training.“ Unmengen an Desinfektionsmitteln wurden hierfür gekauft.

Aus der Not eine Tugend gemacht, hat das "Elbe Fitness“ in Stadtfeld-Ost. Sie haben die wochenlange Schließung für eine Generalüberholung genutzt. Neue Deko, Reparaturen, eine intensive Grundreinigung, neue Konzepte und Kurse seien laut Homepage des Fitnessstudios erarbeitet worden. Auch sie bitten, wie die anderen Studios auch, dass ihre Kunden direkt in Sportbekleidung zum Training kommen, da Umkleiden und Duschen vorerst geschlossen bleiben. Während an der Geräten bereits gestern gesportelt werden konnte, startet das Kursangebot hier erst am 2. Juni.

Im "Lucky Fitness" in der Salzmannstraße hingegen werden einige Kurse bereits schon angeboten, außerdem sind der Fitness-, Badminton- und Tennisbereich geöffnet. Die Betreiber machen via Video-Interview mit Epidemiologe Dr. Jörg Biasdoch deutlich, dass Sport vor- und nach Corona wichtig ist. Der Fachmann erklärt darin: „Grundsätzlich ist Sport wichtig, weil Sporttreiben und vor allem regelmäßiges Sporttreiben das Immunsystem stärkt, körperliche Aktivität den Körper auch anregt, die eigenen Immunabwehrsysteme aufrechtzuerhalten und zu verbessern.“