Magdeburg l Hitzige Wortgefechte lieferten sich gestern die Teilnehmer einer Bürgerversammlung zu den Flüchtlingsunterkünften in der Agnetenstraße und Sieverstorstraße. Beide waren erst am Freitag vom Stadtrat beschlossen worden, am ersten Standort sind bereits 89 Asylbewerber eingezogen. Magdeburgs Sozialbeigeordnete Simone Borris erläuterte die Dringlichkeit der kurzfristigen Entscheidung: „Was hätte ich sonst machen sollen? 100 Menschen auf der Straße stehen lassen?“ Insgesamt 600 Flüchtlinge können an beiden Standorten unterkommen. Kontrovers war der Auftritt des Vorstands der „Stadtfelder“-Wohnungsbaugenossenschaft, Jens Schneider, der Stadtverwaltung und Stadtrat scharf angriff. Ein Schreiben seiner Genossenschaft kritisiert die bisherige Politik massiv.

Viele Interessierte konnten nicht mehr an der Veranstaltung im Familienhaus im Park an der Hohepfortestraße teilnehmen, da der Platz in dem Saal nicht ausreichte. Der Ordnungsdienst musste die Tür verriegeln. Die Verwaltung kündigte an, dass es eine zweite Veranstaltung geben soll. Anwohner berichtetrn, dass vor dem Familienhaus Handzettel der rechtsextremen Partei "Die Rechte" verteilt wurden.

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte es kritische Stimmen zu der Notunterkunft gegeben. „Weitestgehend“ (Aussage Stadtverwaltung) und „zu 90 Prozent“ (Eigentümer) leerstehend sei das Bürohaus, das vergangenen Freitag in nicht-öffentlicher Sitzung vom Stadtrat als neue Unterkunft für Flüchtlinge beschlossen wurde. Die verbliebenen Gewerbemieter hatten aus der Volksstimme von der Entscheidung erfahren. Am Montagabend bezogen die ersten Flüchtlinge ihre über das Wochenende aufgestellten Feldbetten.