Magdeburg l Ein Hoch auf die aktuellen Corona-Lockerungen in Sachsen-Anhalt. Seit 28. Mai 2020 ist in Magdeburg wieder vieles möglich, auf das ich wegen des Coronavirus viele Wochen verzichten musste und teils schmerzlich vermisst habe. Die Grillplätze sind geöffnet, Schwimmbad und Strandbäder ebenso, dazu die Fitnessstudios. Im Zoo können die Tiere wieder in ihren Häusern besucht werden und die Kinder mit den Ziegen schmusen. Auch einem Kinobesuch steht nichts mehr im Weg. Auf all das freue ich mich so sehr, dass ich einen straffen Plan fürs Wochenende schmiede. Ob das gut geht?

Schwitzen im Fitnessstudio

Seit Donnerstag ist die Muckibude wieder geöffnet. Also rein in die Sportklamotten. Denn umziehen kann ich mich dort nicht mehr. Die Kabinen sind abgesperrt, heißt es. Handtuch und Wasserflasche nicht vergessen. Den Mundschutz nehme ich vorsichtshalber auch mit. Und Sportschuhe natürlich ebenso.

Punkt 11.23 Uhr biege ich auf den Parkplatz bei Mc Fit an der Mittagstraße ein. Dort stehen bereits einige Autos. Sollte es wirklich voll sein? Was mache ich dann? Warten? Wieder nach Hause fahren und auf der Couch lümmeln? Ein klein wenig hoffe ich schon darauf.

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Kaum Sportler im Fitnessstudio

Doch Pustekuchen. Kaum bin ich die Treppen hoch, sehe ich es schon: Hier ist nichts los. Das Studio ist fast leer. Ein Trainer mit Mundschutz unterhält sich am Eingang mit einem jungen Mann und seinen zwei Freunden, zwei weitere Männer sitzen an Geräten. Weiter hinten trainieren junge Frauen mit kleinen Hanteln. Sie alle schwitzen ohne Maske.

Verdutzt bleibe ich stehen. Mit so wenig Menschen hatte ich nicht gerechnet. Irritiert schaue ich mir ein Plakat an. Nicht gerade in Schönschrift, aber doch gut lesbar sind hier die neuen Hausregeln notiert. Duschen und Umkleiden sind geschlossen. Aha. Das Tragen einer Maske ist freiwillig. Zum Glück. Jeder Sportler soll die Geräte desinfizieren und ein Handtuch unterlegen. Logo. Und es gilt die Abstandsregel von 1,5 Meter. Ja, natürlich.

Ich spreche den Trainer an und frage, ob ich zumindest meine Wechselschuhe in einen Umkleideschrank einschließen kann. „Nein“, meint er. Das gehe leider nicht. Die Schränke sind mit einem Band abgesperrt. Aber ich könne meine Tasche gern mit zu den einzelnen Geräten nehmen, sagt er freundlich. Und immerhin, die Toiletten sind zugänglich. Zudem gebe es hinter dem Eingangsbereich die kleinen Schränke für Wertsachen.

Geräte stehen dicht an dicht

Nun gut. Also lege ich los und steuere zuerst ein Fahrrad an – zur Erwärmung. Mehrere dieser Geräte stehen am Ende des Raums, direkt nebeneinander. Einen Abstand von 1,5 Meter zwischen den Rädern wage ich zu bezweifeln. Ist aber auch nicht notwendig. Schließlich muss jeder Sportler selbst schauen, dass er Abstand zu anderen hält. Wenn es im Studio voller wird, kann eben nicht jedes Gerät zur selben Zeit genutzt werden.

So langsam finde ich meine Rhythmus. Es fängt an, wieder Spaß zu machen. Ich trete immer stärker in die Pedale – und komme ins Schwitzen. Zehn Minuten später wechsle ich die Station. Natürlich nicht, ohne das vorherige Gerät mit Desinfektionsmittel abzuwischen. Nach gut einer Stunde Trainig reicht es mir. In dieser Zeit sind noch einige Gäste hinzugekommen. Doch die Sportler verteilen sich auf beide Etagen. Zwischendurch hatte ich minutenlang das Gefühl, vollkommen allein zu sein.

Fitnessstudio am Wochenende oft leer

Unten, am Eingang, treffe ich nochmal den Trainer. „Dachte, wäre mehr los hier“, spreche ich ihn an. Er nickt kurz und meint, dass die wenigen Gäste am Wochenende nicht ungewöhnlich seien. Auf dem Weg nach Hause will ich noch schnell am Supermarkt anhalten. Doch dann fahre ich ohne Zwischenstopp weiter. So verschwitzt wie ich bin, möchte ich nicht einkaufen gehen. Duschen hat Vorrang.

Grillen im Nordpark

Gegen 17 Uhr bin ich mit Freunden im Nordpark zum Grillen verabredet. Der Picknickkorb ist gepackt, der Grill im Auto verstaut. Ein Parkplatz findet sich direkt neben der Grillwiese gegenüber der Uni. Wir sind nicht die Einzigen. Mindestens vier größere Gruppen haben ihren Grill bereits aufgebaut. Zwei davon sind Familien mit mehreren Kindern. Eine Gruppe scheint aus gut einem Dutzend Freunden und ihren Kindern zu bestehen. Doch es ist noch genug Platz für uns alle da.

Kaum liegt unsere Decke auf dem Rasen und die Kohle im Grill, flitzt ein Hund an uns vorbei und jagt einem Ball hinterher. Laut Grillordnung gilt hier Leinenpflicht, doch solange der kleine Mops nicht an unseren Spießen nascht, stört er uns nicht. Nebenan sitzt eine kleinere Gruppen. Aus einer Box erklingt leise Musik. Die Stimmung ist überall gelassen.

Wir müssen uns mit dem Grillen beeilen, schließlich wollen wir noch ins Kino. Kaum sind Fleisch und Salate verspeist, löschen wir das Feuer und packen zusammen. Die nasse Asche kippen wir in den großen Behälter am Rand der Wiese. Unseren kleinen Abfall werfen wir in den Mülleimer, den Rest nehmen wir wieder mit. Guten Gewissens fahren wir weiter.

Günstiger Kinobesuch

Mit Mundschutz bewaffnet, betreten wir das ziemlich leere Cinemaxx in der Altstadt. Auf dem Programm steht der Film „Parasite“. Er wird – zu unserer Überraschung – ein günstiges Vergnügen. Denn jede Karte kostet nur 5 Euro. Damit sollen die Besucher trotz Corona-Krise in die Säle gelockt werden, erklärt uns die junge Kassiererin. Und schiebt uns mit den Eintrittskarten auch gleich einen Zettel zu. Jeder von uns soll seinen Namen und seine Adresse sowie eine Telefonnummer notieren. Erst dann dürfen wir rein.

Auf Chips, Popcorn und Getränke verzichten wir, schließlich haben wir kurz vorher noch im Park gegrillt. Kaum im Saal angekommen, können wir unsere Masken abnehmen. Und wieder bin ich überrascht. Wieder sind kaum Gäste da, wie schon am Vormittag im Fitnessstudio. Am Ende werden nur zwölf Zuschauer den Film mit uns gesehen haben. Im Autokino auf dem Messeplatz war an diesem Sonnabend mehr los. Das sehen wir bei unserem abendlichen Abstecher in den Stadtpark. Dabei ist der Kinobesuch angesichts des Preises derzeit wirklich einen Besuch wert.

Ein Besuch im Schwimmbad

Endlich! Über die Öffnung der Elbeschwimmhalle freue ich mich am meisten. Wochenlang musste ich verzichten. Kurz nach 9 Uhr erreiche ich mit Fahrrad die Halle. Links am Eingang geht es rein, rechts wieder raus. Mundschutz trage ich nicht, beim Bezahlen halte ich Abstand zum Vordermann. Umziehen ist zum Glück vor Ort möglich, schließlich gibt es Einzelkabinen. Nur in den Waschräumen ist jede zweite Dusche gesperrt.

Ansonsten ist von einer Corona-Krise nicht viel zu spüren. Im Gegenteil: Es hat sogar eine kleine positive Auswirkung für mich. Denn jetzt sind wirklich alle Bahnen mit Seilen abgetrennt. Das mag vielleicht nicht jeder Badegast, aber so wird verhindert, dass sich die Schwimmer in die Quere kommen. Pro Bahn drehen etwa drei bis vier Badegäste ihre Runden, die einen schneller, die anderen etwas gemütlicher.

Ich wähle die zweite Bahn am Fenster aus. Die Schwimmer dort scheinen das gleiche Tempo zu haben wie ich. Los geht’s. Rücken hin, Brust zurück, zwischendurch am Beckenrand Klimmzüge mit Sit-ups kombiniert. Stolz wie Bolle gleite ich Bahn für Bahn durchs Wasser, schaffe am Ende zwei Kilometer, nur um mich dann daran zu erinnern, dass diese Strecke für die Schwimm-Asse vom SCM wahrscheinlich nur die Erwärmung ist. Egal, ich fühle mich richtig gut. Voller Glückshormone schwebe ich nach knapp 90 Minuten zurück in die Dusche. Und muss mich plötzlich beeilen. Denn es wird voll. Mehrere Frauen wollen zur selben Zeit raus. Also spute ich mich. Zahle an der Kasse insgesamt eine Stunde nach und freue mich schon aufs nächste Mal.

Gastronomie

Sitzkissen sind in Zeiten von Corona passé. Das lerne ich in der Gaststätte Hoflieferant am Fürstenwall. Dort bin ich am Sonntag mit der Familie zum Essen verabredet. Wir haben vorbestellt, ganz so, wie es in vielen Restaurants erwünscht ist. Eine Bedienung mit Mundschutz empfängt uns und bringt uns zu unserem Tisch. Auf bequemen Holzstühlen nehmen wir Platz. Doch das reicht meiner Begleitung nicht aus. Kurzerhand schaut sie sich in der Gaststätte um und kommt freudestrahlend mit Kissen zurück. Zum Leidwesen der Mitarbeiter. Die Bedienung weist uns freundlich darauf hin, dass sie nun die Kissen wieder waschen und desinfizieren müssen. Ups. Das wussten wir nicht.

Doch kein Problem. Wir dürfen natürlich trotzdem darauf Platz nehmen. Und genießen fortan unser Treffen und das Essen am Fuße des Doms. Vor der ersten Bestellung füllen wir noch flugs einen Zettel aus mit Namen, Anschrift und Telefonnummer. Die Richtigkeit der Angaben wird, wie schon im Kino, nicht kontrolliert.

Zu Besuch im Zoo Magdeburg

Hätten Sie’s gewusst? Ein Seehund ist etwa 1,5 Meter lang. Das lernt man als Besucher des Zoos, wenn man sich in die Warteschlange einreiht. Und das entspricht genau dem Abstand, den die Gäste zueinander einhalten müssen. Als ich kurz nach 18 Uhr am Zoo eintreffe, muss ich jedoch nicht mehr warten. Ein Wunder, dass ich überhaupt noch rein kann, denke ich. Eigentlich wollte ich ja schon gegen 15.30 Uhr in den Tierpark. Doch gegen Mittag hatte der Zoo auf Facebook darauf hingewiesen, dass es zu Wartezeiten kommt. Maximal 1000 Besucher dürfen gleichzeitig rein. Und die Erfahrung zeigt, dass es gegen Nachmittag nochmals einen Andrang gibt. Also spontane Planänderung.

Und ich werde belohnt. Der Zoobesuch am Abend gleicht einem sehr entspannten Spaziergang. Zwar ist die Gastronomie mit dem Außer-Haus-Verkauf bereits geschlossen, doch es sind auch nur noch wenige Gäste da und Ruhe kehrt ein. Im Nashornhaus tappelt der einjährige Bulle Malte gemächlich seiner Mama Maleika hinterher, im Giraffenhaus zupfen die zwei Langhälse Shani und Zahra genüsslich an ihren Grasballen im Korb, bei den Weißen Löwen faulenzt Papa Madiba entspannt mit seiner Familie in der Sonne. Und im Streichelgehege kuscheln nur noch wenige Kinder mit den Ziegen. In diesen Augenblicken ist von der Corona-Krise wirklich nichts mehr zu spüren.