Magdeburg l In der einstigen Buckauer Kiez-Kneipe wird bald wieder neues Leben einkehren. Die Magdeburger Aron Buchholz und Kay-Harald Jänicke wollen dort eine neue Bar eröffnen. Dabei soll der Charme des Alten erhalten bleiben.

Wo einst Fleisch- und Wurstwaren verkauft wurden, sollen bald wieder Getränke über den Tresen gereicht werden. Aron Buchholz erfüllt sich im Buckauer Engpass einen lange gehegten Traum. Er eröffnet dort seine eigene Bar. Das Ladengeschäft hat bereits Kultcharakter. Schließlich war es einst Fleischereigeschäft von Fritz und Helga Hoefert, die das Geschäft in fünfter Generation führten. Die wohnen heute noch in Buckau und dürften wohl jedem Buckauer und auch vielen Magdeburgern aus den umliegenden Stadtteilen bekannt sein.

Einiges, das aus deren Zeit stammt, soll auch erhalten bleiben. Die hübschen Fliesen zum Beispiel, die zum größten Teil noch unbeschädigt an der Wand kleben, werden nicht entfernt, erzählt Aron Buchholz. Kleinere Schäden werden auch nicht ausgebessert, sagt er, denn das würde dem Ganzen den Charme nehmen. Die Wände darüber und die Decke mit aufwendigen Stuckarbeiten wurden bereits in kräftigem Blau gestrichen.

Nur eine Stelle haben Aron Buchholz und sein Compagnon ausgespart: jene Stelle, an der der frühere Farbanstrich zutage trat. Ein Blumenornament ist freigeblieben, es soll noch einen Rahmen bekommen, der dann den Blick in eine frühere Zeit preisgibt. Auch die Fassade soll noch einen neuen Farbanstrich bekommen und die Terrasse neu gemacht werden. Auf diese Weise sollen sich Alt und Neu verbinden und korrespondieren. „Wir wollen auch noch mal die Fotoalben durchgucken und dann vielleicht noch Bilder von früher aufhängen“, erzählt er. Der 34-Jährige würde sich freuen, wenn es anstelle von Eröffnungsgeschenken dann lieber schöne Abzüge geben wird.

Konzerte und Lesungen

Die Umbauarbeiten in der ehemaligen Kiez-Kneipe laufen bereits auf Hochtouren. Mitte Oktober will der Barkeeper die Pforten öffnen. Auf lange Sicht sollen dann auch Lesungen und kleinere Konzerte in der Bar stattfinden. Aron Buchholz erfüllt sich damit einen langgehegten Wunsch. Die Verwirklichung war bislang allerdings an einer passenden Räumlichkeit gescheitert. „Wenn das Angebot an die Tür klopft, sollte man es reinlassen“, sagt er.

Aron Buchholz ist Barmeister. Eine richtige Ausbildung hat er nicht absolviert. Ab 2002 ging er zum Fachgymnasium, wollte eigentlich VWL studieren. Doch dann kam alles anders. Mit seiner Arbeit im Le Frog konnte er seine Wohnung finanzieren. Noch einmal zum Studieren aus dem Berufsleben aussteigen, das wollte er nicht. Also absolvierte er eine sechswöchige Ausbildung zum Barmeister in Rostock. „Für mich war es die richtige Entscheidung“, sagt Buchholz, der auch den gegenüberliegenden Cocktailzirkus betreibt. „Klar gibt es Berufe, in denen man mehr Geld verdient, aber die Leidenschaft hat mich in der Branche gehalten. Und der größte Punkt ist für mich der Spaß an der Arbeit.“

Dankbar ist er, dass seine Familie seinen Wunsch nicht nur mitträgt, sondern er von seiner Familie auch viel Unterstützung bekommt - „ohne diese Unterstützung wäre das nicht realisierbar“. Buchholz hat eine sechsjährige Tochter, seine Freundin hat ebenfalls eine 19-jährige Tochter.

Tresen-Philosophie

Was ihm an seinem Beruf gefällt, ist der Kontakt mit unterschiedlichen Menschen. Irgendwie sei ein Barkeeper auch Psychologe, Gesprächspartner, Berater. „Da muss man immer abwägen, was der Gast gerade braucht“, erzählt Buchholz. Und an so einem Bartresen lässt es sich auch vortrefflich philosophieren. Auf jeden Fall müsse ein Barkeeper ein guter Zuhörer sein.

Name nach Fleischerei

Aron Buchholz kann sich noch gut an einen Gast erinnern, der regelmäßig am gleichen Wochentag in die Kneipe kam und hoffte, die Frau fürs Leben zu finden. „Da ist man auch Ratgeber. Ich hatte ihm gesagt, dass er dann vielleicht auch mal sein Muster durchbrechen muss“, erzählt er. Also kam er an einem anderen Wochentag und lernte so seine heutige Lebenspartnerin kennen. Solche und ähnliche Begebenheiten bereiten ihm Freude.

In Anlehnung an die Vorgeschichte wird die Bar Hoeferts Nachbarschaftstreff heißen und Buchholz hofft, dass viele neue Geschichten in seiner Einrichtung geschrieben werden.