Magdeburg l Das Maritim-Hotel hat die Reißleine gezogen: Wegen Personalmangels wurde eines der Restaurants, das „da capo“, geschlossen. Der Grund: „Einige unserer erfahrenen Köche gehen demnächst in den Ruhestand, andere haben sich beruflich verändert. Für die frei werdenden Stellen haben wir keinen Ersatz gefunden. Es gab schlicht keine Bewerbungen“, sagte Hotel-Chefin Andrea Imwalle.

Für ein anspruchsvolles Restaurant benötige man erfahrene Köche, die seien aber zurzeit sehr schwer zu finden. Um in den anderen wichtigen Gastronomiebereichen des Hotels das Angebot nicht einschränken zu müssen, habe man lieber das „da capo“ geschlossen. Personalmangel ist für das Maritim-Hotel ein eher neues Problem. „Wir haben im Augenblick ständig offene Stellen zu vergeben“, sagt Andrea Imwalle.

Der Nachwuchs fehlt

Drohen schwierige Zeiten im Gastronomiegewerbe? „Wir sind schon mittendrin“, sagt Michael Schmidt, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Sachsen-Anhalt. Der Grund sei, wie in allen Branchen, der demographische Wandel. Das heißt, seit 1990 wurden zu wenig Kinder geboren. „Und das ist die Altersgruppe, die wir im Hotel- und Gaststättengewerbe unbedingt brauchen, die 20- bis 25-Jährigen.“ Der ausgebildete Nachwuchs also. Und es sei auch schwierig, Auszubildende für die Branche zu gewinnen.

Dabei sieht Schmidt noch ein weiteres Problem auf Magdeburg zukommen. Es gebe viele Menschen in den neuen Bundesländern, die haben vor 25 Jahren neu angefangen, sich in der Gastronomie selbstständig zu machen. Oft seien diese Unternehmer allerdings damals schon in der Mitte ihres Lebens gewesen und denken jetzt an den Ruhestand.

Gaststättensterben hat begonnen

„Für diese Betriebe werden Nachfolger gesucht, die aber wegen des Fachkräftemangels nicht zu finden sind. Das führt unweigerlich zum ,Gaststättensterben‘. Auf dem Lande im Norden und Süden von Sachsen-Anhalt passiert das bereits“, hat der Dehoga-Präsident beobachtet. „Ich bin mir sicher, dieser Negativtrend wird auch bald die großen Städte wie Halle und Magdeburg erreichen.“

Fest steht, wer Koch oder Köchin gelernt hat, hat in Magdeburg gute Karten, einen Arbeitsplatz zu finden. Laut Jobportal der Agentur für Arbeit werden zurzeit in Magdeburg 128 offene Stellen für Köche angeboten. 123 sind es für den Servicebereich in Hotels und Gaststätten. Dem stehen nach Aussage der Agentur 328 Arbeitslose aus den Bereichen Hotel- und Gaststättenberufe gegenüber (Stand Januar 2018).

Branche will ihr Image aufpolieren

Dieses Zahlenverhältnis klingt erst einmal paradox. Der Zusammenhang erhellt sich aber für den Begriff „Fachkraft“. Das sind in erster Linie Menschen mit einer einschlägigen Ausbildung oder mit jahrelanger Berufserfahrung. „Die Anforderungen in einem großen Hotel sind vergleichsweise hoch“, sagt Andrea Imwalle.

Für Dehoga-Präsident Michael Schmidt bedeutet dies, dass das Hotel- und Gaststättengewerbe verstärkt ausbilden müsse. „Und wir sollten auch das Image unseres Berufszweigs in der Öffentlichkeit weiter verbessern.“ Für viele Jugendliche erscheine das Hotel- und Gaststättengewerbe für den Start ins Berufsleben nicht sehr attraktiv. „Das müssen wir ändern.“

Negativer Trend in Magdeburg

Auch Arno Frommhagen, einer der Geschäftsführer des Magdeburger Unternehmens „Gastro-Konzept“ und Sprecher der IG Innenstadt, sieht die Lage kritisch. „Wir haben in den vergangenen Jahren viel ausgebildet und konnten so ein relativ junges Team aufbauen. Allerdings müssen wir für Großveranstaltungen fast immer Fachkräfte von Agenturen aus Berlin oder Leipzig ausleihen, da wir die nötigen Mitarbeiter in Magdeburg nicht finden.“

In der Magdeburger Gastronomie-Branche hat Frommhagen noch einen weiteren, wie er findet, schlechten Trend festgestellt: „Viele Gaststätten schließen ein oder zwei Tage in der Woche, um den Personalmangel zu kompensieren.“ Das könne für die Gastronomie und die Attraktivität einer Großstadt nicht gut sein.