Magdeburg l Auf dem Fürstenwall erinnern freigelegte Fundamente zwischen den alten Wehrtürmen Kiek in de Köken und dem Turm hinter der Ausfahrt der Möllenvogtei daran, dass es hier bis zur Bombardierung im Zweiten Weltkrieg eine Bebauung gegeben hat. Mehrfach hatte die Stadt das Gelände ausgeschrieben, um das Grundstück der ehemaligen Schreiber’schen Augenklinik und Badeanstalt wieder nutzbar zu machen.

Nachdem der Vorschlag eines potenziellen Investors geprüft wurde, wurde ein Erbbaurechtsvertrag mit dem Bewerber aus Magdeburg geschlossen. Der Verwaltung liegt ein Antrag zum Bau eines Restaurants mit Hotelzimmern vor. „Dieser wird gegenwärtig geprüft“, berichtet Stadtsprecher Michael Reif. Eine Baugenehmigung wurde bislang nicht erteilt. Ziel sei eine weitere Belebung des historischen und touristischen Zentrums der Stadt.

Höhe sorgt für Kritik

Von diesen Plänen nicht begeistert ist Michael Sußmann, der bis vor kurzem im Magdeburger Gestaltungsbeirat mitgewirkt hat. Der Architekt und Kirchenoberbaurat im Ruhestand hat gemeinsam mit seinem Sohn den benachbarten Turm hinter der Ausfahrt der Möllenvogtei gerettet: Von ihm war nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg nur eine Ruine geblieben. Michael Sußmann verweist auf die Ausschreibung vor vier Jahren. In dieser war von Ausbau und Schließung der offenen Kellergeschosse die Rede. Eine Überbauung der Kellergeschosse sei auf das „notwendige Minimum“ zu beschränken – hieß es damals.

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„Davon kann jetzt keine Rede mehr sein“, so Michael Sußmann. Der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann bestätigt diese Einschätzung: „Es ist eine zweigeschossige Bebauung geplant.“

Schaden für Stadtansicht?

Für Michael Sußmann ist das ein Ding der Unmöglichkeit: „Einmal davon abgesehen, dass hier in die denkmalgeschützte Stadtmauer massiv eingegriffen wird – Magdeburg kann mit dem Blick von der Elbe auf den Dom punkten. Eine zweigeschossige Bebauung würde diese Ansicht schwer schädigen.“

Das ist eine Einschätzung, die die obere Denkmalschutzbehörde des Landes Sachsen-Anhalt teilt. Nicht allerdings die untere Denkmalschutzbehörde der Stadt, die einer Bebauung grundsätzlich zustimmt – wenngleich dafür massive Auflagen gefordert werden. Unter anderem solle der Gestaltungsbeirat der Stadt einbezogen werden.

Externe Expertise gefragt

Dass erst an dieser Stelle externes Wissen in das Vorhaben einfließen soll, stößt bei dem Nachbarn auf Kritik: „An sensiblen Stellen wie am Universitätsplatz, am Prämon­stratenserberg oder auf dem Kleinen Werder werden Ideen- und Architektenwettbewerbe veranstaltet, um bestmögliche Lösungen zu erzielen. Zwar ist die Fläche auf dem Fürstenwall sehr viel kleiner – aber er ist hochsensibel. Daher wäre auch hier ein solches Verfahren notwendig gewesen“, sagt er. Auf jeden Fall hätten so alternative Vorschläge entwickelt werden können.

Und was wäre aus Sicht von Michael Sußmann eine Alternative zum Entwurf für das Gelände, das vor mehr als 15 Jahren mit Hilfe von Fördergeldern gesichert worden war? „Man hätte tatsächlich eine viel niedrigere Bebauung zulassen können, die sich in die Umgebung einfügt. Dies wäre sicher unschädlich gewesen, selbst wenn so oder so mit der lauten Straße in der Nachbarschaft und ohne Parkplätze und Freiflächen eine gastronomische Nutzung in diesem Bereich schwierig wird.“

Oder noch viel besser, so der Architekt: Die Mauern mit Lehm und Ton konservieren, das Gelände wieder schließen und hier eine Grünanlage anlegen. Technisch sind solche Lösungen längst möglich.

Eine Anfrage der Volksstimme beim potenziellen Investor, einem Gastronomen aus Magdeburg, blieb übrigens unbeantwortet.