Magdeburg l Im Ordnungsamt der Stadt sorgt man sich um den Baumbestand in Magdeburg. Ordnungsbeigeordneter Holger Platz wurde jetzt in einer Stellungnahme für den Stadtrat zur Situation deutlich: Zwischen der Anzahl neu gepflanzter und gefällter Bäume klaffe seit mehreren Jahren eine Lücke von circa 100 bis 800 Bäumen pro Jahr. Das bedeute einen Substanzverlust dort, wo es abseits der ökologischen Wertigkeit am wenigsten verzichtbar sei: im öffentlichen Raum wie Grünanlagen, Parks und in den Straßen.

Schäden nicht ausgeglichen

Platz belegt seine Aussage mit Zahlen. 2012 wurden (per Genehmigung oder zur Gefahrenabwehr) 609 Bäume im Stadtgebiet gefällt, aber nur 367 neue Bäume wurden gepflanzt. 2014 lag das Verhältnis bei 878 zu 352, im Jahr 2016 dann bei 1388 zu 529 und 2017 bei 2165 zu 835. In den Jahren 2016 und 2017 lag die Zahl der gefällten Bäume durch mehrere Orkane, die große Schäden am Baumbestand der Stadt angerichtet hatten, besonders hoch. Dazu bemerkt Holger Platz, dass auf diese „Sonderereignisse“ in Sachen Wiederbepflanzung keine „adäquate Antwort“ gefunden werde.

Im Klartext: Es ist noch nicht geklärt, wie die Schäden von Orkan „Paul“, „Xavier“ und Co. ausgeglichen werden sollen. Grundsätzlich müssten für Bäume, die zur Gefahrenabwehr oder aus Krankheitsgründen gefällt würden, keine Ersatzpflanzungen vorgenommen werden.

Umweltamt soll Konzept vorlegen

Ein Mittel gegen den Baumverlust in Magdeburg ist unter anderem die vom Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe initiierte Bürgeraktion „Mein Baum für Magdeburg“ (siehe unten). Das reicht aber nicht aus, darum will die Rathausverwaltung jetzt mit einem Konzept gegen den Baumverlust vorgehen.

Das Umweltamt soll federführend bei dem Konzept sein, so Holger Platz. Geplant ist eine Art Generalplan. Dazu gehört die genaue Auflistung von verfügbaren Flächen und Standorten, wo Bäume gepflanzt werden können. Dabei soll auch untersucht werden, ob die Stadt Flächen kaufen kann, um dort Baumpflanzungen vorzunehmen. Um sich ein genaues Bild über den Ist-Stand zu verschaffen, will die Stadt auch Luftbilder machen lassen und besonders den Bestand an Straßenbäumen und an Privatbäumen ermitteln lassen. Die aktuellen Fotos sollen dann mit Luftaufnahmen aus dem Jahr 2006 verglichen werden.

Kostenfrage bleibt

Mit den Ver- und Entsorgungsunternehmen, die in Magdeburg aktiv sind, will sich die Stadt ebenfalls in Sachen Baumschutz mehr abstimmen. Dabei soll es darum gehen, Wurzelschutzmaßnahmen zu erörtern, um bei Baumaßnahmen möglicherweise Bäume vor dem Fällen zu bewahren. Wenn die Stadt selbst Bauherr von Projekten ist, soll zukünftig in Beschlüssen für den Stadtrat ganz speziell auf den davon betroffenen Baumbestand eingegangen werden.

Am Ende soll das Baum-Konzept auch die Kosten auflisten, die nötig sind, um den Baumbestand von Magdeburg zu erhalten und um die Verluste aus der Vergangenheit wieder auszugleichen, so Holger Platz. Nach früheren Schätzungen reicht das Personal des Stadtgartenbetriebs aus, um rund 500 neu gepflanzte Bäume pro Jahr zu pflegen. Soll das Konzept aufgehen, muss sicherlich auch mehr Personal zur Verfügung gestellt werden. Wann das fertige Konzept dem Stadtrat vorliegen wird, ist noch offen.