Magdeburg l Magdeburg entwickelt sich — kulturell, wirtschaftlich, sportlich, auch die Bevölkerung wächst seit einigen Jahren wieder. Und am 1. Januar 2019 wird die Stadt auch in die Höhe wachsen, immerhin um einen Zentimeter.

Dafür sind keine tektonischen Verschiebungen der Erdkruste verantwortlich, sondern das „Deutsche Haupthöhennetz 2016“, kurz DHHN2016. Mit dieser Abkürzung wird ein präzises Netzwerk genau vermessener Höhen in Deutschland bezeichnet. An diesen Höhen orientieren sich alle geologischen Vermessungssysteme in Deutschland. Bezugspunkt ist ein sogenannter Höhenfestpunkt an der Neuen St.-Alexander-Kirche in Wallenhorst (Landkreis Osnabrück, Niedersachsen). Daran richten sich alle geographischen Höhenangaben in Deutschland aus, zum Beispiel die Angabe für eine Höhe „über Normalnull“.

Einheitliches Messsystem beschlossen

Zurück zu Magdeburg. Seit 1992 wurden alle Höhenmessungen an dem Netzwerk NHN92 ausgerichtet. Damit wird ein Messsystem bezeichnet, das im Grunde ein Kompromiss aus dem bis 1992 geltenden Messsystem der BRD und der DDR bestand. Das Problem dabei: Dieses System war — für die Fachwelt der Vermessungstechnik — etwas ungenau. Darum hat die „Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder“ 2016 beschlossen, ein einheitliches System zu schaffen. Vor allem sollte es genauer werden.

Die Kommunen mussten ab 2017 damit beginnen, ihre Vermessungsämter auf das neue DHHN2016 zu trimmen, also umzustellen. In Magdeburg ist der Fachbereich Vermessungsamt und Baurecht des Rathauses dafür verantwortlich. Dort hat man erst einmal das ganze Stadtgebiet mit dem neuen Höhenbezugssystem verglichen.

Eine Million Messpunkte in Magdeburg

Immerhin werden die geologischen Höhenverhältnisse in Magdeburg mit rund einer Millionen Messpunkten ermittelt. Bei dem Abgleich mit dem neuen Zahlenwerk stellte sich dann heraus, dass in Magdeburg die geologischen Höhenverhältnisse von Nord bis Süd zwischen 7 und 11 Millimetern schwanken. Für Vermessungstechniker eine schwer zu akzeptierende Schwankung. Darum wurden alle offiziellen Magdeburger Messpunkte auf das neue System umgestellt.

Stellt sich die Frage: Warum ein so großer Aufwand für nur wenige Millimeter Ungenauigkeit? Der Grund ist, dass sich bei geologischen Vermessungen kleine Abweichungen schnell ausweiten können — der sogenannte „Schereneffekt“ schlägt dann zu. Je weiter eine Schere geöffnet wird, desto größer wird der Abstand zwischen den Klingen und im übertragenen Sinn die Fehlerquote.

Stadtgrundkarte wird geändert

Was noch geändert werden musste, ist die offizielle Stadtgrundkarte, in der alle Höhenverhältnisse eingetragen sind. Sie hat einen Maßstab von 1:1000. Bei ihr wurde festgelegt, dass jeder der über eine Million Magdeburger Messpunkte einen Zentimeter oben drauf bekommen.

Offiziell tritt das neue DHHN2016-System mit den neuen Magdeburger Daten am 1. Januar 2019 in Kraft.