Magdeburgl Die Regale sind schon geleert: Die Buch- und Kunsthandlung St. Mauritius musste Ende September nach 55 Jahren schließen. „Es gibt leider niemand, der das Geschäft weiterführen möchte“, bedauert Inhaberin Annemarie Thiele, die den Laden 1974 übernahm.

Die Buchhandlung an der Max-Josef-Metzger-Straße, die neben dem regulären Sortiment einen religiösen Schwerpunkt hatte, zog ihre Kunden jahrzehntelang nicht nur wegen ihres ausgewählten Büchersortiments an. Es wurden auch Kerzen für christliche Feste verkauft, die Ehemann Uwe Thiele mit Wachsbuchstaben individualisierte. Doch durch die Abkehr von Kirche und Religion seien die meisten potenziellen Nachfolger nicht von diesem Alleinstellungsmerkmal überzeugt, bedauert der gelernte Elektriker.

Schwierige Kategorie

Eine Einschätzung, die auch das Bistum Magdeburg teilt, das die Räume zu vergünstigten Konditionen an das Paar vermietet hatte. „Es wäre schon ein großes Glück, wenn wir einen Nachfolger für den Laden finden würden. Gleichzeitig sehen wir aber die Schwierigkeiten des kategorialen Buchhandels und gehen realistisch an die Sache heran“, sagt Sprecherin Susanne Sperling.

Auch das veränderte Einkaufsverhalten der Kunden erschwere die Suche nach einem Nachfolger, beklagt die Inhaberin. Vor der Wende sei das Geschäft wegen seines Angebots an religiöser Literatur die einzige Anlaufstelle im Umkreis gewesen und man habe „die Mangelware bis nach Rostock und Plauen geliefert“.

Internet als Konkurrenz

Heute hingegen nehme sich fast niemand mehr die Zeit, in eine Buchhandlung zu gehen. Stattdessen bestelle die junge Generation einfach im Netz. Das Internet sei auch dafür verantwortlich, dass die Nachfrage an dem Medium Buch generell gesunken sei. Denn durch die neuen Onlinemedien würden Möglichkeiten entstehen, die das Buch nicht bieten könne, meint Thiele.

Obwohl das Ehepaar das Geschäft mit großer Freude betrieben hat und die Aufgabe bedauert, empfindet es gleichzeitig ein Gefühl der Befreiung. Denn als Selbstständiger trage man hohe Verantwortung und sei einem finanziellen Risiko ausgesetzt. Den Ruhestand will das Ehepaar nutzen, Deutschland zu entdecken, und auch viel Zeit damit verbringen, seinen zwei Enkelkindern vorzulesen, um so die Tradition der Bücher fortzusetzen.

*Die Autorin ist Stipendiatin der Journalistischen Nachwuchsförderung der Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung e. V. Sie hat den Text in einem Seminar zu Lokaljournalismus in Magdeburg verfasst.