Magdeburg l Jugendliche im Museum? Wohl eher Last als Lust, mag man meinen. Diese Unterstellung widerlegen möchte eine Gruppe aus Schülern des Hegelgymnasiums Magdeburg in den kommenden Monaten. Sie werden Führungen durch die Sonderausstellung „Faszination Stadt – Die Urbanisierung Europas im Mittelalter und das Magdeburger Recht“ anbieten, die vom 1. September bis 2. Februar im Kulturhistorischen Museum läuft.

Museen sind mit von der Partie

Die Gruppe, die sich jetzt für das Projekt gefunden hat, ist gegenüber der Institution Museum übrigens erklärtermaßen durchaus aufgeschlossen. Amelie Smolarek beispielsweise sagt: „Wenn ich in einer anderen Stadt bin, dann schaue ich natürlich, ob es da auch ein interessantes Museum gibt, in dem sich vielleicht ein Besuch lohnt.“ Und gerade an Aktionstagen kann auch einmal ein Magdeburger Museum auf dem privaten Freizeitprogramm stehen. Zuletzt war das bei vielen der Schüler des Hegelgymnasiums beispielsweise während der Langen Nacht der Wissenschaft Ende Mai der Fall, als mehrere Museen mit eigenen Programmpunkten mit von der Partie waren.

An mehreren Projekttagen haben die bisherigen Neuntklässler in den Tagen vor Beginn der Sommerferien die Gründung ihrer Arbeitsgemeinschaft vorbereitet. Sie haben sich im Museum umgeschaut. „Unter anderem haben wir die Werkstätten und Magazine gesehen – Bereiche also, in die man als Besucher normalerweise nicht hineinkommt“, erläutert Jonathan Sickert. Sie haben erfahren, wie ein Museum funktioniert, welche Möglichkeiten es hier gibt, was die Aufgaben sind.

Das Leben im Mittelalter

Aber eine eigene Führung haben sie deshalb noch längst nicht beisammen. Klar – geschichtsinteressiert sind sie alle, berichtet Per Ole Siano. Und durchaus sind bei ihnen auch noch eine Reihe von Themen aus dem Mittelalter, die drei Jahre zuvor im Geschichtsunterricht in der Schule an der Reihe gewesen sind, in Erinnerung geblieben. Das Feudalsystem, das damals das Leben in vielen Gebieten bestimmte, beispielsweise.

Doch jetzt geht es darum, sich mit den Objekten, die in der Sonderausstellung gezeigt werden sollen, auseinanderzusetzen. In Kleingruppen werden sich die Hegelianer auch entlang den eigenen Interessen der Stadt und dem Mittelalter nähern.

Denkwürdige Objekte

Was markante Themen sein könnten? Vielleicht, wie junge Menschen im Mittelalter gelebt haben und welche Rolle sie hatten. Oder der Alltag. Christina Link, Ausstellungskuratorin und stellvertretende Museumsleiterin, hätte da schon ein paar Ideen: „Aus Thorn haben wir beispielsweise einen Ziegelstein, auf dem die Abdrücke von Schweinfüßen zu sehen sind.“ Ein Objekt, das den Alltag in einer mittelalterlichen Stadt ebenso thematisiert wie das städtische Recht, das in Magdeburg beispielgebend für viele weitere Städte in Mittel- und Osteuropa entwickelt worden war. Dort war nämlich auch geregelt, wie groß der Abstand zwischen Schweineställen und benachbarten Grundstücken sein musste. „Und aus Berlin haben wir beispielsweise eine drei Meter lange Schöffenbank. Auch das wäre ein hervorragendes Objekt, um die Geschichte lebhaft zu erklären.“

Unterstützt von Museumpädagogen, ist dafür jetzt der Ideenreichtum der Schüler gefragt. Ihre Arbeitsgemeinschaft wird nach den Sommerferien in der Freizeit laufen. Wenn dann allerdings während der Laufzeit der Sonderausstellung Anfragen zu Führungen für Schüler kommen, werden sie nach Möglichkeit vom Unterricht freigestellt. „Das ist auch eine gewisse Motivation“, bekennt Per Ole Siano. Erwartet werden für das Programm übrigens Schüler ab der sechsten Klasse, wo das Mittelalter im Geschichtsunterricht Thema ist.