Magdeburg l Schäfchen zählen und dabei entspannt einschlafen? Schön wär’s! Der eine kann kaum mal eine Nacht durchschlafen. Der Nächste findet erst gar nicht in den Schlaf und wälzt sich stundenlang im Bett umher – für immer mehr Magdeburger ist das der reale Alptraum.

Die DAK (Deutsche Angestellten-Krankenkasse) hat die neue Volkskrankheit in ihrem aktuellen Gesundheitsreport als Schwerpunktthema unter die Lupe genommen. Ein von ihr beauftragtes Institut wertete die Fehlzeiten aller bei der Kasse versicherten erwerbstätigen Mitglieder in Sachsen-Anhalt aus und fügte noch bundesweite Erhebungen dazu. Ergebnis: 75 Prozent der Erwerbstätigen berichten von Schlafproblemen.

Jeder 10. Magdeburger schläft schlecht

Seit 2010 ist der Anteil der von Ein- und Durchschlafproblemen betroffenen 35- bis 65-jährigen Arbeitnehmer um 78 Prozent angestiegen. Schwere Schlafstörungen haben sich seit 2010 sogar mehr als verdoppelt (plus 113 Prozent). Jeder zehnte berufstätige Magdeburger (10,2 Prozent) leidet unter schweren Schlafstörungen mit Ein- und Durchschlafproblemen, schlechter Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung.

Das hat auch Auswirkungen auf die Fehltage. Die Krankentage wegen Schlafstörungen haben sich in den letzten Jahren auf jetzt 2,93 Tage je 100 Versicherte mehr als vervierfacht.

Mehrheit geht nicht zum Arzt

Die große Mehrheit versuche, allein damit zurechtzukommen und gehe nicht zum Arzt, heißt es in dem Report. Selbst Erwerbstätige mit der schweren Schlafstörung Insomnie gingen meist nicht zum Arzt: 70 Prozent von ihnen lassen sich nicht behandeln, so ein weiteres Fazit. Experten sprechen von einer behandlungswürdigen Störung, wenn der Patient länger als einen Monat mindestens dreimal in der Woche schlecht schläft.

Schlaflos in Magdeburg: Die Gründe dafür liegen sowohl im Beruflichen als auch im Privaten. Dienstlich verursachen starker Termin- und Leistungsdruck, Überstunden sowie Nachtschichten und ständige Erreichbarkeit nach Feierabend schlaflose Nächte.

Smartphone voll, menschlicher Akku leer

Aber auch in der Freizeit sorgen viele Magdeburger selbst für einen schlechten Schlaf. Laut der Studie sehen 85 Prozent der Erwerbstätigen vor dem Einschlafen Filme und Serien, 65 Prozent erledigen abends private Angelegenheiten an Laptop oder Smartphone. Jeder Zehnte kümmere sich noch um dienstliche Dinge wie E-Mails oder die Planung des nächsten Arbeitstages. „Viele Menschen haben nachts das Smartphone an der Steckdose, können aber ihre eigenen Akkus nicht mehr aufladen“, sagt Michael Fräßdorf von der DAK-Gesundheit.

Etwas besser sieht es für die Magdeburger in der Gesamtbilanz der Krankentage aus. 2016 sind die Ausfalltage in Magdeburg gesunken, wenn auch nur geringfügig um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Stadt hat zudem den niedrigsten Krankenstand in Sachsen-Anhalt. An jedem Tag des Jahres waren hier von 1000 Arbeitnehmern 45 krankgeschrieben (Landesdurchschnitt: 51).

Weniger Fehltage in Magdeburg

Die Fehltage gingen bei allen wichtigen Beschwerdearten zurück. Muskel-Skelett-Erkrankungen wurden drei Prozent weniger verzeichnet. Rückenschmerzen und Co. verursachten aber erneut mehr als jeden fünften Ausfalltag. Es folgten an zweiter Position psychische Erkrankungen, zu denen Angstzustände und Depressionen gehören. Hier betrug das Minus zehn Prozent.

Mit einem Anteil von 16 Prozent am gesamten Krankenstand belegten Atemwegserkrankungen wie Bronchitis den dritten Rang.