Magdeburg l Die Naturschutzbelange haben den ursprünglichen Plänen der BTEC Beratungsgesellschaft mbH einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Unternehmen hatte 2016 das ehemalige Stadion „Neue Welt“, was inzwischen zum Biotop verwildert ist, gekauft. Das Konzept sah eine moderne Minigolfanlage sowie einen Kultur- und Skulpturenpark vor. Doch die Pläne sind mittlerweile vom Tisch, wie der Magdeburger Bauunternehmer und Geschäftsführer der BTEC, Karsten Horney, im Volksstimme-Gespräch erzählt.

Baustart 2019 geplant

Ziel sei es die Nutzung des Geländes im Einklang mit den Vorschriften des Naturschutzes als auch wirtschaftlich zu betreiben. Gemeinsam mit mehreren Kooperationspartnern plant er daher aus der einst beliebten Sport- und Erholungsstätte ein Kompetenzzentrum für Baumpflege sowie Natur- und Umweltpädagogik zu entwickeln.

„Bestehende verkehrssichere Baumbestände und Biotope werden erhalten und können u. a. als Praxisbeispiele für Baumpfleger oder kommunale Institutionen dienen“, erklärt Karsten Horney. Zu diesem Zweck sei u. a. eine Zusammenarbeit mit der Firma Grünwerk Magdeburg GmbH sowie mit dem Baumpflegefachbetrieb Jan von Hofmann aus Höxter geplant. Es sei weiter angedacht, die Flächen als landwirtschaftlichen Standort für Bienen, Schafe und Ziegen – vor allem zur Landschaftspflege – zu nutzen.

Neubau unumgänglich

„Um das Konzept sinnvoll umzusetzen ist natürlich der Aufbau eines Wirtschaftsteils unumgänglich“, so Karsten Horney. Daher sei vorgesehen eine massive Hofstelle vor dem ehemaligen Europabecken zu errichten. Die Hofstelle soll einen Wirtschaftsbau, eine kleine Multifunktionshalle und einen Stall umfassen. „Der Wirtschaftsbau soll zur Abwicklung eines Lehrbetriebs zur Verfügung gestellt werden, wobei der Fokus auf einem ständigen Betrieb nur für diesen Teil des Geländes liegen soll“, ergänzt der Bauunternehmer. Baustart könnte im Frühjahr 2019 sein. Karsten Horney rechnet mit einer siebenstelligen Investitionssumme für die Entwicklung des Geländes.

Das ehemaligen Stadion „Neue Welt“ soll aber auch für die breite Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. „Mindestens einmal jährlich soll eine Veranstaltung mit Wettkampfgeschehen im Bereich Klettern und Kettensägen organisiert werden, im Vorbild der Augsburger Baumpflegetage“, so Karsten Horney. Die Veranstaltung in Augsburg sei seit Jahren ein fester Termin für Baumpfleger und Baumkletterer. Aus einer zunächst kleinen regionalen Veranstaltung habe sich eine der bedeutendsten europäischen Tagungen und Messen für Baumpflege entwickelt. „Hier haben wir im Raum Magdeburg, Sachsen-Anhalt eine Lücke erkannt, die man mit der Einrichtung eines ähnlichen Forums schließen kann“, argumentiert Karsten Horney.

Magdeburger Baumtage

Stadtgrün sei für die Lebensqualität in Ballungsräumen von entscheidender Bedeutung. Die Notwendigkeit der stetigen Aus- und Weiterbildung in diesem Bereich werde auch weiterhin vorhanden sein, da sich Anforderungen im Natur- und Gehölzschutz stetig weiterentwickeln. Die „Magdeburger Baumtage“, wie Horney sie nennt, könnten ein Anziehungspunkt für Besucher und Interessierte sein, die sich rund um den Baum weiterbilden und informieren möchten.

Daneben seien weitere Veranstaltungen im Bereich der Natur- und Umweltpädagogik geplant. Die Haus Natursinn UG hat bereits ihr Interesse geäußert, das Projekt mitzuentwickeln sowie langfristig zu begleiten. „Das Projekt ist eine Bereicherung für die Stadt als Lernort. Da unser oberstes Ziel das Arbeiten mit und in der Natur ist, sehen wir das Projekt als eine entscheidende und zukunftsorientierte Möglichkeit an, die Potenziale unserer Angebote entscheidend weiterzuentwickeln“, so Annett Kriewald, Geschäftsführerin der Haus Natursinn UG. Haus Natursinn fördert seit 2015 mit generations- und fachübergreifenden Angeboten u. a. zu den Themen Gartenkultur, Gartenbau, Gartentherapie und Umweltbildung.

Stadt erwägt Rückkauf

Ob das neue Konzept umgesetzt werden kann, ist jedoch noch unsicher. Der Finanz- und Grundstücksausschuss muss die Änderung noch absegnen. Hintergrund ist, dass die Stadtverwaltung unterdessen eine Rückabwicklung des Grundstückskaufvertrages in Erwägung zieht, mit der Begründung, dass der Käufer seiner Verpflichtung nicht nachgekommen sei. Spätestens sechs Monate nach Vertragsabschluss hätte ein Bauantrag seitens der BTEC Beratungsgesellschaft mbH bei der Stadt vorliegen müssen.

Das Ringen um umweltrechtliche Auflagen für das Bauen im Stadion-Biotop sind laut Karsten Horney u. a. Gründe für die Zeitverzögerung. Allein die Vermessung des Geländes sowie die Grenzfeststellung erwiesen sich als schwierig, weil großflächige Bereiche durch den Bewuchs nicht zu betreten waren. Ausnahmegenehmigungen zur Beräumung der Grenzen mussten erwirkt werden. „Dadurch haben wir auch gemerkt, dass das ursprüngliche Konzept aufgrund der Naturschutzbelange nicht umsetzbar ist“, berichtet Karsten Horney. Der Magdeburger und seine Mitstreiter sind optimistisch, dass das neue Konzept bei der Stadt punkten wird.