Flugverkehr

Grenzenlose Freiheit am Magdeburger Tower

Die Grünen im Stadtrat von Magdeburg scheitern mit einer Initiative für Flugverbotszeiten auf dem Verkehrslandeplatz .

Blick bis zur Brockenspitze Das herrliche Wetter der vergangenen Tage sorgte nicht nur für besondere Lichtstimmungen, sondern auch für eine hervorragende Fernsicht. Volksstimme-Leser Udo Zabel aus Schönebeck gelang es am Sonnabend am Flugplatz Magdeburg, diesen Sonnenuntergang abzulichten. Im Hintergrund ist die rund 100 Kilometer entfernte Brockenspitze zu sehen. Magdeburg

Magdeburg

Anti-Ausbauproteste, eine Bürgerinitiative, heftige Ratsdebatten – die Auseinandersetzungen um den Magdeburger Verkehrslandeplatz reichen Jahrzehnte zurück und keimen stetig wieder auf. Zur jüngsten Ratssitzung wagten die Grünen einmal mehr einen Vorstoß zur Einführung von Flugverbotszeiten zum Schutz der Anwohner vor Lärm. Hintergrund ist der auslaufende Pachtvertrag, den die Stadt bereits 2009 mit der privaten Flugplatz Magdeburg Betriebsgesellschaft mbH geschlossen hat. Ein neuer Vertrag, so forderten die Grünen, solle nur mit neuen Auflagen geschlossen werden. Und zwar mit diesen: „Montags bis freitags vor 7 Uhr, zwischen 13 und 15 Uhr und nach Sonnenuntergang, sowie samstags, sonntags und an Feiertagen vor 9 Uhr und nach 13 Uhr Ortszeit sind Starts und Landungen von propellergetriebenen Flugzeugen und Motorseglern bis zu 9000 Kilogramm höchstzulässiger Startmasse untersagt.“

Interessenkonflikte

„Es gibt widerstreitende Interessen von Anwohnern und Flugsportlern“, begründete Fraktionssprecher Olaf Meister und dass ein Ausgleich nötig sei. Und schließlich sei auch ein Ausbau der Landebahn nicht vom Tisch, was die Zahl der Flugbewegungen (aktuell rund 8100 pro Jahr) steigern würde. Die Grünen wollen dem zum Anwohnerschutz vorbauen.

„Verbotspartei“ ätzte AfD-Mann Ronny Kumpf empört zurück, verwies auf den Bestand des Flugplatzes an Ort und Stelle seit 1936 und darauf, dass die meisten Anwohner wohl später eingezogen seien und gewusst hätten, wer ihr Nachbar ist. Am Landeplatz ansässige Unternehmen, wie etwa der Ingenieurdienstleister GeoFly (Vermessung und Geoinformationen), müssten uneingeschränkt fliegen, wenn das Wetter es zulässt.

Sorge um Unternehmen vor Ort

In ihrer Stellungnahme hatte die Stadtverwaltung größte Bedenken der Flugplatz-Firmen und die Erwartung kräftiger Einbußen im Falle von Flugverbotszeiten weitergereicht. Der auch für Unternehmensbeteiligungen zuständige Finanzbeigeordnete Klaus Zimmermann (CDU) verwies darauf wie auch auf organisatorische Probleme bei den Flugsportlern am Ort. „Die Segelflieger und Ultraleichtflugzeuge sind natürlich in erster Linie am Sonnabend und Sonntag unterwegs. Wann sollen die auch sonst fliegen, wenn sie die Woche über arbeiten?“ Schließlich werde der Landeplatz für Einsätze der Polizei-Hubschrauberstaffel und für Organtransporte genutzt, die zeitlich unbegrenzt möglich sein müssen, so Zimmermann. Letzterem stimmen allerdings auch die Grünen zu, bekräftigte Meister. „Der Antrag kommt alle Jahre wieder“, rollte SPD-Mann Christian Hausmann sinnbildlich mit den Augen und winkte ab: „Wir würden am Flugplatz Gewerbeeinnahmen verlieren und sollten dort schon deshalb keine Einschränkungen vornehmen.“

Frank Schuster (CDU) wohnt selbst in Landeplatznähe und hält die Lärmbelastung für erträglich. Manch andere Anwohner steigerten sich da einfach rein. Niko Zenker (SPD) wittert hinterm Flugverbotsantrag eine ganz andere Motivation der Grünen: „Wenn ihr wollt, dass der Landeplatz geschlossen wird, müsst ihr das einfach sagen.“

Schluss der Debatte, finale Abstimmung: Die Flugverbotsfreunde unterliegen klar. Eine große Ratsmehrheit fegt ihren Antrag vom Tisch. Vom Magdeburger Landeplatz darf weiter uneingeschränkt abgehoben werden.