Umweltschutz

Großer Aufwand um die Streuobstwiesen in Magdeburg

Von Martin Rieß

Magdeburg

Ein wenig von Landidylle hat das schon: Die Insekten summen zwischen den Halmen des Grases der Wiese, Amseln rascheln im Laub am Rand, wenn man Pech hat, fällt einem eine Birne auf den Kopf. Das ist die Obstbaumwiese.

In den vergangenen Jahren ist ihr Wert auch für die Natur zur Gewissheit geworden: Hier herrscht eine Artenvielfalt, wie sonst auf kaum einer anderen landwirtschaftlich genutzten Fläche. Und doch sprießen die Streuobstwiesen noch längst nicht allerorten in Magdeburg anstelle von uniformen Rasenstücken. In einer Diskussion um einen CDU-Antrag zum April-Stadtrat wurde deutlich, warum das so ist.

Wiese soll wie geplant gestaltet werden

Anlass für die Diskussionen war die Streuobstwiese am Niendorfer Grund. An der Kreuzung zwischen der Umgehungsstraße um Ottersleben und einem von Radfahrern gern genutzten landwirtschaftlichen Weg wurde sie als Ausgleichsmaßnahme für Bauarbeiten angelegt. Dies allerdings nicht so, wie es sich die Stadträte vorgestellt haben. Daher der durch einen Änderungsantrag des Umweltausschuss gefasst Beschluss: Die Verwaltung solle dafür sorgen, dass die Obstbaumwiese so wie ursprünglich gestaltet wird.

Doch einfach ist all das nicht, wie es seitens der Fachleute aus Verwaltung wie aus dem Stadtgartenbetrieb hieß. Denn die Obstbäume müssen fachmännisch gezogen werden, um stabile Kronen zu entwickeln. Und auch wenn die Bäume groß sind, brauchen sie mehr Pflege als andere Gehölze. Dies müsse immer bedacht werden, wenn Obstbaumwiesen angelegt werden. SPD-Stadtrat Lars Wiebe warnte in diesem Zusammenhang davor, den Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe (SFM) angesichts des Pflegeaufwands zu überfordern.

Wer erntet das Obst?

Neben dem Schnitt geht es dabei auch um das Obst selbst. Denn wenn nicht gerade eine Wildbirne angepflanzt wird, sondern eine Williams Christ, eine Gute Graue oder beispielsweise Gellerts Butterbirne gepflanzt werden, fällt im Herbst Obst an. Wenn sich dieses nicht in einen modernd-rutschigen Bodenbelag verwandeln soll, muss das Obst geerntet werden. Der Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe bewirtschaftet in Magdeburg zwölf Streuobstwiesen, elf davon sind öffentlich. Hier wachsen auf mehr 102 000 Quadratmetern beispielsweise Äpfel, Birnen, Süßkirschen, Sauerkirschen und Pflaumen.

Das zu erntende Obst ist ein Thema nicht allein für Streuobstwiesen, sondern auch an Obstbaumalleen. Beyendorf-Sohlens Ortsbürgermeister und SPD-Stadtrat Niko Zenker berichtete so, dass man zur Kirschzeit kaum mit dem Fahrrad auf der Landstraße fahren kann, da so viele Kirschen auf dem Asphalt liegen.

Partner als Obst-Pflegehelfer

Für die Nutzung des auf der Wiese anfallenden Obstes schlägt Stadträtin Anke Jäger (Linke) die Einbeziehung des Naturschutzbunds Nabu vor. Dies, so SFM-Leiterin Simone Andruscheck funktioniert bereits gut auf der Streuobstwiese in der Lutherstraße. Dort bewirtschaftet die Katholische Erwachsenenbildung das Gelände.

Zudem gebe es Nachfragen von Schulen und Kindereinrichtungen zur Nutzung. Grünen-Stadtrat Jürgen Canehl steuert als Vorbild die in Leipzig praktizierte Zusammenarbeit zwischen Grünflächenamt und dem Nabu bei. Andreas Schumann (CDU) sieht im Falle des Niendorfer Grunds die Grundschule Ottersleben und auch den Verein „Bürger für Ottersleben“ als mögliche Kooperationspartner. Denn Fakt ist auch: Benötigt werden Partner, die über Jahre mit anpacken.

Was übrigens das konkrete Beispiel am Niendorfer Grund angeht, so kritisierten Anke Jäger und der von der CDU berufene sachkundige Einwohner Hartmut Beyer, dass hier Mittel aus der Spendenaktion „Mein Baum für Magdeburg“ für die Nachpflanzungen verwendet worden seien: Dies sei Aufgabe der Stadt gewesen.