Magdeburg l Nicht unbedingt von guter Laune beseelt zeigte sich Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper bei seinem Termin am Dienstag im Ratssaal. Dort verkündete er vor der Presse das Verhandlungsergebnis zum Thema Tunnel. Es geht jetzt um Kosten über 198 Millionen Euro und um eine Fertigstellung im Dezember 2022. „Dass es zu diesem Kostenaufwuchs und zu dieser Verzögerung gekommen ist, hat mehrere Ursachen“, so der Chef der Stadtverwaltung. Diese hatte für ihn eine Liste mit Punkten zusammengestellt, die den Tunnelbau immer teurer und zweitaufwendiger machten. Hier eine Auswahl an Aspekten.

Material und Zeit: Größere Betonbohrpfähle – hört sich nach einem einfachen Eingriff an, der wegen der Neuberechnung dieser Elemente notwendig wurde. Er hat aber einen großen Einfluss auf die Kosten. Es werden vordergründig zunächst mehr Stahl und Beton verbraucht. Vor allem aber wurden im Fall des Magdeburger Tunnels Neuplanungen erforderlich. Dies erforderte Zeit. Und jeden Tag, an den Maschinen stillstehen, fallen unnütze Kosten an.

Bauablauf: Mit der Verlängerung der Bauzeit folgten auch Mehrkostenforderungen durch den wichtigsten Auftragnehmer, den Baukonzern Porr. Unter anderem geht es um einen „gestörten Bauablauf“, wenn das Unternehmen seinerseits neu planen muss oder seine Kapazitäten neu organisieren muss.

Bauwerkssicherung: Wenn Spezialmaschinen mehrere Meter tiefe Bohrungen bis hinab auf den Fels in den Boden treiben, damit Betonbohrpfähle in den Boden gebracht werden, dann ist dies für benachbarte Häuser aus statischer Sicht zumindest interessant. Und gerade bei Gebäuden, die nicht mehr so gut in Schuss sind, kann dies sogar zum Einsturz führen. Ausdrücklich genannt werden von der Stadt hier die Gebäude der Ernst-Reuter-Allee 38, 40 und 42, die gesichert werden müssen.

Unter ihnen ist auch die ehemalige Feuerwache Mitte. Und über die sagte Oberbürgermeister Lutz Trümper gegenüber der Volksstimme: „Vor dem Bau des Tunnels hatte die Stadtverwaltung vorgeschlagen, dieses Gebäude abzureißen.“ Dafür gab es aber keine Mehrheit im Stadtrat. Stattdessen wurde das Gebäude an privat verkauft. Inzwischen erneut mit einem neuen Besitzer gesegnet, sorgte dieses Gebäude für eine neue Bauverzögerung: Porr hatte sich geweigert, ohne zusätzliche Sicherung des Hauses direkt daneben Betonbohrpfähle zu bauen. Denn da die Durchmesser der Bohrpfähle gewachsen waren, mussten sie näher ans Haus. Denn die Fahrspur zu verengen, wäre keine Option gewesen.

Inzwischen sieht sich die Stadt trotz aller Bemühungen um die Sicherheit und Dokumentationen zum Zustand des Hauses mit einer Klage konfrontiert, da das Haus durch den Tunnelbau beschädigt worden sei. Lutz Trümper spricht von einem Millionenschaden.

Externe Beratung: Spätestens seit der Nachricht, dass die Betonbohrpfähle neu berechnet werden müssen, war es vorbei mit der Harmonie zwischen Planern, Baufirmen und den Bauherren. Und es wurden Berater, Gutachter und Rechtsanwälte bemüht, um die eigenen Positionen zu bekräftigen. Erfahrungsgemäß bieten die jeweiligen Experten ihre Dienste nicht zum Nulltarif.

Neuvergabe: Im Laufe der Bauarbeiten gab es nach einer Teilkündigung eine Neuvergabe für Bauüberwachung und Bauoberleitung. Auch mit einem solchen Schritt sind Kosten verbunden, die ursprünglich nicht geplant waren.

Ausstattung: Natursteinpflaster statt Betonpflaster? Eine andere Beleuchtung? Andere Farben? Die Kleinigkeiten, die nach und nach in die Pläne für den Tunnel aufgenommen wurden, kosten Geld. Verglichen mit den anderen Beträgen sind diese Mehrkosten keine Unsummen. Doch bekanntermaßen macht auch Kleinvieh Mist.

Technik: Die Sicherheit ist heute ein wichtiges Gut. Und im Laufe der Jahre gibt es immer wieder neue Erkenntnisse, die sich in den Richtlinien für Bauwerke und Technik niederschlagen. Ohnehin steigen die Preise für Technik. In diesem Bereich gibt es auch auf anderen Baustellen steigende Kosten.

Bauzwischenzustände: Unter dem Begriff Bauzwischenzustände sind Etappen wie die Freigabe der Strecke über die Tunneldecke für die Straßenbahn zu verstehen. Um Etappen wie diese oder die Freigabe des Fußwegs entlang der Baustelle zu erreichen, war ein zusätzlicher Aufwand erforderlich.