Magdeburg l Was bei der Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt Europas für böses Blut sorgt, ist in der Wirtschaft eine Selbstverständlichkeit. Bei der Expo Real in München wirbt Magdeburg gemeinsam mit der Metropolregion Mitteldeutschland, zu der auch Halle und Dessau gehören, um Investoren. Magdeburgs Wirtschaftsbeigeordneter Rainer Nitsche spricht heute gemeinsam mit seinem Dessauer Amtskollegen, Robert Reck, auf der Messe. Thema: „Aus Mitteldeutschland in die Welt – Die Bedeutung der Seehafen-Hinterlandverkehre für die Logistikregion“.

„Wollen wir weiter wachsen, müssen wir uns auch einem internationalen Publikum präsentieren“, sagte Nitsche. Die Expo in München ist die zweitgrößte Messe ihrer Art in Europa. Hintergrund für die klare Ansage Nitsches ist, dass Sachsen-Anhalt nicht mehr in München vertreten ist, Magdeburg sich daher mit anderen Städten zusammengetan hat und den Auftritt aus der eigenen Tasche finanziert.

Dem Magdeburger Hafen, der für 40 Millionen Euro erweitert werden soll, komme dabei besondere Bedeutung zu, so Nitsche. Und das liege vor allem am Hamburger Hafen, der für die verladende Wirtschaft in Deutschland das wichtigste Tor zur Welt sei. Im Jahr 2014 wurden dort 9,7 Millionen TEU (Abkürzung für 20-Fuß-Standard-Container) umgeschlagen. Laut der aktuellen Umschlagpotenzialprognose wird der Containerumschlag bis 2030 in Deutschlands größtem Seehafen 18,1 Millionen TEU erreichen. Zwei Drittel der Güter, die in Hamburg be- und entladen werden, kommen oder gehen ins Hinterland. Der Hinterlandverkehr per Lkw, Bahn und Binnenschiff steige weiter an. Für Hamburg und seine Kunden sei deshalb eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur nicht nur im Hafen Hamburg, sondern auch im Binnenland von großer Bedeutung. Die jetzt geplante wasserstandsunabhängige Erweiterung des Magdeburger Hafens sei ein wichtiger Baustein. Der Stadtrat hatte kürzlich sein O.K. für das 40-Millionen-Euro-Projekt (siehe Infokasten) gegeben. Nun wartet man auf eine Entscheidung aus Brüssel. Wird das Projekt notifiziert, kann das Geld fließen. Denn der Umbau soll zu 90 Prozent gefördert werden.

In einem Handout zur Expo wird der Magdeburger Hafen als „Duisburg des Ostens“ bezeichnet. Denn besonders für die Abwicklung der „mittelfristig erwarteten Zuwächse“ im Containerverkehr würden sich Binnenhäfen als leistungsfähige Verkehrsdrehscheiben im Hinterland anbieten. „Wir sind trimodal ans Schienen-, Wasserstraßen- und Autobahnnetz angebunden“, betont Nitsche.

Der Magdeburger Hafen konnte sein Umschlagsvolumen zuletzt steigern. Derzeit liegt es bei 4 Millionen Tonnen (5,5 Millionen mit Hafenbahn) im Jahr. Damit ist Magdeburg der größte Binnenhafen Mitteldeutschlands und gehört zu den zehn größten Binnenhäfen in Deutschland überhaupt.