Magdeburg l Etwas fehl am Platz wirkt die kleine grüne Gartenbank, die an Cracauer Straße in Höhe des Triftweges in Magdeburg steht. Mitglieder der Gemeinwesenarbeit Ostelbien haben die Sitzgelegenheit auf dem schmalen Fußweg aufgestellt und genau darin liegt auch das Problem.

Magdeburger fordern Sitzbank

Schon seit Jahren fordern Anwohner an zwei verschiedenen Haltestellen Sitzgelegenheiten und im Idealfall auch einen Unterstand. Gemeint sind die Haltestellen „Am Cracauer Tor“ und „Simonstraße“. „Derzeit ist die Situation alles andere als schön für uns“, erzählt Brigitte Otte. Vor allem die älteren Menschen würden an der Haltestelle Simonstraße den kürzeren ziehen.

„Die Leutchen sitzen zum Teil auf den Fensterbänken der Geschäfte, um sich auszuruhen.“ Nicht jeder schaffe es mehr, die mindestens zehn Minuten auf die nächste Bahn zu warten. Deswegen habe man demonstrativ eine Bank, die aus privaten Spenden finanziert wurde, aufgestellt. „Die Menschen nehmen das Angebot wirklich sehr dankbar an“, ergänzt sie Jörg Vierhaus, von der GWA Ostelbien.

Gartenbank ist keine Lösung

Da die grüne Gartenbank aber auf Dauer keine Lösung ist, versuchen die GWA Mitglieder schon länger über die Stadtverwaltung Magdeburg eine bessere Lösung zu erreichen. Bisher ohne Ergebnis.

Dafür gibt es laut Verwaltung verschiedene Gründe. Baudezernent Dieter Scheidemann erklärte, dass ein grundhafter Ausbau der Haltestelle „Am Cracauer Tor“ vorerst nicht angedacht sei. Das liege daran, dass diese im Zuge des Ersatzneubaus „Strombrückenzug“ ausgebaut werden soll. Dann sollen die Fahrgäste eine barierrefreie Haltestelle erhalten.

Alle Haltestellen werden geprüft

Bei der Simonstraße gestaltet sich die Problematik schon schwieriger. Hier ist das größte Problem die Breite der Fußwege. Diese sind zu schmal für eine Bank und einen Unterstand. Jedoch wolle die Verwaltung trotzdem Maßnahmen prüfen. In dem Schreiben vom 26. Februar 2019 heißt es dazu, dass man in Kürze zusammen mit den Magdeburger Verkehrsbetrieben eine Erfassung aller Haltestellen im Stadtgebiet veranlassen wolle. Diese soll vorrangig klären, welche Haltestelle nicht barrierefrei sind, daraus werde man dann eine Prioritätenliste erarbeiten, welche die Dringlichkeit des Ausbaus klären soll.

Abschließend erklärt Scheidemann, dass ein Ausbau erst möglich sei, wenn die Straße und der Gleiskörper in der Cracauer Straße grundhaft umgebaut werde, dann könnten auch rein theoretisch die Fußwege breiter ausfallen und demzufolge, auch Unterstände aufgestellt werden.

Ausbau dauert Jahre

Das werde aber noch viele Jahre dauern. Auch den MVB sind die Hände gebunden. Zwar befürworten diese prinzipiell den Bau von Wartehallen an den Haltestellen, jedoch unterliegen die MVB einem Vertrag mit der Firma Stroer.

Diese Firma betreibt im Auftrag der Verkehrsbetriebe die Haltestellen in der Stadt. Für Wartehallen gibt es demnach ein Kontingent, jedoch ist dieses bereits ausgeschöpft.

Sitzbank wird zur Chefsache

Am 27. Mai 2019 hat sich OB Lutz Trümper der Problematik angenommen und diese zur Chefsache erklärt. Die GWA-Mitglieder hatten sich an ihn gewandt und um einen Termin gebeten.

Trümper schaute sich die Situation an. „Das ist hier tatsächlich ganz schön eng“, war seine erste Reaktion. Zuvor hatte er sich bereits die Haltestelle stadtauswärts an der Simonstraße angesehen. Hier steht gar keine Bank. Auf der gegenüberliegenden Seite ließ er sich dann erklären, was sich die Anwohner wünschen. Die Tatsache, dass die kleine Bank durchaus Platz auf dem schmalen Weg hat, schien ihm durchaus zu imponieren. „Ich denke wir können hier eine Lösung finden“, so Trümper.

Lutz Trümper lässt Varianten prüfen

Eine fest verankerte Bank aus Metall wäre schon eine erste mögliche Lösung. Er wolle dies prüfen lassen. Während er auf der Gartenbank sitzt, gibt er bereits einen kleinen Lichtblick: „Wir werden die Problematik prüfen und uns nächste Woche äußern. Vielleicht habe ich dann auch schon gute Nachrichten.“ Auch die Möglichkeiten für einen Unterstand wolle er prüfen lassen.

Zum Beispiel gibt es die Möglichkeit, ein kleines Dach an der angrenzenden Gebäudemauer zu verankern und auf die Seitenwände zu verzichten. Für Brigitte Otte und Jörg Vierhaus ist der Besuch von OB Trümper bereits ein kleiner Erfolg. „Ich denke schon, das wir endlich ernst genommen werden“, so Otte. Vielleicht könne man schon in geraumer Zeit endlich an der Haltestelle Simonstraße ganz normal sitzen und nicht mehr im Regen stehen.