Magdeburg l 320.000 Euro für die Haltestelle Neustädter Friedhof und 260.000 Euro für die Haltestelle Westfriedhof – so viel soll die Schaffung einer provisorischen Barrierefreiheit an den Straßenbahnstationen ab 2020 in Magdeburg kosten. Einstimmig hat der Bauausschuss dem Stadtrat empfohlen, den Weg für die entsprechenden Planungen freizumachen. Die Stadtverwaltung hat die nötige Druckvorlage für die Sitzung am 16. Mai 2019 vorbereitet.

Bei aller Einmütigkeit im Bauausschuss: Diskussionsbedarf gab es in dem Gremium dennoch. Denn ursprünglich hatte sich das Vorhaben sehr viel schöner angehört. Statt mehr als einer Viertelmillion Euro pro Haltestelle hatten die Initiatoren des Vorschlags gehofft, dass 50.000 Euro pro Haltestelle reichen.

Erste Haltestelle kostete nur 50.000 Euro

Der Anlass für diese trügerische Hoffnung: Wegen der Tunnelbaustelle war die Haltestelle Adelheidring für den Straßenbahnverkehr hergerichtet worden. Und ebendort hatten Arbeiter die Fahrbahn für 50.000 Euro mit einer Erhöhung versehen, die es Menschen mit Gehbehinderung oder im Rollstuhl, mit Kinderwagen, Rollator oder schwerem Gepäck deutlich vereinfacht, in die Straßenbahnen zu gelangen.

Auf Initiative der SPD-Ratsfraktion war daraufhin eine ganze Liste von Haltestellen zusammengestellt worden, wo mit entsprechenden Investitionen bis zum endgültigen Ausbau der Haltestellen für Barrierefreiheit gesorgt werden soll.

Adelheidring war besonderer Fall

Die Begründung aus der Stadtverwaltung Magdeburg für die Kosten, die um das Fünf- bis Sechseinhalbfache über denen am Adelheidring liegen: Hier sind die Arbeiten aufwendiger als am Adelheidring. Zwar werden die Gleisanlagen in beiden Fällen nicht verändert. Aber an beiden Stellen gibt es ein ganz anderes Verkehrsaufkommen, das untersucht und berücksichtigt werden müsse.

Auch müssten hier alle Türen der Niederflurbahnen – nicht wie am Adelheidring nur eine Tür – barrierefrei nutzbar sein. Zudem, wie der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann nachschob, konnten die Arbeiten dort geschickt in die ohnehin für den Tunnelbau notwendigen Vorhaben eingepasst werden.

Nennung der Kosten "nicht fair"

Die Abweichung der Kosten führt zu Zähneknirschen bei den Initiatoren: Als der Antrag seinerzeit eingestellt wurde, habe man die Summe von 50.000 Euro im Hinterkopf gehabt. Wenn jetzt im Bauausschuss darauf verwiesen werde, dass die zu erwartenden höheren Kosten im Finanzausschuss bereits genannt worden seien, dann sei das „nicht fair“, so Bauausschussvorsitzender und SPD-Stadtrat Falko Grube.

Die Hoffnung von CDU-Stadtrat Reinhard Stern, dass das Provisorium für den Westfriedhof beim geplanten Ausbau der Großen Diesdorfer Straße weiter genutzt werden könne, wurde seitens der Verwaltung zerschlagen: Da beim Ausbau der Großen Diesdorfer Straße auch die Abstände der Gleise verändert würden, werde dies wohl kaum möglich sein.

Magdeburg kann Fristen nicht halten

Dass der Bauausschuss trotz der unerwartet hohen Kosten zustimmte, hat einen einfachen Grund: Dass in Sachen Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr gehandelt werden muss, ist vom Gesetz vorgegeben. Die Fristen dazu wird Magdeburg wie die meisten anderen Kommunen nicht einhalten können. Falko Grube ergänzte: „Und selbst wenn die Große Diesdorfer Straße insgesamt ausgebaut wird, wird das wohl noch so lange dauern, dass von einem Provisorium keine Rede sein kann.“

Das letzte Wort für die beiden nächsten Haltestellen, die mit einem Provisorium barriefrei gemacht werden sollen, hat nun also der Stadtrat. Dieser trifft sich am 16. Mai 2019 zu seiner nächsten Sitzung. Falls bei dieser der Grundsatzbeschluss zum Ausbau der beiden Haltestellen gefasst wird, sollen Gelder für die ersten Arbeiten im Jahr 2020 fließen.