Magdeburg l Es ist ein ungewöhnlich starker Anstieg zum Jahresbeginn. Um knapp sieben Prozent haben die Energiekosten laut Vergleichsportals Verivox über den Jahreswechsel zugelegt. Sprit, Heizung, Strom – alles ist im Jahr 2021 teurer.

Heizöl etwa. Im Vergleich zum Dezember legte der Preis im Januar um stolze zwölf Prozent zu. Bei Gas waren es fünf Prozent. Da laut Verivox mehr Haushalte mit Gas als mit Heizöl heizen, seien die Heizkosten im mengengewichteten Durchschnitt um 7,2 Prozent gestiegen. An der Tankstelle haben sich die Durchschnittskosten um rund zehn Prozent erhöht. Beim Strom ergebe sich ein Plus von 2,5 Prozent. Bezogen auf die gesamten Energiekosten spricht Verivox vom stärksten Anstieg innerhalb eines Monats in den vergangenen zehn Jahren.

Was bedeutet das für einen Haushalt? Verivox legt dazu ein Rechenbeispiel vor. Die Grundlage ist ein Drei-Personen-Musterhaushalt mit einem jährlichen Wärmebedarf von 20 000 Kilowattstunden (kWh), einem Stromverbrauch von 4.000 kWh und einer jährlichen Fahrleistung von 13 300 Kilometern. Demnach lagen die gesamten Energiekosten für einen Musterhaushalt im Dezember 2020 bei 3429 Euro pro Jahr. Im Januar 2021 habe die gleiche Menge Energie bereits 3665 Euro gekostet. Die Beispielfamilie hatte also nach dem Jahreswechsel 236 Euro weniger in der Tasche, nur aufgrund gestiegener Energiekosten.

CO2-Abgabe steigt bis zum Jahr 2025 weiter an

Die Gründe für diesen Anstieg sind vielschichtig. Klar ist, dass Steuern und Abgaben bei diesem Preissprung eine starke Rolle gespielt haben. Die befristete Mehrwertsteuersenkung ist ausgelaufen. Im zweiten Halbjahr 2020 war sie als Reaktion auf die einbrechende Konjunktur von 19 auf 16 Prozent gesenkt worden.

Ein weiterer wichtiger Grund ist die eingeführte CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe. Bund und Länder hatten sich darauf verständigt, den CO2-Preis ab Januar 2021 auf zunächst 25 Euro pro Tonne festzulegen. An der Tankstelle verteuerte sich damit der Liter Super-Benzin um rund acht Cent. Beschlossen ist außerdem, dass die CO2-Abgabe in den kommenden Jahren schrittweise steigen wird. Im Jahr 2025 soll der Preis bei 55 Euro pro Tonne liegen.  

Auch der Strompreis wird von der Klimaschutzpolitik getrieben. Allein die EEG-Umlage macht laut Verivox in diesem Jahr rund 22 Prozent des Preises aus. Mit der Umlage (EEG steht für Erneuerbare-Energien-Gesetz) soll der Ausbau Erneuerbarer Energien angeschoben werden. Darüber hinaus hingen weitere Abgaben mit der Finanzierung der Energiewende zusammen, betont Joachim Weimann, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Uni Magdeburg. So werde auch der Netzausbau über Entgelte finanziert.

Tatsächlich setzt sich der Strompreis laut Verivox zum größeren Teil aus Steuern und Abgaben zusammen. In diesem Jahr liegt der Anteil von EEG-Umlage, weiteren Abgaben und Steuern laut dem Verbraucherportal bei rund 54 Prozent.

Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Energien

Der Stromanteil aus erneuerbare Energien ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Wie Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts errechnet haben, erhöhte sich der Anteil beim Strommix 2020 von 46 Prozent auf 50,5 Prozent.

Weimann erwartet, dass die EEG-Umlage bald deutlich höher ausfallen wird. „Die Umlage ist gekoppelt an den Strompreis an der Börse“, betont Weimann. „Sie füllt für den Stromerzeuger, etwa dem Besitzer einer Windkraftanlage, die Lücke zwischen den Produktionskosten und dem Verkaufspreis“, erläutert Weimann. Da die Stromnachfrage im vergangenen Jahr durch die Corona-Einschränkungen niedriger ausgefallen sei und den Strompreis gedrückt habe, müsse ein größerer Betrag mit der EEG-Umlage ausgeglichen werden. „Die Lücke ist größer, wenn der Preis an der Strombörse kleiner ist“, betont Weimann. „Wir benutzen den Strompreis, um damit Klimapolitik zu machen“, sagt der Professor.

Für die Zukunft sieht der Volkswirtschaftler zwei Trends, die für die Energiekosten entscheidend seien. Zum einen der Trend zur Elektrifizierung, maßgeblich angeschoben durch die Verkehrswende mit dem Ausbau der Elektromobilität. „Wir erhöhen die Nachfrage durch Elektroautos und legen Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke still“, verdeutlicht Weimann. Er ist skeptisch, dass am Ende genügend Strom aus erneuerbaren Energien produziert werden kann. „Das wird zu massiven Problemen führen“, sagt er.

Zum Zweiten ist laut Weimann entscheidend, welche Rolle grüner Wasserstoff zukünftig in Deutschland spielen werde. Die Herstellung von Wasserstoff ist energieaufwendig, geschieht das mit erneuerbaren Energien, sind viele Windräder und Solarparks nötig. Weimann hält deshalb nichts von der Idee, in Deutschland eine große Wasserstoff-Industrie aufzubauen. Es sei sinnvoller, das in Ländern mit höherer Sonneneinstrahlung oder mit mehr Platz für Windparks zu tun, sagt er.

Strompreis nirgendwo so hoch wie in Deutschland

Schon im vergangenen Jahr stand Deutschland im internationalen Vergleich bei den Strompreisen an der Spitze. Laut Statista kostete die Kilowattstunde im vergangenen Frühjahr hierzulande durchschnittlich 32 Cent. In Frankreich waren es lediglich 18 Cent, in den USA sogar nur zwölf Cent. In China nur sieben Cent.

Beim Öl erlebt die Welt im vergangenen Jahr einen deutlichen Nachfragerückgang. Und noch immer hinke sie hinter dem Vorkrisenniveau zurück, sagt Klaus-Jürgen Gern, Rohstoffexperte am Kieler Institut für Weltwirtschaft. Dass der Ölpreis zuletzt trotzdem gestiegen ist, begründet er vor allem mit den Absprachen der ölfördernden Staaten. So sei die Förderung im vergangenen Jahr massiv eingeschränkt worden.

In der Vergangenheit haben sich die Staaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) sowie Russland oft nicht an die Absprachen gehalten. Staaten verkauften einfach mehr Öl, wenn sie Geld brauchten. So fielen am Ende die Preise für alle. „Nun haben sich die Staaten überraschenderweise strikt an die Produktionsmengen gehalten“, sagt Gern. Zusätzlich habe Saudi-Arabien die Förderung um eine Million Barrel am Tag gesenkt. Das entspricht in etwa einem Prozent der weltweiten Öl-Förderung.

Ölpreis in neun Monaten verdreifacht

Aktuell liegt der Preis für einen Barrel (159 Liter) der Rohöl-Sorte Brent bei etwas mehr als 60 Dollar. Das ist in etwa genauso hoch wie vor einem Jahr. Allein in den vergangenen drei Monaten legte der Ölpreis um 20 Dollar zu. Im vergangenen Frühjahr war er zeitweise bis auf 20 Liter abgesunken.

Maßgeblich für den steigenden Ölpreis war zuletzt außerdem die sich vielerorts erholende Wirtschaft. „Die Pandemie beschäftigt uns zwar noch, weltweit gesehen ist die Konjunktur aber schon wieder angesprungen“, sagt Weimann. Auch durch die Impfkampagnen seien die Erwartungen positiv. Sollte es in den kommenden Monaten so weiter gehen, wird der Ölpreis nach Ansicht vieler Experten weiter steigen. Sowohl Weimann als auch Gern gehen von einem leichten Anstieg in den kommenden Wochen aus.

Die beiden Wirtschaftswissenschaftlicher sind sich auch einig darin, dass ein deutlicher Preissprung wie in den vergangenen Monaten langfristig nicht erneut zu erwarten ist. „Die Klimapolitik drückt den Preis sehr nach unten“, betont Weimann. Preise von 100 Dollar je Barrel werde es langfristig nicht mehr geben, sagt er. Der Wirtschaftswissenschaftler rechnet nicht damit, dass die Nachfrage nach Öl das Vorkrisenniveau überhaupt wieder erreicht.

Der Kieler Ökonom Gern sieht viele Ölproduzenten in den kommenden Jahren mit einem Dilemma konfrontiert. Länder mit großen Ölreserven wollen ihr Öl einerseits verkaufen, solange es noch benötigt wird und der Preis dafür stimmt. Andererseits bedeutet jede Ausweitung des Angebots einen Preisverfall.

Erschwerend komme hinzu, dass durch die Wiederaufnahme vieler Ölförderstätten in den USA ohnehin mehr Öl verfügbar sein werde. „Die USA haben zuletzt unter dem Preisverfall am meisten gelitten“, sagt Gern, „die dortigen Ölfirmen haben teils dramatische Verluste gehabt“. Mit dem nun steigenden Ölpreis würde die Förderung im Fracking-Verfahren wieder attraktiver.