Lebensgeschichte

Hella Schwenkenbecher berichtet heute als Zeitzeugin im Technikmuseum Magdeburg über ihre Arbeit bei Sket

Die Ur-Magdeburgerin Hella Schwenkenbecher hat mehrere Jahre im Sket als Kranführerin gearbeitet. Die Anstellung dort war allerdings eher aus der Not heraus geboren, denn sie brauchte einen Krippenplatz und die waren zu DDR-Zeiten rar. Heute führt sie mit der Otto-von-Guericke-Universität ein Zeitzeugengespräch.

Von Jasmin Teut
Hella Schwenkenbecher lebte fast ihr ganzes Leben in Magdeburg. Nach 82 Jahren ist sie in die Nähe von Bonn gezogen.
Hella Schwenkenbecher lebte fast ihr ganzes Leben in Magdeburg. Nach 82 Jahren ist sie in die Nähe von Bonn gezogen. Foto: privat

Magdeburg - Hella Schwenkenbecher hat mit ihren stolzen 84 Jahren einiges zu erzählen. Vor allem von ihrer Arbeit als Kranführerin im Schwermaschinenbau-Kombinat „Ernst Thälmann“ (Sket) in Magdeburg. Deshalb wird sie heute im Technikmuseum als Zeitzeugin sprechen.

82 Jahre hat Hella Schwenkenbecher in Magdeburg gelebt und ist in Wilhelmstadt (heute Stadtfeld-Ost) aufgewachsen. Dann ist sie zu ihrer Tochter in die Nähe von Bonn gezogen. Ihre Wohnung und ihr Leben in Magdeburg aufzugeben, ist ihr sehr schwergefallen, erzählt sie im Gespräch mit der Volksstimme. Schließlich hat sie schon immer dort gewohnt und viel erlebt. Mit 17 Jahren hat sie ihre Ausbildung als Malerin bei VEB (K) Ausbau Magdeburg (heute A&Z Malerei) begonnen. Anschließend hat sie bei den Pfeifferschen Stiftungen als Malerin gearbeitet, bis ihr erstes Kind 1957 zur Welt kam. „Ich brauchte eine Arbeitsstelle mit Krippenplatz“, sagt sie. Und da hat sich das Sket angeboten, denn dort sei noch ein Platz frei gewesen. „Für mich war das komplettes Neuland“, erzählt Schwenkenbecher. Wie man einen Kran bedient? Keine Ahnung. Doch die damals 21-Jährige fand sich schnell zurecht und war erstaunt, dass sie die Kranführung so schnell begreifen konnte. Auch ihre Prüfung verlief problemlos. Den Prüfer, der mit im Kran saß, habe sie dabei völlig vergessen, erzählt sie. „Ich musste mich ja konzentrieren, denn unten waren Menschen.“ Ihre Aufgabe: Ein fünf Meter langes Blech, das hinten breit und vorne spitz zuläuft, absetzen. Gar nicht so leicht, dabei das Gleichgewicht zu halten. „Stück für Stück habe ich es dann abgesenkt“, sagt sie weiter.

Baubranche hat die ehemalige Kranführerin immer begleitet

Zusammen mit zwei weiteren Frauen und zwei Männern arbeitete sie sieben Jahre als Kranführerin beim Sket. Wenn die 84-Jährige von ihrer Arbeit erzählt, blüht sie auf. „Wir hatten einen Brenner für die Schablonen und unten waren die Schlosser zum Schweißen.“ Mit ihrem Kran hat sie die Bauteile von A nach B transportiert, und zum Schluss rollte die Bahn an und holte die Teile ab, erklärt sie. Dass sie als Frau dort gearbeitet hat, war kein Problem, denn das sei üblich gewesen. Außerdem komme sie sowieso besser mit Männern zurecht als mit Frauen, verrät sie. „Ich bin auf dem Bau groß geworden und hatte immer Respekt vor allen und dadurch sind auch alle respektvoll mit mir umgegangen.“

Sieben Jahre hat sie beim Sket gearbeitet.
Sieben Jahre hat sie beim Sket gearbeitet.
Foto: privat

1964 war für sie ein ereignisreiches Jahr, denn ihre Mutter verstarb, sie selbst heiratete und ihre Tochter kam zur Welt. In diesem Jahr hörte sie auch auf, beim Sket zu arbeiten. Ebenfalls wieder wegen eines Krippenplatzes arbeitete sie zwischenzeitlich in der Großküche, die die Arbeiter auf dem Bau des Wohnungsbaukombinats Magdeburg verpflegt hat. Den Beruf als Malerin hat sie aber nicht an den Nagel gehängt und war später wieder auf dem Bau unterwegs, bevor sie bis zu ihrem Vorruhestand mit 55 Jahren in einer Poststelle tätig gewesen ist.

Obwohl Hella Schwenkenbecher so einige Berufe ausgeübt hat, die Baubranche war immer ein stetiger Begleiter. „Ich war bei jedem Job mit Leib und Seele dabei“, sagt sie. Sie hat in ihrem Leben viele Höhen und Tiefen erlebt, doch sie selbst sagt, dass sie kein einziges Jahr missen möchte. Heute kehrt die 84-Jährige zurück nach Magdeburg ins Technikmuseum. Dahin zurück, wo sie einst den tonnenschweren Kran geführt hat. Dort wird sie noch einmal in ihrer alten Halle stehen dürfen und Vertretern der Universität ihre Geschichte erzählen.