Magdeburg l Seitdem die Volksstimme davon berichtet hat, dass die Stadtsparkasse Magdeburg mit der Schließung ihrer Geschäftsstelle am Hopfenplatz im zweiten Quartal 2019 den Verkauf ihres verbliebenen Anteils an der Gewerbeimmobilie plant, wird über die Zukunft des zentralen Platzes im Hopfengarten diskutiert.

Mit dem Immobilienunternehmen Schrader Haus, das 2014 den Bereich des früheren Restaurants und Supermarktes erworben hat, brachte sich ein Interessent bereits in Stellung. Dessen geschäftsführender Inhaber Mike Schrader war am 14. November 2018 bei der Gemeinwesenarbeitsgruppe (GWA) zu Gast, nachdem eine Bürgerinitiative binnen drei Wochen 1299 Unterschriften gesammelt hat, um der Stadt Magdeburg ihren Wunsch nach Erhalt des Platzes als zentrale Anlaufstelle zum Austausch und zur Versorgung zu verdeutlichen. Ein Überblick über die Situation:

Der Investor
Dem Grundtenor im Stadtteil, dass sich etwas tun muss am Hopfenplatz, schloss sich Mike Schrader an. „Auch wir sind unzufrieden mit dem Zustand und möchten die Entwicklung vorantreiben“, so der Unternehmer. „Unverschämtheit“, „Science-Fiction“, „Kapitalist“, lauteten einige Reaktionen auf die Vorstellung, einen mehrgeschossigen Neubau mit Tiefgarage, Mietwohnungen und Gewerbezeilen anzustreben. Wobei einige der Anwesenden davon ausgegangen sind, dass der Platz öffentlich ist – er sich allerdings seit den 1990er Jahre in Privatbesitz befand und seit der Übernahme der Anteile des insolventen Unternehmens „Multikauf“ die Sparkasse bis 2014 alleiniger Eigentümer war.

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Mit dem Kauf des restlichen Sparkassen-Anteils wolle das Unternehmen die Voraussetzung für eine Neubebauung schaffen. Denn: „Der Zustand des Gewerbebaus ist so schlecht, dass aus wirtschaftlicher Sicht nur ein Abriss infrage kommt“, so Schrader, der auch verdeutlichte, nicht zum „Verhandeln gekommen“ zu sein.

Dass er den Wunsch der Anwohner nicht nur „zur Kenntnis nehme“, wie er sagte, sondern auch darauf reagiert, zeigte sich an einem neuen Entwurf, der u. a. die Verlegung des Zugangs der Tiefgarage („Sie ist aufgrund der Auflagen der Stadt unausweichlich“) vorsieht und mehr Grün ausweist. Ein Versprechen darüber, den Platz weiterhin zugänglich zu lassen, konnte Schrader nicht abgeben, „weil uns die Fläche noch nicht komplett gehört“.

Er betonte aber auch, nie gesagt zu haben, dass er den Platz abschließen wolle. Etwas hemdsärmelig zeigte sich der Unternehmer zu Beginn seiner Ausführungen, als er sagte, dass er als Eigentümer nicht verpflichtet sei, die Parkplätze unentgeltlich vorzuhalten und dass er seinen Anteil des Platzes auch abriegeln könnte. „Wir würden Sie reagieren, wenn jemand zu Ihrem Haus kommt und fordert, Ihr Grundstück nutzen zu können?“, fragte er.

Die Stadt Magdeburg
Unter bestimmten Voraussetzungen hat die Stadt ein sogenanntes gemeindliches Vorkaufsrecht, das für den Hopfenplatz auf Anfrage der Volksstimme geprüft wurde. Im Falle des Hopfenplatzes sei dieses „definitiv ausgeschlossen“, so Stadtsprecher Michael Reif. Keine der geforderten Bedingungen sei erfüllt. Er verweist auf einen rechtsverbindlichen Bebauungsplan, ein per Satzung förmlich festgesetztes Sanierungs-, Entwicklungs- oder Erhaltungssatzungsgebiet, ein förmlich festgesetztes Umlegungsgebiet oder ein Vorranggebiet zur Errichtung von dringend benötigtem Wohnraum, das laut Paragraf 24 des Baugesetzbuches (BGB) gefordert wird. Und: Ein gesondertes Vorkaufsrecht der Gemeinde und des Landes sieht zudem das Denkmalschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt vor.

Die Bürgerinitiative
Nach Ansicht von Knut Petsche vom Siedlerverein der Spaßvogelsiedlung ist eine Tiefgarage am Standort Hopfenplatz aufgrund der Problematik des Oberflächenwassers nicht machbar. „Es wird schwer, die eigenen Pläne und die Vorstellungen der Bürger in Einklang zu bringen“, so sein Fazit. Dieter Förster vom Siedlerverein „KMS 1932“ sieht ein Problem in dem Etagenbau, der „einen Blick auf die Teller der Anwohner“ ermöglicht. Wobei der langjährige Sprecher der GWA den Einsatz von Schrader Haus ausdrücklich begrüßt. „Stillstand hat es hier viel zu lange gegeben. Egal wie gebaut wird – die Versorgung muss weiterhin möglich sein.“ Tino Kuppert, ebenfalls vom GWA-Sprecherrat und Vorsitzender der Spaßvogelsiedlung, sieht den neuen Entwurf positiv: „Damit wird uns die Angst genommen, dass der Platz komplett zugebaut wird und verschwindet.“

Die Anwohner / Bewohner
Wertet man die Wortmeldungen aus, waren die ca. 50 Teilnehmer der öffentlichen Runde zum Thema Hopfenplatz hin und her gerissen. Die einen fürchten einen zunehmenden Verkehr durch die zusätzlichen Bewohner und den Verlust der Ärzte und des Kiosks von Anke Kolditz und des Stands von Mary Bork auch unter dem Aspekt, dass diese als Treffpunkt und zum Austausch von Neuigkeiten aus dem Stadtteil genutzt werden.

Schrader sagte, mit einigen von ihnen bereits in Kontakt zu stehen, um sie zu halten. Andere Bewohner sprachen sich für die Neubaupläne aus, „damit der Platz als Stadtteilzentrum erhalten bleibt. Wie man derzeit einen Arzt mit älteren Patienten in einer oberen, nicht barrierefreien Etage ansiedeln konnte, ist unbegreiflich. Schrader Haus plant dafür das Erdgeschoss ein, was ich sehr gut finde“, so ein Gast.

Vertreter des Stadtrates
Mit Helga Boeck und Frank Theile (Fraktion Linke für Magdeburg/LfM), Frank Schuster (CDU) und Monika Zimmer (Die Linke) brachten sich vier Stadträte in die Runde ein. Theile und Schuster sagten zu, die Baupläne generell unterstützen zu wollen, sehen in Details aber Diskussionsbedarf. Monika Zimmer verwies auf eine Anfrage an die Stadt, den Hopfenplatz als Flächendenkmal einrichten zu lassen. Allerdings: Die Verwaltung hatte dieses Vorhaben zurückgewiesen, weil der Platz die nötigen Anforderungen des Landesamtes nicht erfüllt.