Magdeburg l Das Schicksal des früheren Veranstaltungshauses „Klubhaus junger Talente“ an der Erich-Weinert-Straße in Magdeburg ist eigentlich bereits seit einiger Zeit besiegelt. Der Eigentümer will das Gebäude mit Hilfe von Fördermitteln abreißen und das Grundstück neu bebauen.

So lautete zumindest der Plan. Doch der Abriss hätte bis Jahresende 2020 beginnen müssen, damit die bereits bewilligten Fördermittel nicht verfallen. Passiert ist das aber nicht. Zudem hatte die Stadtverwaltung auf Anfrage erklärt, dass die vom Eigentümer angestrebte Wohnbebauung „nach aktueller Aktenlage“ baurechtlich nicht zulässig sei.

Unterschriften gesammelt

Diesen Sachverhalt nahm nun die Stadtratsfraktion von Gartenpartei/Tierschutzallianz zum Anlass, einen erneuten Rettungsversuch für das „Talente“ zu starten. Denn schon 2017, als es um die Freigabe der Fördermittel durch den Stadtrat ging, hatte die Gartenpartei eine Kampagne gestartet, um das Haus vor dem Abriss zu bewahren.

Denn viele Magdeburger haben gute Erinnerungen an dort erlebte Veranstaltungen. Zu DDR-Zeiten war das „Klubhaus Junger Talente“ der größte Jugendtreff der Stadt. Im Haus neben dem Amo-Kulturhaus fanden Rockkonzerte und Diskotheken statt, hier probten Bands und Tanzgruppen oder es trafen sich Arbeitsgemeinschaften. Nach 1990 wurde das Haus geschlossen und 1999 verkauft.

Zur Bewahrung des Traditionshauses wurden auch Unterschriften gesammelt, jedoch ohne Erfolg.

Kein Denkmalschutz

Ende 2019 gab es den zweiten Antrag der Fraktion. Diesmal sollte das „Talente“ unter Denkmalschutz gestellt werden, um den Abriss doch noch zu verhindern. Aber auch dieser Versuch scheiterte am Widerstand der Ratskollegen. Nun also der dritte Anlauf, der – angesichts überraschender Ratsentscheidungen in der jüngeren Vergangenheit – möglicherweise bessere Chancen hat als die beiden vorigen Versuche.

Das Ansinnen der Ratsfraktion ist klar definiert: Die Stadt soll das Gebäude über 20 Jahre nach dem Verkauf an einen Magdeburger Immobilienunternehmer wieder von ihm zurückkaufen. Anschließend soll es mit Eigenmitteln saniert und wieder genutzt werden. Wofür, lässt der Antrag jedoch offen.

Teil der Kulturgeschichte

Der ausgebliebene Abrissbeginn und die schlechten Chancen für die Wohnbaupläne seien Grund genug für diesen Schritt, argumentieren die Unterzeichner. „Das Haus, in welches nicht unerhebliche öffentliche Fördermittel geflossen sind, verwahrlost immer weiter“, heißt es weiter. Dabei stelle das „Talente“ für die Magdeburger „einen hohen gesellschaftlichen und kulturellen Wert dar und für die Stadt einen gewichtigen Teil ihrer Kulturgeschichte“.