Magdeburg l Neun Jahre ist es mittlerweile her, dass die alte Hafenmühle in Magdeburg lichterloh in Flammen stand. Von „heißem Abriss“ und „Spekulanten“ war damals die Rede. Doch die Ruine steht unverändert, geschehen ist bis heute nichts. Seit einiger Zeit wird aber an der Villa am Eingang zum ehemaligen Firmengelände gearbeitet. Sind diese Arbeiten Vorboten für die Sanierung des gesamten Objekts?

Diese Frage müssen Tino und Nicole Dalichow leider verneinen. „Wir haben nur die frühere Direktorenvilla erworben“, sagen sie. Der vorige Eigentümer, ein Magdeburger Verein, wollte das Objekt mangels Eigenbedarf loswerden. Das Paar, das wenige Meter entfernt das „Elbquartier“ betreibt, hat die Chance genutzt, das denkmalgeschützte Gebäude zu erwerben. „Wir hatten schon eine Weile ein Auge darauf geworfen“, sagt Nicole Dalichow. Als es dann im Schrottimmobilien-Register der Stadt auftauchte, schlugen sie zu.

Sechs Wohnungen entstehen hier

Statt wie in ihrem anderen Objekt kurzzeitig zu vermietende Ferienappartements planen sie in der Villa des Gründers der Magdeburger Hafenmühle, Hermann Bergmann, sechs Wohnungen. Allerdings werden zwei der Einheiten als möblierte Wohnungen vermietet, mit einer Mindestdauer von drei Monaten. „Das wurde zum Beispiel immer wieder von Geschäftsleuten oder Fußballern angefragt“, sagt Tino Dalichow. In diesem Bereich habe Magdeburg noch Nachholbedarf, meint er.

„Wir haben unsere Liebe entdeckt, alte Immobilien wieder zum Leben zu erwecken“, sagt Nicole Dalichow. Damit sind sie bei der Direktorenvilla genau richtig. Wohl um 1910 entstanden, stand das Gebäude seit gut 20 Jahren leer und war dem Vandalismus überlassen. Dächer und Decken mussten entsprechend komplett erneuert werden. Dabei konnten sie sich nicht auf alte Unterlagen verlassen, da die Bauakten des Gebäudes verschollen sind.

1908 Mühle gegründet

Fest steht nur: 1908 hatte Hermann Bergmann seine Hafenmühle in der Hafenstraße gegründet. Zunächst wurde Weizen- und Roggenmehl gemahlen, nach der Aufnahme in die Magdeburger Mühlenwerke wurde Hartgrieß produziert.

Den veränderten Gegebenheiten tragen sie Rechnung, indem jeder Stellplatz eine eigene Elektroladestation erhalten wird, wie Tino Dalichow erklärt. „Wir sind gespannt, wie es angenommen wird.“

Hoffen auf Investition

Was die Mühle selbst angeht, hoffen die beiden Bauherren verständlicherweise auf eine Investition, um ihren neuen Mietern den Anblick auf eine Ruine zu ersparen. Wohnen sei dort aber rechtlich nicht möglich, sondern nur Gewerbe, wie sie sich informiert haben. Der Lärmschutz verhindere Wohnungen.

Tino Dalichow hat derweil noch größere Visionen für „seinen“ Stadtteil. „In anderen Städten sind große Aquarien immer am Wasser. Warum kommt das vom Zoo geplante Großaquarium also nicht in den Wissenschaftshafen“, meint er. Platz genug gäben die alten Speicher her.