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In Magdeburger Zitadelle zieht bald Leben ein

Letztes Zeugnis der Magdeburger Zitadelle ist ein früheres Offizierswohnhaus. Nach Unterbrechung hat die Sanierung wieder begonnen.

Magdeburg l Keinen guten Eindruck machte in den vergangenen Jahren der Backsteinbau, der als Offizierswohnhaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als letzter Rest der Magdeburger Zitadelle neben dem Strombrückenzug das Bild bestimmt. Langer Leerstand hat dem Gebäude nicht gutgetan, und viele Menschen konnten sich kaum noch vorstellen, dass das Gebäude noch zu retten ist.
Doch im September hatten erste Arbeiten zur Sanierung des Gebäudes begonnen. Diese waren im November aber wieder abgebrochen worden. Grund waren Arbeiten an der Erweiterung des Strombrückenzugs. Trotz der Verzögerung durch ein städtisches Bauprojekt sind die Investoren mit der Zusammenarbeit mit der Stadt zufrieden. Bauherrin Ines Strube gibt so zu Protokoll: „In vielen gemeinsamen Gesprächen konnte durch das strukturierte Eingreifen des Magdeburger Baudezernenten Dieter Scheidemann für unser jeweiliges Problem eine Lösung gefunden werden, mit der alle Beteiligten einverstanden waren.“
Lange hatte es Unwägbarkeiten gegeben: Das Grundstück war nicht vollständig erschlossen, der geplante Neubau des Strombrückenzugs in unmittelbarer Nachbarschaft verzögerte sich, die Art der beantragten Nutzung war noch unklar. Und auch die Nähe zum Messeplatz in Hinblick auf den Schallschutz spielte eine Rolle. 2018 wurde – nachdem die offenen Fragen geklärt waren – die Baugenehmigung erteilt. Bis zum Sanierungsbeginn im September letzten Jahres waren viele Abstimmungsgespräche notwendig. Von der Unteren Denkmalbehörde und dem Liegenschaftsamt über Tiefbau- und Stadtplanungsamt bis hin zum Umweltamt mussten Anträge und Nutzungskonzepte angepasst, Zugangsrechte geklärt und Kompromisse gefunden werden.
Und die denkmalgerechte Sanierung umfasst neben der Aufarbeitung der Klinkerfassade und der geschichtlich getreuen Erstellung neuer Fenster auch den Einbau von modernen Ladestationen für Elektroautos und -fahrräder sowie eine vollbiologische Kleinkläranlage. In diesem Zusammenhang lobt Bauherr Jürgen Spanier die Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalbehörde.
Ein Lob, das Magdeburgs Baudezernent Dieter Scheidemann zurückgibt: „Wir schätzen das Durchhaltevermögen der Bauherren sehr und unterstützen die Sanierungsarbeiten.“ Der geplante moderne Anbau erfolge unter Berücksichtigung der international anerkannten Richtlinie in der Denkmalpflege, der Charta von Venedig. „Nur wenn ein Denkmal genutzt wird, ist sein Bestand gewährleistet. Das geschichtsträchtige Gebäude ist einzigartig an seinem Standort und wird zukünftig ein Schmuckstück am östlichen Elbufer sein“, so Dieter Scheidemann weiter.
Nach der Unterbrechung im November geht es nun also weiter mit der Sanierung. In dem alten Militärgemäuer sollen auf drei Etagen mit je 150 bis 200 Quadratmetern Mietflächen entstehen. Die Investoren hoffen, im Jahr 2022 die Räume übergeben zu können. Geeignet seien die Flächen für Arztpraxen und Kanzleien, aber auch für Mieter von Stadt, Land und Bund. Im Dachgeschoss sind zwei Dienstwohnungen geplant.