Magdeburg l Mit rund 350 Hektar möchte die Stadt Magdeburg zwischen der Autobahn 14 und der Gemeindegrenze zu Wanzleben eine Fläche für industrielle Großansiedlungen schaffen. Zwar steht noch nicht einmal fest, wer genau sich hier unter welchen Bedingungen ansiedeln soll – während der ersten Diskussionen in den Ausschüssen und im Stadtrat hat die Verwaltung aber deutlich gemacht, dass ein solches Angebot für die Stadt sehr wichtig sei.

Das Hauptargument der Stadt: Gerade wenn es um große Ansiedlungen mit vielen Arbeitsplätzen geht, müssen schnell geeignete Flächen zur Verfügung stehen. Unternehmen suchten sich erfahrungsgemäß andere Standorte, wenn vor einer möglichen Investition langwierige Planungsverfahren stehen, womöglich auch Verhandlungen mit mehreren Flächeneigentümern nötig seien.

Mit einer Liste hat die Magdeburger Stadtverwaltung weitere „verlorene Großinvestitionen“ zusammengestellt, deren Initiatoren sich am Ende doch gegen die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt entschieden haben. Die Rede ist allein von Vorhaben, die in den Jahren 2018 und 2019 aktuell waren.

Liste der verhinderten Investitionen

Unter anderem war der Automobilbau ein wichtiges Thema. Genannt werden – verteilt auf zwei Phasen – 100 Hektar für den Bau einer Batteriezellenfabrik und weitere Flächen für den Bau von Elektroautos. Ein Logistikzentrum mit 85 Hektar wäre ebenfalls dem Thema Automobilbau zuzuordnen gewesen. 20 Hektar hätte ein Unternehmen benötigt, das Elektrofahrzeuge montiert. Für ein weiteres Logistikzentrum für Automobile ist von 60 Hektar die Rede.

Weitere Bereiche betreffen den Handel. Die Rede ist von einem Logistikzentrum, das 20 Hektar benötigt hätte, weitere 20 Hektar hätte eine Onlinehändler benötigt, der Möbel und Haushaltswaren vertreibt. Von 18 Hektar Fläche ist für einen weiteren Online-Händler die Rede.

Neben Unternehmen, die derzeit weltweit Mobilität und Logistik thematisieren, gab es weitere Chancen auf Großinvestitionen, bei denen sich Magdeburg nicht gegen andere Standorte durchsetzen konnte. Genannt wird zum Beispiel ein Rechenzentrum, für das 40 Hektar genannt wurden. Für ein weiteres Rechenzentrum wurden 25 Hektar gesucht.

Biotechnologie und nachwachsende Rohstoffe

Zudem hatte ein Investor eine Fläche über 25 bis 30 Hektar benötigt, auf der er aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz, Stroh und Bambus „nachhaltige, werthaltige Endprodukte“ erzeugt werden. Um 20 Hektar ging es einem Unternehmen, das aus Holz und Papier Hygieneartikel herstellt. Eine Firma aus dem Bereich Biotechnologie und Pharmazeutik suchte 20 Hektar zur Extraktion von Inhaltsstoffen aus Mikroalgen. Dazu sollte auch eine Mikroalgenfarm gehören.

Ein Unternehmen der Chemie­industrie wollte auf 20 Hektar Polyacrylamid und weitere Chemikalien herstellen. Um 30 Hektar ging es bei einem Hersteller von Medizintechnik. Weitere Flächen über mehr als 130 Hektar hatten Projektentwickler im Blick.

Harter Wettbewerb um Investoren

Beim Werben um große Investoren steht Magdeburg regelmäßig in einem harten Wettbewerb mit anderen Standorten. Neben den geeigneten Flächen ist die Erreichbarkeit des Standorts mit verschiedenen Verkehrsarten ein wichtiges Argument. Zudem geht es um Fördermittel.

Nicht zuletzt aber geht es um die Menschen: Gibt es in der Region bereits potenzielle Mitarbeiter? Inwiefern können Berufsschulen und weitere Ausbildungseinrichtungen, Hochschulen und Universitäten für Nachwuchs sorgen? Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich jene Bereich von Unternehmen, die für Ansiedlungen im großen Stil verantwortlich sind. Falls die Wahl nicht auf einen bestimmten Standort fällt, erfahren die unterlegenen Standorte in den seltensten Fällen, woran es genau gelegen hat, dass gerade sie dieses Mal nicht zum Zuge gekommen sind.

Freie Flächen sind oft schon vergeben

Und warum werden keine vorhandenen Flächen genutzt? Auch wenn sich auf den ersten Blick noch die eine oder andere Industriebrache anbiete – diese sind oft ungeeignet. Einige von ihnen wie das Sket-Nordareal befinden sich so nahe der Wohnbebauung, dass die Ansiedlung vieler Betriebe aus Lärmschutzgründen kaum möglich ist. Gerade im Bereich von Wohnbebauung sorgen wirtschaftliche Verkehrsströme für Diskussionen.

Im Gewerbegebiet Nord hingegen sind inzwischen die großen verfügbaren Flächen bereits verkauft. So sie nicht bereits bebaut werden, laufen bei den Investoren dazu die Planungen In den letzten Jahren hatten einige Großinvestitionen, die nicht nach Magdeburg gekommen sind, für Schlagzeilen gesorgt. Namhafte Beispiele waren Otto, längst ansässig in Haldensleben, und BMW, inzwischen ein wichtiger Arbeitgeber in Leipzig.