Magdeburg l 11.15 Uhr auf dem Pausenhof des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Magdeburg. Statt üblichem Signal zur Pause laute Musik mit viel Bass-Rhythmus. Das soll die Schüler ins Freie locken, vor allem die 70 von ihnen, die hier 2018 ihr Abitur ablegen werden.

Zu einer „Hofpause mit Studentenfutter“ haben gemeinsam die Hochschule Magdeburg-Stendal und die Otto-von-Guericke-Universität eingeladen. Mit Info-Ständen werben Magdeburgs Top-Bildungseinrichtungen bei den Schülern für sich. Klares Ziel: so viele Abiturienten wie möglich für ein Studium in Magdeburg zu interessieren.

Hochschul-Chefs auf dem Pausenhof

Und dafür sind sogar Uni-Rektor Prof. Dr. Jens Strackeljan und seine Hochschul-Kollegin Prof. Dr. Anne Lequy auf den Scholl-Schulhof gekommen. Sie wollen persönlich mit den Schülern plaudern, Nähe zeigen. „Das ist mittlerweile unumgänglich. Die Studierenden kommen nicht mehr einfach von selbst, wir müssen um sie werben“, sagt Jens Strackeljan im Volksstimme-Gespräch.

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Die Uni in Magdeburg benötigt pro Semesterstart im Sommer mindestens 2000 Studienanfänger, im Schnitt sind es jährlich rund 3000. Die Immatrikulations-Quote an der Hochschule liegt bei etwa 1300 Studenten pro Sommersemester. Zum Vergleich: Pro Jahr legen in Sachsen-Anhalt rund 5000 Jugendliche ihr Abitur ab. „Daraus lassen sich unsere Bedarfszahlen und die der Uni nicht decken“, sagt Hochschul-Rektorin Anne Lequy.

Uni und Hochschule werben bundesweit

Darum werben Magdeburgs Uni und Hochschule bundesweit um die Gunst der Abiturienten. Mit einer „Roadshow“ war man zwei Wochen lang in deutschen Städten unterwegs. An 16 Schulen wurde vorgestellt, was man in Magdeburg alles studieren kann und vor allem: Warum es für junge Leute interessant sein könnte, ausgerechnet zum Studieren an die Elbe zu kommen.

Das passiere zum einen natürlich über die Studienangebote. „Das kann aber nicht alles sein, denn Philosophie, Betriebswirtschaft oder Maschinenbau kann man in vielen Städten studieren“, sagt Jens Strackeljan. Es seien die Rahmenbedingungen, mit denen geworben werden müsse. „Beste Ausstattung im Studium, aber auch eine Stadt, die etwas zu bieten hat. Kultur, Freizeit, Arbeitsplätze, auch der 1. FC-Magdeburg gehört dazu.“

Studierende wünschen gute Beratung

Eine gute Betreuung sei für die Studierenden wichtig, ein Campus, der mehr zu bieten habe, als blankes Studieren.

In Gesprächen mit den Scholl-Schülern erfährt Rektorin Lequy, dass die meisten Lehrerinnen und Lehrer werden wollen. „Es gibt aber so viel mehr Studienangebote. Das müssen wir den Schülern zeigen“, sagt die Rektorin. Auch sie ist davon überzeugt, dass ein gutes und interessantes Studienangebot nur „die halbe Miete“ ist, um angehende Akademiker an die Magdeburger Hochschulen zu locken. „Das Leben auf dem Campus ist wichtig für Studierende. Das muss bunt und interessant sein.“

Uni und Hochschule ergänzen sich

Bei ihrem Werben um die Abiturienten kommen sich Uni und Hochschule nicht gegenseitig in die Quere. „Ich denke, beide ergänzen sich sogar sehr gut. Die Uni ist stark in der Grundlagenforschung, die Hochschule in der Praxis. Nach dem Motto: Die Uni entdeckt und erklärt die Probleme, wir arbeiten an der praktischen Lösung, und das auch wissenschaftlich.“

An diesem Vormittag am Scholl-Gymnasium geht es aber erst einmal weniger um Inhalte, sondern um Werbung. „Wenn wir es schaffen, das Interesse der Schüler zu wecken, ist schon viel gewonnen – und wenn es mit einem Schlüsselanhänger, einem Kugelschreiber und einem Info-Heft klappt, das sie mit nach Hause nehmen.“

Lutz Trümper wirbt für Magdeburg

Und noch einer rührte am 5. April am Scholl-Gymnasium bei den Abiturienten die Werbetrommel für Magdeburg: OB Lutz Trümper. Rund 20.000 Studierende in Magdeburg, das ist für das Stadtoberhaupt eine wichtige Größe – wirtschaftlich und kulturell. „Wir brauchen in unserer Stadt viele junge und kreative Menschen“, spricht er die Schüler direkt an.

Rund 465.000 Jugendliche erlangen in Deutschland jährlich ihre Hochschulreife. Um diese müssen die Hochschulen des Landes buhlen. „Es gibt Universitäten, die brauchen einfach aufgrund ihrer klangvollen Namen oder weil sie in Hamburg, München oder Berlin liegen, keine besonderen Anstrengungen zu unternehmen, die bekommen ihre Studierenden-Zahl immer voll“, sagt Prof. Strackeljan. „Magdeburg gehört zu den Städten, die es nicht so einfach haben, darum müssen wir um die Studierenden kämpfen.“