Magdeburg l Behinderte Menschen sind in ihrem Leben überhaupt nicht so eingeschränkt wie viele glauben. Kai-Uwe Zinke wohnt allein und kann trotz seiner Beeinträchtigungen ohne Hilfe leben. Der 32-Jährige führt ein eigenes, ein unabhängiges Leben.

Seit dem Sommer hat er sogar wieder einen Arbeitsplatz. In der Cafeteria der Pfeifferschen Stiftungen arbeitet er in der Küche. Die Cafeteria bietet Menschen mit Behinderung die Chance zu einem ganz normalen Arbeitsalltag. „Unsere Mitarbeiter arbeiten in Schichtdiensten und kriegen ihr tarifliches Gehalt“, erzählt Marc Fesca, Geschäftsführer der Integrationsgesellschaft in den Pfeifferschen Stiftungen. Geöffnet ist täglich zwischen 8 und 18 Uhr, am Wochenende zwischen 13 und 18 Uhr. Die Absicht, eine Cafeteria zu bauen, bestand schon lange. Bis zur Umsetzung dauerte es fünf Jahre.

Sieben neue Arbeitsplätze, darunter auch drei für Menschen mit Schwerbehinderung, konnten geschaffen werden. „Wir haben als Stiftungen dafür extra eine gemeinnützige Integrationsgesellschaft gegründet“, so Marc Fesca. Teil des neuen Inklusionskonzeptes ist es, für Schwerbehinderte sozialversicherungspflichtige Dauerarbeitsplätze zu schaffen.

Unterschiedliche Probleme

Aber dass heute alles so reibungslos läuft, war nicht immer abzusehen. Behinderte Menschen, egal welche Art von Beeinträchtigung sie auch haben mögen, stoßen im Alltag sehr häufig auf ganz unterschiedliche Probleme. Egal ob zu Hause, im Bus, auf der Straße, in einem Restaurant oder in Einkaufsläden. „Doch warum sollten sie deshalb nicht arbeiten dürfen?“, so Fesca.

Die behinderten Menschen, die beruflich (wieder) Fuß fassen, sind so verschieden wie ihre Schicksale oder Krankheiten. Kai-Uwe Zinke will nicht untätig zuschauen, wenn „normale“ Altersgenossen „ganz normal“ einer Beschäftigung nachgehen. Seine Behinderung ist auf den ersten Blick nicht sichtbar, u. a. hat der 32-Jährige Probleme beim Lesen und Schreiben. Auch das Rechnen fällt ihm schwer.

Fast der Traumberuf

Die Arbeit in der Cafeteria kommt seinem Traumberuf sehr nahe. „Ich wollte eine Ausbildung zum Koch machen“, erzählt der Magdeburger, der in seiner Freizeit schon immer gerne am Herd stand. Doch durch seine Behinderung blieb ihm die Ausbildung verwehrt. Acht Jahre arbeitete Kai-Uwe Zinke in der Werkstatt für behinderte Menschen in den Pfeifferschen Stiftungen. Doch irgendwann erfüllte den leidenschaftlichen Hobbykoch die Arbeit nicht mehr. „Ich suchte nach einer neuen Aufgabe“, so Kai-Uwe Zinke. Zwei Jahre suchte der junge Mann vergeblich nach einer neuen Arbeitsstelle. Erst durch die Eröffnung der Cafeteria auf dem Stiftungsgelände kommt er seinem Traumberuf als Koch ein Stück näher. „Drei Wochen arbeitete ich zur Probe“, erinnert sich Kai-Uwe Zinke. Während des Praktikums lernte er nicht nur die verschiedenen Aufgabenbereiche kennen, sondern konnte für sich testen, ob die Arbeit in der Küche wirklich etwas für ihn ist. Heute strahlt Kai-Uwe Zinke, wenn er von seiner Arbeit in der Cafeteria berichtet. Wenn Kai-Uwe Zinke trotzdem noch etwas Hilfe braucht, um zurück in den gewohnten Arbeitsalltag zu kommen, erhält er Unterstützung von Kollegen oder Vorgesetzten. „Wir sind ein tolles Team, daher macht mir die Arbeit auch so viel Spaß.“ Als Küchenhilfe unterstützt er den Chefkoch der Cafeteria. Doch wenn der Küchenchef frei hat, greift mittlerweile auch Kai-Uwe Zinke zum Kochlöffel. Der Traum von einer Ausbildung zum Koch ist für den Magdeburger noch nicht ausgeträumt. Marc Fesca blickt positiv in die Zukunft und hofft in der Cafeteria auch ausbilden zu können. „Derzeit prüfen wir die Rahmenbedingungen“, so Fesca.