Magdeburg l Als das Zenit Mitte der 1990er Jahre seinen Betrieb aufnahm, waren die Zeiten auf dem Wissenschaftsmarkt noch rosig. „Es war ein Boom“, sagt Zenit-Geschäftsführer Joachim von Kenne. Jetzt, mehr als 20 Jahre später, ist es damit vorbei. Das Zentrum für Neurowissenschaftliche Innovation und Technologie, kurz Zenit, ist nur zu rund 60 Prozent ausgelastet, 100 Prozent wäre wünschenswert, 80 Prozent Auslastung akzeptabel.

„Es wird immer schwieriger, Wissenschaftler dazu zu bewegen, Unternehmen zu gründen, um ihre Forschungsergebnisse wirtschaftlich zu nutzen“, sagt von Kenne. Denn das ist der eigentliche Sinn von Zenit: Unternehmensgründern aus den Bereichen Neurowissenschaften beste Möglichkeiten zu bieten, Firmenräume und Labore einzurichten. Auf 7800 Quadratmetern Nutzfläche stehen Büroräume, Isotopenlabore, Kühllabore, Dunkelräume für die Bildbearbeitung, Tierhaltungsflächen und vieles mehr zur Verfügung. Zu guten Konditionen können sich Existenzgründer dort einmieten.

Weniger Unternehmensgründungen

 Anfang der 1990 Jahre wurden solche Gründerzentren mit Fördermitteln vom Land bedacht, um den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Sachsen-Anhalt nach vorne zu bringen. Da die Fördermittel nur an Gebietskörperschaften (Kommunen) abgegeben wurden, ist die Stadt in das Zenit-Projekt mit eingestiegen und hat es zusammen unter anderem mit der Otto-von-Guericke-Universität aufgebaut. Erst kam Zenit I, 2008 dann Zenit II.

Zwei Gründe sieht von Kenne für die Auslastungsprobleme von Zenit: Zum einen besagter Rückgang am Interesse, Unternehmen zu gründen, zum anderen aber auch eine politische Entscheidung des Landes. In seiner Zeit als Wirtschaftsminister habe Reiner Haseloff verkündet, dass der Bereich der Bio-Technologie in Halle konzentriert werden solle. Was natürlich auch bedeutet, dass staatliche Fördermittel dorthin fließen sollten. „Das hat sich im Zenit sofort bemerkbar gemacht“, sagt von Kenne. Die Unternehmensgründungen aus dem biowissenschaftlichen Bereich gingen in Magdeburg deutlich zurück. Und damit habe man immer noch zu kämpfen. Auch hatte es im Laufe der Jahre immer wieder Insolvenzen von Unternehmen im Zenit gegeben. Auch das sei so nicht vorhersehbar gewesen.

Aufsichtsrat fordert Konzept

Vor dem „Aus“ oder dramatischen existenziellen Problemen stehe Zenit nicht. Das ist die Einschätzung des Wirtschaftsprüfers, der den Wirtschaftsabschluss 2015 des Gründerzentrums unter die Lupe genommen hatte. Sogar ein Jahresüberschuss von rund 36 000 Euro konnte verbucht werden. Aber um die Zahlen zu verbessern, müsse etwas unternommen werden.

Der Ansicht ist auch Magdeburgs Wirtschaftsbeigeordneter Reiner Nitsche. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der Zenit GmbH. Ein Konzept sei von Nöten, wie die Auslastung deutlich verbessert werden könne. „Da erwarten wir als Aufsichtsrat etwa bis zum Herbst ein Konzept, wie die Gewinnung von Kunden verstärkt werden soll“, so Nitsche.

Zenit wird halbiert

Eine erste deutliche Veränderung wird es schon in absehbarer Zeit geben, Zenit wird im Grunde halbiert. Geplant ist, das Gebäude I an die Otto-von-Guericke-Universität zu verkaufen. Die medizinische Fakultät (Uni-Klinikum) benötigt eine neues Tierlabor. Das könnte komplett im Zenit I untergebracht werden. Der Stadtrat hatte 2015 bereits beschlossen, Zenit I an die Uni zu verkaufen. Die Planungen sind so weit fortgeschritten, dass der Verkauf „in den kommenden Wochen ansteht“, sagt von Kenne.

Wirklich entspannen werde sich die Situation der Auslastung dadurch allerdings noch nicht, es bleibe bei rund 60 Prozent.

Für Rainer Nitsche steht fest, dass Zenit durchaus eine Zukunft hat. Der Wirtschaftsstandort Magdeburg werde sich positiv entwickeln, ist sich der Beigeordnete sicher. Es müsse nur gelingen, Zenit als Gründerzentrum mehr bekannt und für Existenzgründer noch attraktiver zu machen.

Wie das funktionieren könnte, dass soll eine Zenit-Machbarkeitsstudie zeigen, die bis Ende des Jahres aufgestellt werden soll.