Magdeburg l Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) der Arbeiterwohlfahrt in der Dr.-Grosz-Straße ist geschlossen. Die MVZ GmbH ist in Insolvenz. Bis zum 28. Juni 2019 lief der Betrieb. Das bestätigte die Awo auf Nachfrage der Volksstimme. Hintergrund sei gewesen, dass mehrere Arztstellen im MVZ nicht besetzt werden konnten.

Unter anderem zwei Kinderärzte hatten das MVZ verlassen, auch die Dermatologie ist betroffen. Die Praxen für HNO und Neurologie bleiben in dem Haus, laufen jedoch als eigenständige Praxen und nicht unter dem Dach des MVZ weiter, sagte eine Sprecherin des Awo-Landesverbandes.

19 Kinderärzte in Magdeburg

Mit den zwei derzeit nicht besetzten Kinderarztstellen verschärft sich die angespannte Versorgungslage in Magdeburg. Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) gibt es in der Landeshauptstadt derzeit 19 Kinderärzte, eine Vielzahl der vertragsärztlich tätigen Kinderärzte haben jedoch ihre Leistungsgrenze erreicht, hieß es.

Davon berichtete auch Tobias Irmer von der KV bei der GWA-Sitzung Neustädter See. In dem Stadtteil leben mehr als 1750 Kinder, hieß es von der GWA. Deshalb sei das Thema MVZ auf die Tagesordnung gesetzt worden. „Die kinderärztliche Versorgung ist angespannt. Da machen wir uns Sorgen“, sagte Tobias Irmer. Deshalb habe die KV darauf gedrängt, dass die zwei Kinderarztstellen des MVZ ausgeschrieben werden. Mitte Juli soll die Ausschreibung starten. Dann müsse man schauen, ob es Bewerber gibt. Vom Zeitpunkt des Antrages auf Ausschreibung an können in dem Verfahren mehrere Monate vergehen. „Wir hoffen aber, dass die zwei Stellen zeitnah besetzt werden können“, so Tobias Irmer.

Hotline vermittelt Kinderarzt

Um diese Zeit zu überbrücken, habe sich ein Arzt bereiterklärt, in geringem Umfang Patienten aufzunehmen. Darüber muss aber der Zulassungsausschuss noch befinden, der am 3. Juli 2019 zusammentrifft, so Tobias Irmer. Bei der Terminservicestelle der KV unter der Telefonnummer 0391/6278888 könnten Eltern anrufen, um zu erfahren, welcher Arzt in gewissem Umfang noch aufnehmen könne.

Laut KV wird die Nachbesetzung von Kinderarztpraxen zunehmend schwierig. Dies trifft vor allem auf ländliche Gebiete zu, aktuell auch auf die Stadt Magdeburg. Deshalb sei es nach Auffassung der KV dringend notwendig, mehr Ärzte auszubilden, also mehr Studienplätze zu schaffen. Die KV finanziere zudem die ambulante Weiterbildung zum Kinderarzt, um auch über diesen Weg dem Problem zu begegnen, hieß es.

Was die Dermatologie im MVZ anbelangt, so habe durch die Awo kein Antrag auf Ausschreibung der Stelle gestellt werden können. Die KV sei aber bemüht, durch eine Erweiterung der Behandlungskapazitäten anderer Praxen hier eine Verbesserung der Versorgungslage zu erreichen. Auch hierüber müsse aber der Zulassungsausschuss zunächst entscheiden, erläuterte Tobias Irmer das Prozedere.