Magdeburg/Hermsdorf l Für viele Deutsche war der 3. Oktober 1990 ein besonderer Tag: Endlich war Deutschland vereint. Für Sarah Kubiak ist es ihr Geburtstag. Doch was verbindet die 30-Jährige heute mit der deutschen Wiedervereinigung?

Wenige Stunden war sie auf der Welt, da war sie schon eine kleine Berühmtheit. Die wohnhafte Hermsdorferin Sarah Kubiak (geborene Gabelmann) war die erste Magdeburgerin, die in einem geeinten Deutschland zur Welt kam. Deswegen zierte sie gemeinsam mit Mama Sabine Gabelmann einen Tag später auch gleich die Zeitung. Die Überschrift lautete „Erste Bundesbürgerin“.

Einheitskind kam zu früh

„Als Kind beschäftigt man sich natürlich mit diesem besonderen Datum nicht“, sagt Sarah Kubiak heute, 30 Jahre später. Als Kind freue man sich hauptsächlich darüber, dass der eigene Ehrentag immer ein Feiertag ist – und damit frei. Erst später in der Schulzeit kam sie mit dem Thema Wiedervereinigung in Berührung.

Dabei war die kleine Magdeburgerin im Jahr 1990 eigentlich zu früh dran. „Der errechnete Geburtstermin war ursprünglich der 7. Oktober“, erinnert sich Papa Stefan Gabelmann. Seit 1950 war der „Tag der Republik“ der Nationalfeiertag der DDR. Doch das Töchterchen überlegte es sich anders, der 7. Oktober wurde immerhin im Jahr 1989 zum letzten Mal als Feiertag begangen.

Stefan Gabelmann erinnert sich, dass er und seine Frau am 2. Oktober 1990 zwei befreundete Pärchen einluden und in den Tag der Deutschen Einheit, den allerersten, hineinfeiern wollten. „Es war so eine Masse an Ereignissen, die damals auf einen einprasselten. Den Tag, wofür wir im Vorfeld auf die Straße gegangen sind, sollte in guter Laune begrüßt werden und somit einfach die Freude darüber zum Ausdruck gebracht werden“, sagt er heute. Nachts begannen die Wehen bei Sabine Gabelmann. Kurzerhand liefen die Eltern in spe mitsamt Gästen zu Fuß ins Walter-Friedrich-Krankenhaus im Staddteil Olvenstedt (heute: Klinikum Magdeburg). Einige Stunden später kam Sarah zur Welt.

Teilung steckt noch in einigen Köpfen

30 Jahre später feiert die Magdeburgerin deswegen auch ihren runden Geburtstag, genauso wie das Land. Doch was verbindet sie heute mit der Wiedervereinigung? „Ich habe das Gefühl, es gibt keine Aus- und Nachwirkungen“, erzählt sie. Sie höre Geschichten aus der ehemaligen DDR eher von den älteren Generationen. „Man bemerkt, dass es zu diesem Thema viele geteilte Meinungen gibt“, sagt Sarah Kubiak. Die einen verteufeln die DDR, andere finden, es sei damals nicht alles schlecht gewesen.

Dass die Teilung ist Ost- und Westdeutschland in vielen Köpfen noch geschehe, bemerke sie sehr oft. „Das merkt man ja schon allein an der Uhrzeit“, sagt die 30-Jährige. Gemeint ist damit die nie enden wollende Debatte über die Worte „viertel“ und „dreiviertel“. Im Westen ist wird die Variante „viertel vor“ und „viertel nach“ für die Zeitangabe verwendet. „Wir verstehen ja beide Uhrzeit-Angaben“, sagt Sarah Kubiak und schmunzelt.

Passendes Prüfungsthema

Als im Jahr 2009 das Abitur und damit die Prüfung im Fach Geschichte immer näher rückte, beschäftigte sich Sarah Kubiak intensiver mit dem Thema Wiedervereinigung. „Ich habe viel mit meinem Vater darüber gesprochen. Er war dabei und konnte mir viel erzählen“, sagt sie. Und als hätte das Schicksal es so gewollt, wurde dem Einheitskind des Thema DDR und BRD als Prüfungsthema zugelost.

Doch im Hause Gabelmann wurde das Thema eher selten direkt thematisiert. „Ich möchte das auch nicht wegwischen, immerhin habe ich 30 Jahre in der DDR gelebt“, erzählt Stefan Gabelmann. Doch heute, nochmal 30 Jahre später, könne man sich ein Bild machen, was früher besser oder schlechter war. „Es soll auch nicht nach Heimweh klingen, aber die Kinderbetreuung war damals beispielsweise besser“, so der 60-Jährige. Außerdem hätte man in diesen Zeiten gelernt, zu improvisieren.

Aufgewachsen ist Sarah Kubiak in Olvenstedt – in jener Wohnung, von der aus ihre Eltern ins Krankenhaus liefen. „Heute sind die Neubauten verpönt, zu DDR-Zeiten war das Luxus für uns“, erinnert sich Stefan Gabelmann. Von dort aus zog die Tochter als Erwachsene zuerst in den Magdeburger Stadtteil Brückfeld, bis sie sich schließlich mit ihrem Mann Alexander Kubiak den Traum vom Eigenheim erfüllte. Seit Oktober vergangenen Jahres sind die beiden Wahl-Hermsdorfer (Gemeinde Hohe Börde) – und damit auch der kleine Erik.