Magdeburg l „Das Singen im Magdeburger Dom ist so alt wie der Dom selbst“, sagt Helga Hess. Nur von einer 200-jährigen Geschichte des Domchores zu sprechen, wäre daher falsch. Dennoch begeht der Chor in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen – seit der Wiedergründung.

Das Geschenk von Helga Hess ist eine Chronik über die Geschichte des Chores. Eigentlich aber ist ihre Idee, eine Chronik zu schreiben, aus einer ganz persönlichen Geschichte hervorgegangen. Sie wollte einem Freund etwas über den Magdeburger Domchor schenken. Zu finden war: Nichts. „Dann schreibe ich selbst etwas“, hat sich Helga Hess gedacht.

Acht Jahre Arbeit

Acht Jahre hat sie nun an der Chronik gearbeitet, alte Zeitungen durchforstet und nach Artikeln gesucht. Auch mit Zeitzeugen hat sie gesprochen, um die jüngere Geschichte des Chores zu rekonstruieren. Entstanden sind auf diese Weise mehrere dicke Bände – und fürs Domchorjubiläum am 1.  Januar 2019 eine kleine Zusammenfassung.

Viel Interessantes ist ihr bei den Forschungen begegnet, aber auch Kurioses. Dass der Chor 1811 einging, habe mit der Besatzung durch Napoleon zu tun gehabt. Damit war auch die Finanzierung des Chores nicht mehr gesichert. Erst mit der Unterstützung des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. konnten Versuche unternommen werden, die Nutzung des Domes als Pferdestall zu beenden und auch wieder einen Chor aufzubauen.

Helga Hess erzählt: „Vom Jahr 1000 an bis heute hat es immer disziplinarische Schwierigkeiten gegeben“, erzählt sie. Erst als zu DDR-Zeiten Domchorkinder etwas Geld für ihre Auslagen bekommen konnten, sei es besser geworden. Denn dadurch habe es Anreize gegeben, pünktlich zu sein und immer da zu sein, erzählt die Chronistin. Für sie selbst sei es eine Strafe gewesen, wenn sie als Kind nicht zu den Chorproben gehen durfte.

Konzertreisen durch Europa

Höhepunkte waren stets Konzertreisen, die den Chor unter der Leitung von Bernhard Henking (1925 bis 1939) erstmals auch ins Ausland führten – nach Dänemark und Finnland – sowie in andere Teile Deutschlands. Inzwischen war der Chor schon in Israel, Frankreich, England, Italien, Tschechien und Österreich zu erleben.

Seit 1947 werden immer wieder auch große Chorwerke mit Orchester aufgeführt, darunter Kompositionen von Bach, Telemann, Händel, Haydn, Beethoven, Mendelssohn, Brahms, Bruckner, Mozart und vielen mehr. Aber auch Eigenkompositionen der Chorleiter sind immer wieder zu erleben.

Musikalisch gewürdigt wird das Jubiläum des Chores am Sonntag, 6.  Januar 2019. Um 18 Uhr erklingt im Dom-Remter von Johann Adolf Hasse „Te Deum in D“ und von Joseph Haydn „Missa in B“, die sogenannte Harmoniemesse. Als Solisten werden Stefanie Fels-Lauer (Sopran), Undine Dreißig (Alt), Niek van den Dool (Tenor), und Dirk Schmidt (Bass) erwartet. Die Leitung obliegt Domkantor Barry Jordan. Er spricht von seinem Chor als einem sehr leistungsfähigen, dennoch gibt es Nachwuchssorgen.