Verlosung

Die Volksstimme verlost drei DVDs. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail an lokalredaktion@volksstimme.de oder eine Postkarte an Volksstimme, Lokalredaktion Magdeburg, Bahnhofstraße 17, 39104 Magdeburg und beantwortet folgende Frage: Wann gab es die erste Folge von Olvenstedt probiert‘s? Einsendeschluss ist der 4. August. Unter allen richtigen Einsendungen werden die DVDs dann verlost.

Magdeburg l Wenn Achim sagt „Guten Morgen, ihr Säcke“ und Beate „Ich mach’ mir moal de Hoare“, dann startet die wohl kultigste Theatergruppe der Stadt einen neuen Versuch, Weltliteratur auf die Bühne am Ehlestrand zu bringen. In diesem Jahr steht Friedrich Schillers „Maria Stuart“ auf dem Programm und sorgt für reichlich Drama in der Laienspielgruppe „Braune-Sommer-Wiese“ aus der Plattenbausiedlung Neu-Olvenstedt. Mit der neuen Inszenierung feiern das Kammerspieleteam und seine Gastdarsteller ein Jubiläum. Denn es ist bereits die 25.  Episode, die sie derzeit vorbereiten.

Dass die Serie ein Erfolg werden würde, war schon nach der ersten Inszenierung zum Jahreswechsel 1998/99 klar. Damals noch angesiedelt in den Freien Kammerspielen Magdeburg, dem heutigen Schauspielhaus, hatten die Erfinder Dirk Heidicke (Autor), Jörg Richter (Regisseur) und Wolf Bunge (damals Intendant) ursprünglich den Anspruch, jeden Monat eine Folge zu bringen und diese nur einmal zu zeigen. Dass das nicht ausreichen würde, stellte sich schon nach den ersten Aufführungen heraus. Denn bereits nach der Vorstellung reservierten die Besucher Karten für die nächste. „Wir waren immer ausverkauft“, erinnert sich Dirk Heidicke, der die Stücke und die Figuren den Darstellern auf den Leib schreibt, und der nicht müde wird, neue Literatur zu adaptieren. Der Witz ist nämlich, dass den Figuren aus Olvenstedt, allesamt überspitzte Stereotype und wahrscheinlich genau aus diesem Grund so beliebt beim Magdeburger Publikum, genau das passiert, was den Protagonisten des Ursprungsstückes widerfährt. So kommen Kenner genauso auf ihre Kosten wie Neulinge, die bislang wenig Berührung mit klassischer Weltliteratur hatten. Etwas bundesweit Einmaliges sei mit der Serie gelungen. Das Konzept fand Anerkennung in der Fachpresse.

Autor hat noch viele weitere Stücke auf Lager

Dirk Heidicke hat noch etliche Stücke auf Lager, an denen sich die Theatergruppe Braune-Sommer-Wiese probieren könnte, so dass eine weitere Jubiläumsfolge in 25  Jahren nicht ausgeschlossen ist. „Es ist schon eine witzige Vorstellung, irgendwann mit Rollator und anderen Hilfsmitteln auf der Bühne zu stehen“, sagt Schauspielerin Susanne Bard. Und so lange, wie das Publikum die Serie sehen will „und wir es noch können, wird es eine Fortsetzung geben“, erklärt sie.

Für sie und Michael Günther-Bard war das Stück sogar ein Grund, nach der Auflösung der Freien Kammerspiele im Jahr 2001 und Engagements in Süddeutschland und der Schweiz nach Magdeburg zurückzukehren. Denn die Nachfrage war da, das Publikum vermisste die liebgewordenen Figuren. Die Übriggebliebenen gründeten daher den Kult e. V. und präsentierten 2006 dann das Revival. Dass sich darauf mal ein ganzes Theater gründen würde, wenn auch ohne eigene Spielstätte, hätten die Macher nicht gedacht.

Profis spielen Laien

Kuriose Begebenheiten gab es in den Jahren viele. So erinnert sich Norbert Pohlmann, heute Leiter des Forums Gestaltung, dass es damals sogar Anrufe gab, diese Laienspielgruppe aus Olvenstedt möge doch auch mal in Olvenstedt spielen. Für die Darsteller, in den Hauptrollen allesamt Profis, das wohl größte Lob. In einer Silvester-Folge wurden die Schauspieler wegen anhaltendem Zwischenapplaus nicht rechtzeitig zum Jahreswechsel fertig. Statt sie ihr Stück dennoch zu Ende spielen zu lassen, wurde die Aufführung unterbrochen: „Es ist jetzt null Uhr.“ Dazu Susanne Bard: „Da bist du als Schauspieler natürlich irritiert.“

In einer anderen Folge ließen die Macher den echten Bruder von Mathias Herrmann (spielt die Brüder Fränki und Torte) auftreten. Da war dann das gewohnheitsliebende Publikum sprachlos. Denn auch Verlässlichkeit ist Teil des Erfolgsrezeptes. Bei den Proben zu einer weiteren Episode verletzte sich Schauspieler Gerald Fiedler. Die Premiere wurde daraufhin verschoben. Seine Rolle spielte er dann im Rollstuhl.

Mitwirken ist obligatorisch

Für viele Darsteller ist ihr Mitwirken in der Theaterserie obligatorisch, auch wegen der persönlichen Bindungen, die sich über die Jahre entwickelt haben. So berichtet beispielsweise Michael Magel („Ente“), das Verhältnis der Mitwirkenden untereinander sei sehr familiär. Mit 18 hatte er seinen ersten Auftritt in der Serie. „Ich wusste, ich kann hier ganz viel lernen, und das habe ich auch“, sagt er. Neben Kollegen habe er aber auch Familie in der Gruppe gefunden. Er studierte selbst Schauspiel und arbeitete im Theater der Altmark in Stendal. Parallelen ordnet Heidicke auch immer wieder seiner Figur „Ente“ zu. Langweilig wird es ihm bislang nicht: „Es ist ja immer wieder ein neues Stück.“

Und wenn auch in jeder Figur etwas vom jeweiligen Darsteller steckt, ist der Einzige, der im Stück wirklich sich selbst spielt, Falko Graf. Den Magdeburgern dürfte er besser bekannt sein als „Appel“ vom Fanrat des 1.  FC Magdeburg. Der baute 2006 eine neue Bude fürs Stadion und wurde gefragt, ob er sie nicht auch mal für „Olvenstedt probiert’s“ aufbauen würde. Gesagt, getan. Seitdem wirkt er in der Serie mit.

Lokalkolorit und Lokalprominenz

Überhaupt macht das Lokalkolorit den besonderen Charme der Reihe aus. Immer wieder erhielten prominente Magdeburger Gastrollen – der ehemalige Kulturbeigeordnete Rüdiger Koch zum Beispiel oder der Chef der Städtischen Werke Magdeburg, Helmut Herdt. „In den ersten Folgen fehlten bis einen Tag vor der Premiere immer zwei Seiten im Manuskript“, berichtet Dirk Heidicke. Auf diese Weise konnte er brandaktuell die lokalen Geschehnisse in das Stück einarbeiten. Und die kommen auch in diesem Jahr nicht zu kurz.

Dass die Vorstellungen zwischen dem 11. bis 13. und 16. bis 19. August auf dem Hof des Forums Gestaltung bereits nahezu ausverkauft sind, verwundert nicht: Wenn der Sommer naht und Olvenstedt probiert’s in eine neue Runde geht, dann sichert frühzeitiges Reservieren die Plätze. Inzwischen gibt es nur noch einige Restkarten für einzelne Vorstellungen. Das Publikum bekommt dieses Mal sogar eine Möglichkeit, Darsteller und Figuren mit nach Hause zu nehmen. Denn zum Jubiläum haben die Verantwortlichen einen Dokumentarfilm gedreht, den sie dem Publikum auf DVD gegen eine Spende mitgeben wollen.

Eine DVD zum Jubiläum

Viele Gespräche mit Darstellern und Erfindern sind darauf zu finden, angereichert mit Ausschnitten aus 25 Folgen „Olvenstedt probiert’s“. Ob die Theatergruppe in der Jubiläumsfolge eine Inszenierung auf die Beine gestellt bekommt? All jene, die sich schon Karten gesichert haben, werden es live und in Farbe erfahren.