Magdeburg l Hitzewellen, Trockenperioden, heftige Stürme, Starkregen – das Wetter hat auch die Magdeburger in den vergangenen Monaten immer wieder mit Extremen überrascht. Dazu gehörte auch ein Starkregenguss am 30. Mai 2018, bei dem nach langer Trockenheit etliche Straßen in Magdeburg überflutet wurden, weil die Kanalisation das plötzlich fallende Wasser nicht aufnehmen konnte.

Einen Ausbau des Kanalnetzes für Regenwasser wird es aber dennoch nicht geben. Nach Aussage der Städtischen Werke Magdeburg (SWM) entspreche der Ist-Zustand den anerkannten Regeln beziehungsweise dem Stand der Technik. Starkregenereignisse sind darin allerdings nicht enthalten.

Kein Geld, kein Platz für Ausbau

Und einer Ableitung der Regenmengen wie vom 30. Mai werde auch in Zukunft nicht ohne Überstauung der Kanalisation möglich sein. Denn weder reicht dafür der unterirdische Platz für Rohrleitungssysteme noch das Geld.

Unwetter setzt Magdeburg unter Wasser

Magdeburg (ag) l Ein Unwetter hat am 30. Mai 2018 Teile der Stadt Magdeburg regelrecht unter Wasser gesetzt.

  • Per Hand musste dieses Auto am Bahnhof Magdeburg-Buckau aus dem überschwemmten Bereich unter der Brücke geschoben werden. Foto: Moritz Dunkel

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  • Unwetter in Magdeburg: Auch am Flora-Park stand alles unter Wasser. Foto: Stefan Harter

    Unwetter in Magdeburg: Auch am Flora-Park stand alles unter Wasser. Foto: Stefan Harter

  • Mehr als 20 Ampeln und andere Lichtsignalanlagen wurden in Magdeburg durch das Unwetter in Mitleidenschaft gezogen. Hier ist der Fußgängerüberweg im Scharnhorstring zu sehen. Foto: Rainer Schweingel

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  • Unwetter in Magdeburg: In der Wielandstraße knickten Äste ab und versperrten einen Fußweg. Foto: Stefan Harter

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  • Blick in den überfluteten Fußgängertunnel des Magdeburger Hauptbahnhofs. Foto: Martin Rieß

    Blick in den überfluteten Fußgängertunnel des Magdeburger Hauptbahnhofs. Foto: Mar...

  • Beim Unwetter es in Magdeburg knickte auch eine Reihe von Ästen ab. Auf dem Universitätsplatz war noch am folgenden Tag ein Teil des Gehweges deshalb gesperrt. Foto: Martin Rieß

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  • Die Hasselbachstraße in Magdeburg während des Unwetters. Foto: Martin Rieß

    Die Hasselbachstraße in Magdeburg während des Unwetters. Foto: Martin Rieß

  • Schaden bei den Pfeifferschen Stiftungenin  Magdeburg im Bereich Elektro der Werkstatt für Menschen mit Behinderung: Das Wasser hat den Fußboden hochgedrückt. Foto: Pfeiffersche Stiftungen Magdeburg

    Schaden bei den Pfeifferschen Stiftungenin Magdeburg im Bereich Elektro der Werkstatt für M...

Statt nun am Rohrleitungssystem zu arbeiten, sollte mehr Aufmerksamkeit auf Versickerungsflächen gelenkt werden. Vor allem im privaten, aber auch im öffentlichen Bereich sollten Flächen entkoppelt beziehungsweise entsiegelt, Niederschlagswasser zurückgehalten und versickert werden, raten die Städtischen Werke Magdeburg, die Dieter Scheidemann als Baubeigeordneter der Stadt in einer Stellungnahme zitiert.

Dach- und Fassadengrün soll helfen

Dach- und Fassadenbegrünungen könnten dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. So sollten in der Stadtplanung auch zukünftig möglichst mehr multifunktional genutzte Flächen wie Grünanlagen, Park- und Spielplätze berücksichtigt werden, wie auch die Nutzung von Straßen als Notwasserwege und Speicherraum.

Gegen den Ausbau spricht aus Sicht der Stadtverwaltung Magdeburg auch, dass es sich bei dem Regenguss um ein Ereignis handelte, dass nur alle 100 Jahre wiederkehre. Dabei bezieht sich die Stadt auf Richtwerte des Deutschen Wetterdienstes zur Wiederkehr von Ereignissen.

Gullys zweimal im Jahr kontrolliert

Die Stellungnahme von Dieter Scheidemann resultiert aus einer der Fraktion Die Linke/future! im Stadtrat Magdeburg. Nach den Starkregenfällen wollten sie unter anderem wissen, wie häufig die Gullys in den betroffenen Straßen im Vorfeld gereinigt beziehungsweise geprüft worden waren. Daraus geht hervor, dass die Gullys in den betroffenen Bereichen etwa ein- bis zweimal pro Jahr kontrolliert werden. Wie der Zustand der Gullys war, lässt die Stellungnahme offen.

Beim Regenguss am 30. Mai fielen an den Messstellen der Sädtischen Werke Magdeburg 45 Millimeter Regen in einer Stunde. Der Kostra-Atlas definiert dies als Ereignis, das alle Hundert Jahre wiederkehrt. Von Überflutungen betroffen waren die Friedrich-Ebert-Straße, die Straße Zum Domfelsen, die Liebigstraße, Ecke Schleinufer, die Brückstraße, die Zollbrücke und der Kleine Werder, der Schanzenweg, die Friedrich-List-Straße, die Ernst-Reuter-Allee, Ostelbien und Cracau.