Magdeburg l Wenn es nach dem Magdeburger CDU-Stadtrat Frank Schuster geht, soll die Verwaltung ein Denkmal- und Skulpturenkonzept für Magdeburg erarbeiten. Einbezogen werden sollen auch jene Objekte, die die Stadt eingelagert hat.

Seinen Wunsch hat Frank Schuster in einen Antrag gegossen, der vom Stadtrat in die Ausschüsse überwiesen und jetzt vom Bauausschuss diskutiert wurde. Dort verwies der Christdemokrat nicht allein auf seine schriftliche Begründung – dass nämlich durch bauliche Veränderungen viele Skulpturen entweder abgebaut und eingelagert wurden oder „ihre ursprüngliche Bedeutung an ihrem jetzigen Standort verloren“ haben. Der Stadtrat sagte vielmehr: „Zum Teil gehen wir schoflig mit Denkmalen um.“ Mit einer Reihe von Bildern zeigte er den schlechten Zustand einiger Objekte im Stadtzentrum, aber auch in den Stadtteilen.

Konzept für Kunstwerke

Überzeugen konnte ihn wie die anderen Mitglieder des Bauausschusses vor diesem Hintergrund auch nicht eine Stellungnahme aus der Stadtverwaltung, laut der ein Konzept für die Kunstwerke nicht notwendig sei. Der Stadtrat sagte vielmehr: „Das hat alles mal einen Haufen Geld gekostet, da müssen wir uns drum kümmern.“

Bilder

Frank Schuster erläuterte einen der Gründe, warum aus seiner Sicht Handlungsbedarf besteht. Er nennt dazu das Beispiel des Hasselbachbrunnens: Für das direkte Umfeld ist das Tiefbauamt zuständig. Für den Brunnenaufbau das Kulturdezernat. Für die Brunnentechnik der Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe. Es liege nahe, dass hier eine Koordinierung notwendig sei.

Am Beispiel einer Bronze­skulptur, die einen NVA-Soldaten mit einem Kind zeigt, müsse überlegt werden, ob alle Denkmale für ihren aktuellen Ort noch relevant sind oder ob andernorts eine bessere Einordnung denkbar wäre – im Falle des NVA-Soldaten zum Beispiel in der Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn.

Kunst in Magdeburg umsetzen

Diskutiert werden müsse auch darüber, ob jede Entscheidung richtig sei: Der Gekreuzigte von Fritz Cremer sei Teil einer Figurengruppe und nicht wie jetzt an der Johanniskirche als Einzeldenkmal konzipiert. Wie weit die Meinungen hier auseinandergehen dürften, selbst wenn es ein Skulpturenkonzept gäbe, zeigt dieses Beispiel: Die Standortwahl dieses Kunstwerks war vor zehn Jahren in Abstimmung mit dem Kunstmuseum und dem Kulturausschuss erfolgt.

Als weiteres Beispiel für ein verwahrlostes Baudenkmal nennt Frank Schuster, der sich als Unternehmer mit Steinmetzarbeiten beruflich befasst, die Steine einer Brunneneinfassung. Diese liegen seit Jahren vor der Wobauwelle. „Scheinbar wurden sie hier regelrecht vergessen“, so die Vermutung des Stadtrats während der Sitzung des Bauausschusses.

Aber auch in den Stadtteilen gebe es verwahrloste Kunstwerke, so Frank Schuster. Er denkt dabei zum Beispiel an Objekte in Neu-Olvenstedt. Der Stadtrat hatte dazu Bilder von Keramikarbeiten in der Marktbreite mitgebracht.

DDR-Kultur nicht aus Stadtbild verbannen

In der Diskussion stellten sich alle Mitglieder des Bauausschusses hinter Frank Schuster. So sagte Marcel Guderjahn von der Gartenpartei: „Dass wir uns so mit unseren Kunstwerken benehmen, das geht nicht. Wir müssten eher schauen, ob Dinge aus dem Lager wieder aufgestellt werden sollten.“ Mit Blick auf den Soldaten warnte er davor, DDR-Kultur aus dem Stadtbild zu tilgen.

SPD-Stadtrat Falko Grube sieht als ersten Schritt eine Art Kataster, in dem der Bestand zusammengefasst wird. Dieses gebe einen Überblick, aus dem dann ein Konzept entwickelt werden könne. Und man müsse sich bei einigen Plastiken zum Beispiel in Neu-Olvenstedt, „die einsam rumstehen“, fragen, ob diese überhaupt noch zu halten sind. Das gelte gerade für einige Betonskulpturen. Falko Grube erinnerte aber auch an Objekte, die eben nicht im unmittelbaren Verantwortungsbereich der Stadt stehen: „Was ist eigentlich aus dem Wandmosaik in der Danzstraße geworden. Die Wobau hat es eingelagert. Offenbar soll es nicht mehr angebracht werden.“

Die-Linke-Stadtrat René Hempel befürwortete eine Aufstellung als Grundlage, um sich weitere Gedanken zu machen, und Burkhard Moll von der Tierschutzpartei regte an, Skulpturen bereits bei Bauvorhaben von Beginn an verstärkt einzuplanen und nannte als Beispiel den neu zu gestaltenden Kölner Platz.

Kunst stiftet Identität für Magdeburg

Stadtplanungsamtsleiter Matthias Lerm berichtete von positiven Erfahrungen aus Dresden und Jena, wo Skulpturen gezielt in touristische Wege eingebunden wurden. Und über Magdeburg sagte er: „Kunst diente der Individualisierung der Stadt zu DDR-Zeiten. Und wir haben da einen beachtlichen Rang.“

Der Bauausschuss empfiehlt dem Stadtrat einstimmig, ein Denkmal- und Skulpturenkonzept zu erstellen. Zuvor ist aber noch die Meinung des Kulturausschusses als fraglos weiteres fachlich in dieser Frage relevantes Gremium gefragt. Dieser hatte das Thema bei seiner letzten Sitzung vertagt.