Magdeburg l Am Ufer des Barleber Sees sind bereits nach den ersten warmen Wochen im Mai die Algen so dicht gewachsen, dass man den Kiesgrund kaum noch erkennen kann. Zahlreiche Badegäste machen sich seitdem Sorgen. Und das nicht ohne Grund: Vor einem Jahr gab es eine Blaualgenblüte im Barleber See. Diese Algen können giftig sein und insbesondere bei vorbelasteten Personen kann es zu allergischen Reaktionen kommen.

Algenbekämpfung gefordert

Anlass genug für einige Stadträte, die Bekämpfung der Algen von der Stadt zu fordern. Doch die Verwaltung stellt vorweg klar: Der Barleber See ist ein „natürlicher See mit all seinen natürlichen Umwelteinflüssen und eben kein chemisch behandeltes Wasser eines Freibades“. Deswegen könnten auch Algen oder Bakterien nicht umgehend beseitigt werden.

Vorerst wäre das aus gesundheitlichen Aspekten auch gar nicht nötig. Denn die Stadt gibt nach ersten Untersuchungen in einer aktuellen Stellungnahme Entwarnung: Die Werte für die krankheitserregenden Bakterien Escherichia coli und Enterokokken liegen weit unter den in der Badegewässerverordnung festgelegten Grenzwerten.

Stadt wendet sich an Forscher

Zudem habe es eine Sichtkontrolle in puncto Verschmutzung sowie Massenentwicklung von Blaualgen gegeben. Mit dem Ergebnis: „Keine Hinweise auf gesundheitsschädliche Einflüsse.“ Eine Untersuchung der Algen wird es laut Stadt vorerst nicht geben. Aus dem einfachen Grund: Die Badegewässerordnung sieht so eine Kontrolle nicht vor. Doch bei der Stadt will man in Sachen Algenplage nicht resignieren, sondern der Kulturbeigeordnete Matthias Puhle erklärt, dass es jetzt eine Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung geben solle.

Dort liegen bereits Daten aus den 80er Jahren vor. Damals hatte der See schon einmal erhebliche Probleme mit Blaualgen. Ursache soll eine extrem hohe Phosphoranreicherung gewesen sein – der Nährstoff, der für unnatürlich verstärktes Algenwachstum sorgt. 1986 wurden deswegen Hunderte Tonnen Aluminiumsulfat in den See gebracht, um dagegen anzukämpfen. Wird die aktuelle Nährstoffanreicherung wieder gesundheitlich belastende Auswirkungen haben? Daten dazu sollen in der aktuellen Saison gesammelt werden.

Kein Abwasser in den See

Was bereits erste Recherchen der Stadt ergeben haben: Weder werde Abwasser in den See eingeleitet noch gebe es in der Umgebung Verstöße gegen die Düngemittelverordnung, die schuld an dem Algenwachstum sein könnten. Bis es genauere Erkenntnisse gibt, bleibe laut Matthias Puhle nur übrig, die Algen stetig zu beseitigen. Und darum würden sich die Mitarbeiter vor der Öffnungszeit kümmern.

4000 Gäste weniger als 2016

So oder so scheint der Algenbefall zumindest im Mai dieses Jahres keinen Besucher abgeschreckt zu haben. Wurden im Mai 2016 insgesamt 1899 Badegäste am Barleber See gezählt, waren es in diesem Jahr mit 4612 Badegästen mehr als doppelt so viele. Ähnlich sieht es bei den anderen Frei- und Strandbädern in Magdeburg aus. Grund dafür waren sicherlich die warmen Temperaturen, 2016 war das Wetter im Mai großteils verregnet und frisch. Im Juni-Vergleich hingegen halten sich die Besucherzahlen die Waage. Außer beim Barleber See: Kamen Juni 2016 noch 12.153 Gäste, waren es in diesem Jahr nur 8000.