Magdeburg l „Hallo, ähm, dürfen Sie hier sein?“ Die Frage einer Rathausmitarbeiterin ist berechtigt. Hier ist Elberado, es ist eine Kinderstadt, und Erwachsene sind hier nicht erlaubt - außer die Betreuer. Auch Eltern müssen draußen bleiben. Der Presseausweis wird akzeptiert. Die Rathausmitarbeiterin sprintet ins Rathaus zurück und erstattet Meldung. Alles so weit in Ordnung.

Pünktlich um 10 Uhr hat gestern die Kinderstadt ihre Tore geöffnet. Zwei Wochen lang spielen Kinder dort, wie eine Stadt funktioniert - mit allem was dazugehört: Rathaus, Bürgermeister, Krankenhaus, Unternehmen, eine Zeitung, ein Gericht und vieles mehr. Über 40 Stände haben die Organisatoren dafür aufgebaut.

Jasmin (10) ist zum ersten Mal Bürgerin von Elberado. Sie ist mit einem Funkgerät und einer Rot-Kreuz-Tasche ausgestattet. „Ich wollte mal wissen, wie das so geht, im Krankenhaus und als Sanitäter“, sagt Jasmin - und muss weiter, schließlich hat sie Dienst.

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Einfacher Zugang

Rund 500 Kinder können täglich als Einwohner von Elberado mitspielen, darauf ist die Stadt vorbereitet, sagt Mitorganisatorin Katrin Donocik. Es gibt Anmeldungen, die Kinder könnten aber auch ganz einfach vorbeikommen und mitmachen.

Wie Lena (12). Sie hat sich dem Zeitungsteam angeschlossen - und nimmt ihren neuen Job sehr ernst. „Wir berichten über die Bürgermeisterwahl und die Kandidaten und wir haben gehört, dass es vor einem Jahr Korruption gegeben hat, weil einer den Leuten Geld gegeben hat, damit sie ihn wählen. Das wollen wir morgen schreiben.“ Aber das Zeitungsteam will auch Witze veröffentlichen und „Werbung besorgen“. Wie eine echte Zeitung eben.

Betreuer geben Starthilfe

In den ersten Stunden seien die Kinder oft noch recht vorsichtig und schauen sich alles erst einmal an, berichtet Katrin Donocik. Da kommen dann die Betreuer ins Spiel. Sie geben Anregungen, was in Elberado alles möglich ist. „Dabei sind wir aber vorsichtig, denn die Kinder sollen ja ihre eigene Stadt aufbauen.“ Allerdings gibt es natürlich ein Grundkonzept: Rathaus, Glaubensraum, Krankenhaus und verschiedene Handwerke sind vorhanden. Auch das Geld, der „Elbo“ ist schon da. Denn die Kinder sollen spielerisch erfahren, wie Politik und Wirtschaft funktionieren.

Bei den Blumenhändlern klappt das gestern Nachmittag dann schon ganz gut. „Wir verkaufen so, dass wenn wir viele Blumen haben, die dann billig sind und wenn wir wenig haben, machen wir sie teurer“, erzählt einer der Blumenhändler. Und um den Verkauf etwas anzukurbeln, wurde eine Verlosung veranstaltet. Hauptgewinn: ein ganzer Korb voll Blumen. Nieten unter den Losen gab es natürlich, der „Elbo“ muss schließlich rollen. Und das Geschäft lief gut, denn am Nachmittag konnten sich die Blumenhändler bereits einen Handwagen kaufen.

Wie bei Erwachsenen

In Elberado ist es fast so wie im Leben der Erwachsenen, aber eben ohne Erwachsene. „Und dazu gehört auch, dass die Kinder entdecken, dass Geld nicht auf den Bäumen wächst, sondern verdient werden muss“, sagt Katrin Donocik.

Der Elberado-Verein und eine Projektgruppe am Fachbereich Soziale Arbeit, Gesundheit und Medien der Hochschule Magdeburg-Stendal sind die Macher hinter der Kinderstadt, und wer das Gelände betritt, merkt sofort, dass die „Freiheit“ in Elberado von den Organisatoren auch in diesem Jahr wieder bestens vorbereitet ist. Die Kinder können sich dort ihre Stadt aufbauen, aber nicht ins berühmte „Blaue“ hinein. „Wir werden sie dabei auch etwas herausfordern“, sagt Kartin Domocik. Was, wird noch nicht verraten, aber es wird wie im richtigen politischen Leben.

Weitere Infos unter www.elberado.de