Villa Böckelmann

Kinderstadt in Magdeburg bekommt tatkräftige Unterstützung aus ganz Europa

In knapp drei Wochen startet das Ferienprojekt „Ottopia“. Doch es fehlt noch einiges an manchen Ecken. Das Team der Europäischen Jugendbildungsstätte Magdeburg versucht mit einer Spendenaktion unter dem Motto „Wir würden es ja allein machen, aber irgendwie fehlt noch Knete“ mehr Geld in die Kasse zu bekommen.

Von Jasmin Teut
Internationale Helfer bauen unter anderem Tische und Bänke für die Kinderstadt aus Europaletten.
Internationale Helfer bauen unter anderem Tische und Bänke für die Kinderstadt aus Europaletten. Foto: Jasmin Teut

Magdeburg - Das Projekt der Europäischen Kinderstadt Magdeburg ermöglicht es Kindern innerhalb von zwei Wochen selbst in der Gestaltung ihrer eigenen Stadt auf dem Gelände der Villa Böckelmann in Ottersleben tätig zu werden und verschiedene Berufe kennenzulernen. Aber dafür wird so einiges an Ausstattung benötigt. Obwohl das Projekt der Europäischen Jugendbildungsstätte Magdeburg unter anderem von der Stadt, dem Land und einigen weiteren Sponsoren teilweise gefördert wird, reicht das Geld nicht aus, sagt Christof Himmelmann, Sprecher der Jugendbildungsstätte. Das Team rechne mit etwa 400 Kindern pro Tag. Und diese müssen natürlich auch alle versorgt werden. Jedes Kind bezahlt für den Tag zwei Euro. Doch das reiche noch nicht einmal für das Mittagessen, sagt Himmelmann weiter. „Wir wollen aber auch keine höheren Preise verlangen, denn es soll jeder mitmachen können, der möchte.“

Schlüsselanhänger aus 3D-Drucker

Neben der Verpflegung muss auch die Kinderstadt für den „Einzug“ auf Vordermann gebracht werden. Von den insgesamt rund 150 freiwilligen Helfern und Betreuern sind etwa 40 davon aus anderen Ländern, die durch das Europäische Solidaritätskorps an dem Projekt teilnehmen. Weitere 21 Helfer sind schon jetzt bei der Villa Böckelmann und werkeln schon fleißig, denn die Stadt braucht unter anderem noch Tische, die aus Europaletten gezimmert werden. Insgesamt werden circa 800 Stück benötigt, schätzt Christian Scharf, Leiter der Jugendbildungsstätte. Und auch an den großen Maskottchen von „Ottopia“, die Otto und Pia heißen, wird gearbeitet und sollen den Eingang der Kinderstadt ab dem 16. August zieren. Außerdem soll es die beiden Figuren auch in einem Miniformat als Schlüsselanhänger geben, die die Kinder mit einem 3D-Drucker selbst herstellen werden. „Es macht mir Spaß und es ist sehr interessant, bei dem Projekt mitzumachen“, sagt eine der Helferinnen aus Frankreich. Sie sei aber auch nach Deutschland gekommen, um die Kultur kennenzulernen. Genau so wie die 24-jährige Catarina. „Ich wollte unbedingt Deutschland kennenlernen und etwas Gutes tun“, sagt sie. Sie ist nun schon seit zwei Monaten in Deutschland und wird diese Woche wieder zurück nach Portugal fliegen. „Helfer haben wir eigentlich ausreichend“, schätzt Himmelmann. Wer dennoch gerne dabei sein möchte, könne sich noch melden.

40 verschiedene Berufe können entdeckt werden

Da die Jugendbildungsstätte das Projekt zum ersten Mal umsetzt, gibt es noch keinen Fundus, aus dem Werkzeuge und andere Utensilien für das Projekt verwendet werden können, sagt er weiter. So müssen zum Beispiel noch die Hütten gebaut werden, in denen unter anderem die einzelnen Gewerke ihren Platz finden und wo die Kinder bis zu 40 verschiedene Berufe kennenlernen können. „Wir haben den Großteil an Geld zusammen“, sagt Scharf. Trotzdem fehle noch ein kleiner Teil. Denn allein für die Ausstattung der Berufe (Arbeitsmaterial, Werkzeug, Technik) werden etwa 8.000 Euro veranschlagt, heißt es auf der Internetseite. Für die Verpflegung wird mit Kosten in Höhe von 14.000 Euro gerechnet und die Unterbringung, Verpflegung, Ausbildung und Aufwandsentschädigung für die Betreuer wird voraussichtlich 29.000 Euro kosten. Von den Spendengeldern solle dies unter anderem finanziert werden.

Neben finanzieller Hilfe sind auch Sachspenden gerne gesehen. Für die einzelnen Gewerke wie Malerei, Polizei oder Post werde noch vieles benötigt. Eben alles, was eine Stadt so braucht. Ob Pflanzen oder Gartenscheren für den Blumenladen, Stoffe für die Schneiderei, Holz, Stühle und vieles mehr werden entgegengenommen. „Vielleicht finden sich auch noch Sachen, damit die Kinder eine eigene Stadtzeitung drucken können“, sagt Himmelmann.

Trotz Corona an Projekt festgehalten

Dass das zweiwöchige Projekt trotz der Corona-Pandemie stattfinden kann, wünschen sich natürlich alle Beteiligten. „Wir sind vorbereitet“, sagt Himmelmann. Letztes Jahr musste die Kinderstadt coronabedingt ausfallen, das sei sehr schnell klar gewesen. Dieses Jahr entschied sich das Team dazu, trotz eines Risikos zu planen. Dennoch müsse die Situation bis August abgewartet werden. Dort, wo kein Abstand gehalten werden kann, müssen Masken getragen werden. Allerdings sollte dies kein Problem für die Kinder sein, denn diese Situation sind sie vor allem schon aus dem Schulalltag gewohnt. Christian Scharf sieht dies ebenso. Obwohl eine Testpflicht nicht vorgeschrieben ist, wird es vielleicht trotzdem eine geben für die Kinderstadt, sagt Scharf. Aber das entscheide sich erst mit der nächsten Allgemeinverfügung.

Maskottchen Pia wird für ihren großen Auftritt in der Kinderstadt noch zurechtgemacht.
Maskottchen Pia wird für ihren großen Auftritt in der Kinderstadt noch zurechtgemacht.
Foto: Jasmin Teut