Die Namensfindung und eine Eselsbrücke mit dem Magdeburger Lied

Der Magdeburger Domglockenverein hat die Namensfindung für das Domgeläut dem Gemeindekirchenrat beziehungsweise dem Landesbischof Friedrich Kramer sowie Domprediger Jörg Uhle-Wettler übergeben.

Bei ihrer Suche nach passenden Namen haben beide viele Vorschläge erhalten und Konzepte abgewogen, wie sie sagten. Mit ihrem Namenskonzept setzen beide auf Botschaften.So erhielt die künftig größte Glocke die lateinische Bezeichnung „Credamus“ – „lasst uns glauben“. „Wir finden, so muss die größte Glocke heißen für eine Region, die für die Glaubensgeschichte so eine riesige Bedeutung hat. Das in die Stadt hineinzuläuten, steht dem Dom zu“, so der Landesbischof.

Aber auch die anderen gewählten Bezeichnungen stünden für Anliegen der Kirche und die Geschichte. So etwa „Resistamus“ („lasst uns widerstehen“) „wegen der Bedeutung des Magdeburger Doms für die friedliche Revolution und dass der Glaube auch etwas Widerständiges hat, Aufstand gegen den Tod ist“, so Friedrich Kramer.

Den gewählten Namen und Botschaften wurden passende Bibelstellen zugewiesen. Die Verse sollen auf den neu gegossenen Glocken Platz finden, so Jörg Uhle-Wettler. Er wie auch Landesbischof Kramer empfänden es als große Ehre, an dem Glockenprojekt mitwirken und ein Namenskonzept erarbeiten zu dürfen: „Wir sind nur für einige Jahre hier tätig. Das ist nur ein Wimpernschlag“, so der Domprediger.

Nach der Namensfindung für die Glocken habe man überlegt, wie sich die Namen wohl am besten merken ließen. Dabei sei die Idee entstanden, das Magdeburger Lied, das jeder kenne, etwas umzudichten. Und so entstand der Refrain aus den Namen der Glocken: „Glauben und loben, lieben und vergeben, lasst uns hinschauen in Magdeburg / Singen, segnen, klagen, zweifeln, widerstehen, lasst uns hoffen, beten hier im Dom“. Die Magdeburger seien aufgerufen, sich gern am weiteren Dichten zu beteiligen, so Kramer.

Magdeburg l Nur noch vier läutefähige Glocken und eine starr aufgehängte Uhrenschlagglocke sind im Magdeburger Dom erhalten geblieben. Einst waren es mal zwölf. Der im Jahr 2018 gegründete Domglockenverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Domgeläut wieder zu vervollständigen. Der Magdeburger Dom soll wieder ein Kathedralgeläut erhalten, das seiner Bedeutung auch gerecht wird.

Der Bischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, und Domprediger Jörg Uhle-Wettler haben am Mittwoch, 3. Februar 2021, gemeinsam mit dem Domglockenverein das Namenskonzept für die vorhandenen sowie die künftigen Glocken vorgestellt. Sie tragen Namen wie „Benedicamus“ (lateinisch für „lasst uns segnen“) oder „Credamus“ („lasst uns glauben“) und sollen so für die Anliegen der Kirche werben und durchaus als Aufforderung zu verstehen sein. Jedem vergebenen Namen haben Bischof Kramer und Jörg Uhle-Wettler eine passende Bibelstelle zugewiesen, die künftig auf den Glocken stehen soll.

Die Namen der Glocken lauten: CREDAMUS (Glauben), HOSANNA (Loben), AMEMUS (Lieben), APOSTOLICA (Vergeben), DOMINICA (Hinschauen), CANTEMUS (Singen), BENEDICAMUS (Segnen), QUERAMUR (Klagen), DUBITEMUS (Zweifeln), RESISTEMUS (Widerstehen), SPEREMUS (Hoffen), ORATE (Beten).

Glockenstühle müssen hergerichtet werden

Mit dem Namenskonzept ist ein weiteres Stück des Weges des Domglockenvereins geschafft. Es ist ein sehr ambitioniertes Projekt, dem sich die gut 160 Vereinsmitglieder stellen. Eifrig sind sie dabei, Spenden und Fördermittel einzuwerben, um den Neuguss der fehlenden acht Glocken finanzieren zu können. Mit der Reparatur der Dominica im Jahr 2019 hat der Verein bereits ein großes Projekt umsetzen können.

Und auch auf seinem Weg, die noch fehlenden acht Glocken neu gießen zu lassen, ist der Verein schon ein gutes Stück vorangekommen. Nahezu 200.000 Euro hat der Verein an Spenden bislang eingeworben, sagt Martin Groß, stellvertretender Vorsitzender des Domglockenvereins.

Im Rahmen des Domglockenprojektes sollen eine 5,8 Tonnen schwere Glocke für den Nordturm gegossen werden sowie sechs kleine Glocken von 450 Kilogramm bis 1,7 Tonnen Gewicht. Diese sollen im Südturm ihren Platz finden, der seit Jahrhunderten keine Glocken mehr trägt. Neben der für das Projekt nötigen Erweiterung des Glockenstuhls im Nordturm muss im Südturm ein ganz neuer Glockenstuhl gebaut werden, der auch noch eine besondere Großglocke von 14 Tonnen Gewicht mit dem Schlagton d° aufnehmen soll. Sie wird die einzige läutefähige d°-Großglocke Deutschlands sein.

Projekt kostet etwa 2,5 Millionen Euro

Für das Gesamtprojekt gibt es eine grobe Kostenschätzung von etwa 2,5 Millionen Euro. Während sich der Verein um die Finanzierung der Glocken kümmert, liegen die nötigen Umbauarbeiten bei der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, als Eigentümerin des Doms. Die ist momentan mit der Sanierung und Restaurierung des hohen Chores beschäftigt, was noch einige Zeit und Geld in Anspruch nehmen werde. Deshalb sei momentan auch noch nicht absehbar, wann mit den Glockenstühlen begonnen werden könne. „Dafür werden wir noch einige Zeit brauchen“, warb Ralf Lindemann von der Kulturstiftung gestern für Geduld. Er freute sich jedoch über das ehrgeizige Projekt des rührigen Vereins. Denn die neuen Glocken würden nicht nur das Geläut vervollständigen, sondern auch die vorhandenen Glocken entlasten und so für die Zukunft sichern.

Ohnehin wird auch das Glockenprojekt noch Zeit in Anspruch nehmen, wie Martin Groß vom Verein sagt. Nach aktuellem Stand könnten zwei kleinere Glocken (Resistamus und Seremus) gegossen werden. Die entsprechenden Spenden oder Zusagen der Finanzierung seien da. Möglicherweise könnte der Neuguss noch in diesem Jahr beauftragt werden. Für den Neuguss einer dritten Glocke (Amemus) hat der Verein bereits einen Fördermittelantrag bei der ostdeutschen Sparkas senstiftung eingereicht. 160.000 Euro soll der Guss kosten, 40 000 Euro wären für den Verein der Eigenanteil. Eine Entscheidung über eine Förderung seitens der Stiftung liegt noch nicht vor.

Für die anderen fehlenden Glocken wirbt der Verein weiter fleißig um Spenden. Ebenso schaut sich der Verein nach Glockengießereien um. Verträge seien aber natürlich noch nicht geschlossen, wie Johannes Sattler vom Vorstand sagt. Im Sinne des Vereins wäre es aber, dass alle neu zu gießenden Glocken „eine gewisse geschwisterliche Ähnlichkeit aufweisen“. Daher wäre es erstrebenswert, sie alle in einer Gießerei herstellen zu lassen. Doch das sei noch offen.

Auch wenn die Herrichtung der Glockenstühle noch eine ganze Zeit dauern würde, könnten erste Glocken zwischenein bereits gegossen werden. Sie würden dann – wie derzeit die restaurierte Dominica – zunächst im Kirchenschiff ihren Platz finden. Dass nun aber schon für alle Glocken ein Name gefunden wurde, sei bereits ein wichtiger Schritt für das Großprojekt.