Magdeburg l Sie war schon länger geplant und sollte ein Höhepunkt des Abiabschlusses werden: die Fahrt von Abiturienten des Siemensgymnasiums nach Amsterdam. Doch ausgerechnet in der Zeit, als die Magdeburger in der niederländischen Metropole weilen, wird sie zum Corona-Risikogebiet erklärt. Als die 21 Abiturienten und ihre zwei begleitenden Lehrkräfte in Magdeburg wieder eintreffen, müssen sie vorsorglich in häusliche Isolation. Ob sie sich tatsächlich mit dem Virus infiziert haben, ist nicht klar, es handelt sich um eine vorsorgliche Maßnahme. Ende der Woche sollen sich alle Schüler einem ersten Test unterziehen.

Wie handhaben es andere Magdeburger Schulen mit Abschluss- und Klassenfahrten? Eine Umfrage an einigen Bildungseinrichtungen ergab ein differenziertes Bild.

Planungen liegen zunächst auf Eis

Am Norbertusgymnasium hat die Abschlussfahrt der zwölften Klassen bereits stattgefunden. Allerdings hatten Eltern und Schüler vor den Sommerferien Bedenken geäußert, ob die eigentlich ebenso nach Amsterdam geplante Fahrt stattfinden sollte, so Schulleiter Reimund Märkisch. Trotz anfallender Stornogebühren wurde gemeinschaftlich entschieden, lieber umzubuchen. Statt ins Ausland ging die Fahrt nach Naumburg, Leipzig und Torgau. Und mit Landeszuschüssen für die Fahrt wurden die Eltern wieder ein Stück weit finanziell entlastet.

Am Domgymnasium starten in der nächsten Woche Fahrten für die fünften und achten Klassen. Auch sie bleiben sicherheitshalber innerhalb Deutschlands. „Die für das zweite Schulhalbjahr geplanten Fahrten nach Barcelona und Paris haben wir erst einmal infrage gestellt und die Planungen auf Eis gelegt“, sagt Schulleiter Dietrich Lührs auf Nachfrage. Auslandsfahrten werde es zunächst nicht geben.

Am Schollgymnasium gibt es eine ganz klare Entscheidung: „Wir fahren nicht auf Klassenfahrten“, sagt Schulleiter Steffen Drygalla. Bereits im März habe man alle Planungen abgebrochen. „Und ich sehe auch keine Notwendigkeit, für das zweite Schulhalbjahr irgendetwas zu planen. Keiner weiß, wie die Entwicklung sein wird“, so der Schulleiter. Am Sportgymnasium sind ebenso bis auf weiteres alle Fahrten und Exkursionen abgesagt, heißt es. Momentan werde auch nichts Neues geplant. Wie es in 2021 sein wird, werde nach Lage entschieden.

Kein grundsätzliches Verbot von Fahrten

Schon zu Beginn der Pandemie wurden auch an der Sekundarschule „Gottfried Wilhelm Leibniz“ Klassenfahrten abgesagt. „Wir hatten für die zehnten Klassen Abschlussfahrten geplant, sie aber alle storniert“, berichtet Schulleiter Roman Schöpp. Glücklicherweise hätten die allermeisten Elternhäuser bei der Buchung eine Stornoklausel mit angenommen. „Angesichts der unklaren Lage haben wir auch nichts Neues gebucht. Die Vorsicht überwiegt“, so Direktor Schöpp. Wenn überhaupt, gebe es nur eintägige Exkursionsfahrten ins nähere Umfeld.

Auf „Einzelwandertage im schönen Magdeburg“ setzt die Gemeinschaftsschule „Johann Wolfgang von Goethe“. „Wir haben bis Februar 2021 sämtliche Klassenfahrten untersagt, weil wir weder Schüler noch Lehrer gefährden wollen, da nicht klar ist, wie sich die Lage entwickelt“, sagt Schulleiterin Viola Piedmont. Diese Festlegung sei mit der Option der zeitlichen Verlängerung getroffen worden. Eine Klassenfahrt solle zudem ja auch Spaß machen. Und der sei nicht gegeben, wenn man nicht wisse, ob man danach gegebenenfalls in Quarantäne müsste.

Ein grundsätzliches Verbot von Klassenfahrten gibt es seitens des Landesschulamtes nicht. Das hat dessen Sprecher Tobias Kühne auf Nachfrage erklärt. „Im aktuellen Schuljahr sind Klassenfahrten grundsätzlich erlaubt. Es gibt aber auch Einschränkungen. So dürfen die Fahrten nicht in ein Gebiet führen, für das es eine amtliche Warnung des Robert-Koch-Instituts gibt“, so Tobias Kühne. Zudem sollten die Schulen bei der Buchung von Reisen darauf achten, dass ihnen die grundsätzliche Möglichkeit der Stornierung - auch kurz vor Reiseantritt - eingeräumt wird, um Kosten für die Eltern zu verhindern. Im vergangenen Schuljahr war dies noch etwas anders. Mit Beginn der Pandemie gab es die klare Ansage des Bildungsministers, dass bis zum Ende des alten Schuljahres sämtliche Fahrten nicht stattfinden dürfen. Die Kosten dafür übernahm einmalig das Land. Diese Regelung gilt für das aktuelle Schuljahr nicht, so der Sprecher.