Magdeburg l Klar – ein Kartenhaus aus Spielkarten oder Bierdeckeln hat jeder schon einmal gebaut. Doch ein Erlebnis auf Dauer oder eine Vielfalt an Formen sind aufgrund der gewagten Statik der entsprechenden Konstruktionen aus der Kneipe nicht gegeben. Das kann so nicht weitergehen – hat der 1992 gegründete und von Ursula Günther und Herbert Beesten geleitete Magdeburger Förderverein der Schriftsteller beschlossen.

Gelegenheit dazu bot die Vorbereitung zum Jahresthema „form & sprache“ zum Bauhausjubiläum. Bei dieser Gelegenheit nämlich wurde die Idee geboren, auf Bierdeckeln für die Veranstaltungen Werbung zu machen – und die Bierdeckel gleich als Baumaterial für Kartenhäuser zu qualifizieren und sie mit einem Schlitz zu versehen.

Vom Bauhaus und dem Brauhaus

Herbert Beesten sagt: „Die Idee ist wohl beim Wortspiel um das Bauhaus und das Brauhaus entstanden.“ Gelockt war in diesem Zusammenhang auch der Ingenieur in Herbert Beesten. „Mit einem einfachen Schlitz kann man die Bierdeckel ineinander stecken und den Figuren damit mehr Stabilität verleihen. Und natürlich ist jetzt auch mehr möglich, als nur einfache Kartenhäuser zu konstruieren.“ Überraschende Formen und Konstruktionen kann der ungeübte Kartenhaus-Häuslebauer hier auf den Stammtisch zaubern.

Mit der Schere oder dem Messer Schlitze in die Bierdeckel zu schneiden, ist aber in doppelter Hinsicht keine gute Lösung. Zum einen sind die Schnitte nicht sonderlich sauber. Zum anderen wäre diese Handarbeit bei einer Bierdeckel-Auflage im fünfstelligen Bereich kaum zu bewältigen.

In Tischlerei Bierdeckel bearbeitet

Die Lösung: In der Tischlerei von Oliver Mössner, in der für die „form & sprache“- Aktion bereits nach einer Idee von Regine Sondermann Bienenkästen in Workshops gebaut wurden, wurde getestet, ob sich die Bierdeckel stapelweise mit einer Säge in der Tischlerei schlitzen lassen. „Das funktioniert gut“, berichtet Herbert Beesten.

Die fürs Bierdeckelhausbauen geschlitzten und mit abgerundeten Ecken versehenen Pappquadrate sind inzwischen in mehreren Kneipen Magdeburgs verteilt und fordern die Kreativität der Besucher heraus. Die ersten wurden ans Kartell, das Hegel, das Allerts, das Café Verde – Vitopia und ans Mephisto ausgegeben. Als Nächstes standen der Nachdenker, das Café Amsterdam, das Café Hirsch der Feuerwache, das Hofcafé im Moritzhof und das Bluenote auf der Verteilerliste.

Bierdeckel in Magdeburger Kneipen verteilt

Herbert Beesten sagt: „Wir wollen uns erst mal auf zehn Kneipen konzentrieren, und dann mal sehen, wie es weiter geht.“ Im Gespräch war beispielsweise, einen Wettbewerb im Biedeckelbauen zu initiieren. „Da sind wir mit unseren Überlegungen aber noch nicht am Ende“, sagt Herbert Beesten. Geklärt werden müsste ja beispielsweise, ob in einer bestimmten Zeit möglichst große Bierdeckelgebäude gebaut werden müssten, oder dass besondere Formen oder besondere Eigenschaften besonders geehrt werden.

Ziel der Bierdeckelaktion ist es, auf den Förderverein und sein Programm für 2019 hinzuweisen.

Infos gibt es unter unter anderem bei Facebook und auf der Webseite des Vereins.