Magdeburg l Dieter Scheidemann geht in den Ruhestand. Der promovierte Jurist – seit 1992 in Diensten der Stadtverwaltung und seit 2008 Chef des Dezernats für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr – scheidet Ende April aus seinem Amt. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin soll die Führung des Baudezernates ab 1. Mai übernehmen. Eine Frau und vier Männer stehen dafür zur Ratssitzung am 21. Januar zur Wahl. Das sind die einzig verbliebenen Bewerber nach einer ersten Auslese auf Erfüllung der Zugangskriterien und dem freiwilligen Absprung einer weiteren Bewerberin aus dem Verfahren.

Als ein Favorit aufs Amt galt mindestens zu Beginn des Bewerbungsprozesses Jörg Rehbaum. Der Sozialdemokrat hat bereits vier Jahre Berufserfahrung als Sachgebietsleiter im örtlichen Stadtplanungsamt und ist seit 2010 Bürgermeister in Burg. Seine Bewerbung und seine ersthaften Ambitionen aufs hohe Magdeburger Amt machte Rehbaum bereits im Vorjahr selbst öffentlich.

Schwere Vorwürfe

Allerdings sieht sich der 51-Jährige seit dem Jahresende 2020 mit dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen konfrontiert. Die Polizei bestätigt einen Anfangsverdacht, schließt eine Fälschung der zugrunde liegenden anzüglichen Chats im Internet, bei denen sich Rehbaum mit einem minderjährigen Mädchen ausgetauscht haben soll, aber nicht aus.

Rehbaum bestreitet die von Vertretern des Burger AfD-Kreisverbandes öffentlich gemachten Vorwürfe und hat Gegenanzeige (Erpressung, Verleumdung) gestellt. Eine Klärung des Falls bis zum Beigeordneten-Wahltermin am 21. Januar steht nicht in Aussicht. Für Rehbaum gilt die Unschuldsvermutung und die Räte wählen allein dem eigenen Gewissen verpflichtet – eine für beide Seiten schwierige Konstellation.

Chancen zur Wahl werden auch Lars Bredemeier eingeräumt. Der 54-jährige Christdemokrat, geboren in Bremen, leitet seit 2019 das Baudezernat im schleswig-holsteinschen Elmshorn (52.000 Einwohner) und soll bei Vorstellungsgesprächen besten Eindruck hinterlassen haben.

Drei Außenseiter

Zwei weitere Anwärter aus Berlin und ein junger Magdeburger Professor mit eindrucksvoller wissenschaftlicher Karriere gelten als Außenseiter. Nach bisweilen brachial geplatzten Absprachen der politischen Ratslager im Vorfeld vorangegangener Beigeordnetenwahlen ist eine Außenseiterrolle bei solchen geheimen Abstimmungen aber nicht mit Chancenlosigkeit gleichzusetzen.